Köln/Aachen: Müllskandal: Untreue-Prozess gegen Trienekens

Köln/Aachen: Müllskandal: Untreue-Prozess gegen Trienekens

Acht Jahre nach der Aufdeckung des Kölner Müllskandals muss sich der frühere Entsorgungsunternehmer Hellmut Trienekens seit Freitag wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit Hilfe von Tochterfirmen des Konzerns Schwarzgelder in Millionenhöhe angehäuft zu haben.

Das Geld sei auf Schweizer Konten geflossen, von wo aus es als „nützliche Aufwendungen” weiter verteilt worden sein soll. „Wohin das Geld aus dieser schwarzen Kasse letztlich geflossen ist, ließ sich nicht mehr ermitteln”, erklärten die Vertreter der Anklagebehörde. Insgesamt gehe es um Taten in den Jahren 1996 bis 2002.

Als „nützliche Aufwendungen” werden vor Gericht in der Regel Korruptionszahlungen bezeichnet. Der Vorwurf der Untreue wird erhoben, weil der Trienekens-Konzern damals als Aktiengesellschaft firmierte. RWE hielt zeitweise mehr als die Hälfte der Anteile. Deshalb sei eine Schädigung der Unternehmensinteressen strafbar, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Der Name Trienekens war mit Blick auf Spenden- und Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage in die Schlagzeilen geraten. Der Müllskandal hatte seit seiner Aufdeckung Anfang 2002 auch bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Um den Fluss der Gelder zu verschleiern, seien fingierte Rechnungen über nicht erbrachte Leistungen von den Tochterfirmen erstellt worden, warfen die Staatsanwälte Trienekens am Freitag vor. Zum Teil seien wissenschaftliche Arbeiten einfach kopiert und auf dem Briefbogen von Tochterfirmen als angebliche Leistung ausgegeben worden. „Das waren wertlose Abschriften vorhandener Unterlagen”, so die Staatsanwälte. Der Angeklagte äußerte sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen.

Wegen ähnlicher Vorwürfe war Trienekens zu einem früheren Zeitpunkt bereits vom Kölner Landgericht wegen Steuervergehen verurteilt worden. Zwei frühere Manager erhielten ebenfalls Bestrafungen, wogegen allerdings noch Revisionen vor dem Bundesgerichtshof anhängig sind.

Für den Prozess sind 66 Verhandlungstage angesetzt. Zu Beginn der Hauptverhandlung machten die Verteidiger auf den problematischen Gesundheitszustand des 71-Jährigen aufmerksam. Zwei Ärzte betreuen den früheren Unternehmer, zusätzlich sind zwei Mediziner als Gutachter des Gerichts im Prozess. Pro Tag darf wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung nur drei Stunden verhandelt werden. Der nächste Prozesstag ist für den 8. März geplant, weitere Termine folgen bis zum September.

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