Düren: Nach dem Hangrutsch in Sorge

Düren: Nach dem Hangrutsch in Sorge

Große Betroffenheit bei Bürgermeister Paul Larue. Im Rathaus nahm er die Erdrutsch-Katastrophe von Nachterstedt zum Anlass, vor einem Dutzend Pressevertretern erneut auf die „Unbeherrschbarkeit solcher Löcher, jedenfalls wenn man sie mit Wasser füllt” hinzuweisen.

Ihm zur Seite: Dezernent Hans Wabbel sowie weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung und drei Mitglieder der Interessengemeinschaft Merken. „Seit Samstag habe ich Angst, muss ich ehrlich sagen”, so Horst Knapp aus Merken, das einmal nur durch eine 150 Meter hohe Steilwand vom Tagebau Inden II getrennt sein wird.

Jahrelang, so Larue, habe man in Düren mit den Bedenken allein auf weiter Flur dagestanden. RWE-Power sei ein großer Arbeitgeber der Region, da standhaft zu bleiben, das sei „weißgott nicht einfach”. Auch, so Larue, wolle er jetzt nicht als Trittbrettfahrer einer Katastrophe dastehen. Aber ehe die Landesregierung der Flutung des elf Quadratkilometer großen Restlochs endgültig zustimme, müssten neue Erkenntnisse aus der Ursachenforschung bedacht werden, „wir bitten um ein Moratorium, um Innehalten und Aufschub”.

Larue betonte, er sei der Sicherheit der Bevölkerung verpflichtet, „die Protagonisten der Flutungsidee haben uns in den Osten geschickt und immer gesagt: schaut euch das an, wie gut das klappt”. Jetzt sei aber die Katastrophe da.

Nicht vergleichbar ist laut Wabbel die Situation in der Tat. Was im Kreis Düren geplant werde, sei nämlich noch ungleich größer dimensioniert als der Braunkohleabbau in Sachen-Anhalt. Der Beigeordnete betonte auch, Eingriffe in die Geologie seien Experimente mit ungewissem Ausgang, „die Sache ist geologisch höllisch kompliziert”. Und er wußte, dass Juristen Ansatzpunkt für ein Klageverfahren sehen.

Josef Bellartz von der IG Merten benannte „das Schlimmste”. „Das ist, wenn jetzt die Menschen aus Merken wegziehen.” Derzeit ist in Merken Schützenfest, man versammelt sich und fragt sich, wie nah der Tagebau an die Ortsgrenze genau herankommt.

In Niederzier, wo der Tagebau ebenfalls nah an den Ortsteil Krauthausen reichen wird, ist Peter Schmidt als stellvertretender Bürgermeister nicht beunruhigt. Die geologischen Verhältnisse seien nicht zu vergleichen. In Sachsen-Anhalt habe es Untertagebau gegeben, im Kreis Düren nicht. Zudem werde zwischen dem Riesenloch und der Bebauung ja noch die Rur fließen.

Landrat Wolfgang Spelthahn ist am Montag mit RWE Power in Kontakt getreten, wie er mitteilte. Er habe erfahren, dass „nach menschlichem Ermessen bei uns nichts dergleichen passieren kann”.

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