Maastricht/Madrid: Mordfall Nicky Verstappen: Gefundene DNA als Beweis nicht zulässig?

Maastricht/Madrid : Mordfall Nicky Verstappen: Gefundene DNA als Beweis nicht zulässig?

Nach der Festnahme des Tatverdächtigen Jos B. in der Nähe von Barcelona wird seine Auslieferung in die Niederlande erwartet. Doch wie geht es dann im Mordfall Nicky Verstappen weiter, der die Region an der deutsch-niederländischen Grenze seit 20 Jahren beschäftigt?

Die Polizei rechnet damit, dass Jos B. im Laufe der nächsten Woche in den Niederlanden ankommen wird. Ein spanischer Richter hatte am Dienstag entschieden, dass der 55-Jährige mit einem verkürzten Auslieferungsverfahren den Niederlanden übergeben wird.

Der dringend Tatverdächtige im Mordfall Nicky Verstappen hatte dem beschleunigten Verfahren zugestimmt. Sobald er in den Niederlanden ankommt, wird er von der Polizei in Haft genommen und innerhalb von 24 Stunden dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Der Professor für Rechtspsychologie Peter van Koppen sagte in einem Interview mit dem niederländischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NOS: „Da sind zunächst zwei wichtige Fragen: Ist die DNA auf der Unterhose die des Täters? Und stimmt die Übereinstimmung zu hundert Prozent?“

Eine gefundene DNA-Spur am Tatort beweise nur, dass die DNA von einem Verdächtigen ist. Ob die Spur tatsächlich vom Täter stammt, müsse ausreichend geklärt werden: „Zeigen diese Spuren, dass Nicky von diesem Mann ermordet wurde? Oder ist Nicky missbraucht worden und starb auf andere Weise?“

Ein weiteres Problem ist van Koppen zufolge auch die Art, wie die Ermittler an die DNA von Jos B. gekommen sind. Die Probe wurde im Zusammenhang mit der Vermisstenmeldung B.s gesammelt, nicht im Fall des ermordeten Jungen. Die Probe dürfe nicht einfach für einen anderen Fall genutzt werden. „Wenn sie rechtswidrig erlangt wurde, kann es sogar sein, dass die DNA nicht als Beweis verwendet werden darf. Dann kommt er davon.“ Van Koppen geht davon aus, dass der entsprechende Anwalt B.s dieses Argument prominent in seiner Verteidigung nutzen wird.

Der Oberstaatsanwalt Jan Eland betonte dagegen, neben der Probe von B. lägen auch DNA von zwei Familienangehörigen des Tatverdächtigen vor, durch die eine Übereinstimmung festgestellt werden konnte. Auch gebe es genetische Spuren B.s auf Gegenständen in den Niederlanden, die ebenfalls neben den Proben aus dem Vermisstenfall gesichert wurden.

Selbst wenn Jos B. sich auf sein Schweigerecht berufen sollte, habe die Staatsanwaltschaft genügend Beweise dafür, dass er mit dem Tod und sexuellen Missbrauchs des elfjährigen Jungen zu tun gehabt habe. „Wir haben sehr eindeutige Spuren an sehr spezifischen Orten. Auf Basis dieser Spuren und der übrigen Ermittlungen können wir rekonstruieren, was passiert ist.“

Eland hoffe allerdings, dass sich B. erklären wird, damit Nickys Eltern endlich Antworten darauf bekämen, was in den letzten Stunden seines Lebens passiert ist.

Schon jetzt haben sich mehrere limburgische Anwälte angeboten, Jos B. Im Prozess um den getöteten Nicky Verstappen zu verteidigen. Darunter ist auch Gitte Stevens, die in den Niederlanden für die Verteidigung des Rockerclubs Bandidos bekannt ist.

Der 55-jährige Jos B. wurde am Sonntagmittag in einem abgelegenen Gebiet etwa 50 Kilometer von Barcelona entfernt festgenommen. Ein Zeuge hatte den Mann aus Simpelveld auf einem Foto in den Medien erkannt, dass die niederländische Polizei im Rahmen einer Öffentlichkeitsfahndung herausgegeben hatte. Er gilt als dringend tatverdächtig, den elfjährigen Nicky Verstappen vor zwanzig Jahren ermordet zu haben. Über die Todesursache des Jungen aus Heibloem ist nichts bekannt. Der Prozess wird nicht nur in den Niederlanden mit Spannung erwartet.

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