Aachen: Morphium-Mord an 85-jährigem Ehemann: „Nur“ Totschlag?

Aachen : Morphium-Mord an 85-jährigem Ehemann: „Nur“ Totschlag?

Lebenslange Haft wegen Mordes und lebenslanges Berufsverbot: Die Aachener Narkoseärztin Lydia H. (38) hat nach den Feststellungen der 1. Aachener Schwurgerichtskammer vom Juli 2012 ihren 50 Jahre älteren Ehemann in der Nacht zum 19. Februar 2011 aus niedrigen Beweggründen, aus Habgier sowie heimtückisch ermordet.

Sie rammte ihm im Streit eine Spritze mit einer Überdosis Morphium ins Bein, der 85-jährige starb in der gemeinsamen Aachener Wohnung. Jetzt, seit Donnerstag, steht die ehemalige Ärztin wieder vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts und könnte wesentlich milder davonkommen als im ersten Prozess.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte der Revision ihrer Anwälte nachgegeben und eine neue Verhandlung angeordnet. Dem BGH war die juristische Begründung des Mordes suspekt, das Bundesgericht tendiere eher zu einer milderen Variante des Totschlags, hatte es in der Entscheidung vom Sommer 2013 geheißen. In dem auf acht Verhandlungstage angesetzten erneut spektakulären Verfahren erschien Lydia H. am Donnerstag gefasst, kein siegreiches Lächeln gab es, keine andere Äußerung verließ ihre Lippen, rein äußerlich schien sie an Gewicht verloren zu haben.

Lydia H. hat über ihren Verteidiger Marc Sitzer angekündigt, sich am kommenden Prozesstag, dem 11. März, umfassend äußern zu wollen. Er und sein Kollege Christoph Hebbecker gehören der Kanzlei des bekannten Strafrechtlers Prof. Ulrich Sommer in Köln an. Sommer hatte die Revision vor dem BGH betrieben. Die erneut wegen Mordes angeklagte Medizinerin hatte im ersten Prozess von düsteren Drohungen des Ehemannes gesprochen, er werde die ehemalige Prostituierte „zurück in die Gosse stoßen“ und sie enterben.

Die damals 35-jährige Frau hatte gerade ihre erste Stelle als Ärztin in Ulm angetreten und sich dort auf eine andere Beziehung eingelassen. Der 85-Jährige Ehemann kam dahinter, es folgte der tödliche, nächtliche Trennungsstreit. Auch hierauf zielt die Rüge des Bundesgerichtshofes ab, der eher eine Affekttat sieht.

Das Urteil wird am 8. April erwartet.