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Platz für ökologische Vielfalt: Nabu übt trotz deutlich mehr Brachflächen Kritik

Platz für ökologische Vielfalt : Nabu übt trotz deutlich mehr Brachflächen Kritik

Blühflächen am Ackerrand sind enorm wichtig für die ökologische Vielfalt. Laut amtlichen Zahlen werden sogenannte Brachflächen insgesamt immer größer. Doch Umweltschützer sind trotzdem eher mäßig begeistert.

Nordrhein-Westfalens Landwirte lassen deutlich mehr Äcker unbewirtschaftet als früher und bekommen dafür Geld von der EU. Die Brachfläche in der NRW-Landwirtschaft sei von 2010 bis 2020 von 10.702 Hektar auf 25.154 Hektar angestiegen, teilte das Landesstatistikamt am Dienstag in Düsseldorf mit. Seit 2015 zahlt die EU eine sogenannte Greening-Prämie, wenn Landwirte einen Teil ihrer Flächen brach liegen lassen. Damit sollen negative Umweltfolgen von Monokulturen abgebremst und die ökologische Vielfalt gestärkt werden. Lagen 2010 nur 1,1 Prozent der Ackerflächen in NRW brach, so stieg der Anteil bis 2020 den Angaben zufolge auf 2,4 Prozent.

Auf Brachflächen können Wildblumen wachsen und Insekten leben. Beim Naturschutzbund (Nabu) hielt sich die Freude über die Zahlen des Statistikamtes aber in Grenzen. Die Nabu-Agrarexpertin Eva Lisges wies darauf hin, dass es früher viel größere Brachflächen gegeben habe. „In den 80ern wurden obligatorische Brachflächen eingeführt, um eine Überproduktion zu verhindern – das hatte positive Folgen für die ökologische Vielfalt“, sagt Lisges. In den 90er Jahren lagen bis zu 15 Prozent der Ackerfläche brach. Im Vergleich dazu seien die heutigen 2,4 Prozent ein niedriger Wert.

Zweiter Kritikpunkt der Umweltschützerin ist, dass Brachflächen, auf die sich die EU-Greening-Zahlungen beziehen, in der Regel einmal im Jahr bearbeitet werden. Das sei ein zu kurzer Abstand, damit die Flächen einen besonders wertvollen Lebensraum für Insekten darstellen könnten. Insbesondere der Rückzugs- und Nahrungsraum für viele Tiere im Winter gehe durch die Bearbeitung im Spätsommer oder Herbst verloren. „Brachflächen sollten zwar auch mal bearbeitet, am besten gemäht und abgeräumt, aber nach drei Jahren wäre besser“, sagt Lisges. „Grundsätzlich sind Brachflächen gut – aber es gibt noch Verbesserungsbedarf, damit sie einen möglichst großen Beitrag für die ökologische Vielfalt leisten.“

(dpa)