Aachen/Düren: Nach BGH-Urteil: Mord an Dürenerin im Jahr 2006 erneut vor Gericht

Aachen/Düren : Nach BGH-Urteil: Mord an Dürenerin im Jahr 2006 erneut vor Gericht

Der Prozess um den Raubüberfall auf die 77-jährige Ehefrau eines Dürener Möbelhausbesitzers im Jahr 2006 wird seit Donnerstag erneut vor dem Aachener Landgericht verhandelt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil der 1. Großen Schwurgerichtskammer aus dem Herbst 2015 gekippt und das Verfahren zurückverwiesen.

Für den Raubüberfall waren die Angeklagten Marian S. (39) und Tomasz M. (39) wegen gemeinschaftlichen Raubmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Zur Vorgeschichte: Die Täter waren morgens in das Privathaus der Unternehmerfamilie eingedrungen. Nach dem Versuch, von der Ehefrau die Tresorkombination zu erpressen, starb die 77-Jährige. Ihr Körper wies Brandspuren eines Bügeleisens auf, hieß es im ersten Verfahren, der Tod war damals laut Rechtsmedizin mit der brutalen Fesselung und Knebelung und einer einhergehenden „Kompression“ des Brustkorbes herbeigeführt worden.

Die Täter hätten den Tod der Dame nicht nur billigend in Kauf genommen, hieß es im damaligen Urteil, sondern sie hätten ihn vorsätzlich herbeigeführt, um sich vor einer späteren Entdeckung zu schützen. Die Angeklagten, zwei von mutmaßlich vier Tätern, waren Jahre nach der Tat in Polen festgenommen worden, ein DNA-Treffer hatte sie mit dem Dürener Fall in Verbindung gebracht.

Unmaskiert gegenübergetreten

Die Bewertung der Tat von der die 1. Schwurgerichtskammer als Raubmord muss nun von der 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts neu beurteilt werden. Der BGH äußerte sich dazu deutlich: „Das Schwurgericht hat seine Überzeugung, dass die Angeklagten die Geschädigte absichtlich, also mit dolus directus 1. Grades töteten und in Verdeckungsabsicht handelten, allein auf den Umstand gestützt, dass sie ihrem Tatopfer unmaskiert gegenübergetreten sind und damit die Gefahr einer späteren Identifizierung bestand. Diese Überzeugung ist nicht tragfähig begründet.“ Die Beweise seien lückenhaft und nicht frei von Widersprüchen.

Marian S. hatte im September 2015 ein Teilgeständnis abgelegt, das er am Donnerstag wiederholte. Er sei in der Region gewesen, um Autos zu kaufen. Ein Kollege habe ihn gebeten, ihn und zwei weitere Täter am 21. Februar 2006 nach Düren zu fahren. Er sei dort vor dem Haus im Auto sitzengeblieben. Ein Mittäter habe sich seine Handschuhe geliehen, daher die DNA-Spuren am Tatort. Tomasz M. will sich erst am 7. Februar äußern.

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