Brunssum: Mordfall Nicky Verstappen: Der entscheidende DNA-Treffer ist noch nicht dabei

Brunssum : Mordfall Nicky Verstappen: Der entscheidende DNA-Treffer ist noch nicht dabei

Der entscheidende Treffer, der zur Aufklärung des Todes von Nicky Verstappen führt, war bisher nicht dabei. Der Elfjährige war im August 1998 aus einem Ferienlager in der Brunssumer Heide verschwunden und einen Tag später tot in einem Tannenwäldchen in der Nähe entdeckt worden.

An seiner Kleidung befand sich die DNA eines bisher unbekannten Mannes. Alle Bemühungen, den Mord aufzuklären, waren bisher vergeblich. Der ultimative Versuch ist nun die große Verwandtschaftsuntersuchung, die vor gut drei Wochen angelaufen ist. Obwohl die Beteiligung am Ende nur noch spärlich ausfiel und sich etwa ein Drittel der aufgerufenen Männer verweigerte, ist die Polizei mit dem vorläufigen Ergebnis zufrieden. Bisher haben 14.049 Männer freiwillig Speichel abgegeben.

Aufgerufen zu diesem größten Massentest in der niederländischen Kriminalgeschichte waren insgesamt 21.500 Männer, sieben Abgabelokale waren am 24. Februar geöffnet und die letzten drei am Sonntag geschlossen worden. In einem Radius von fünf Kilometern um den Tatort waren 17.500 Männer aus Landgraaf, Brunssum und Heerlen ausgewählt worden, außerdem aus Nickys Wohnort Heibloem. Daneben erhielten auch 4000 Männer, die 1998 in diesem Gebiet gewohnt hatten, aber umgezogen waren, einen entsprechenden Brief der Polizei.

Die DNA-Spur war dank neuer Techniken erst zehn Jahre nach Nickys Tod entdeckt worden. Über die männliche Linie einer Familie, etwa den Großvater oder Onkel, hofft die Polizei, dem Täter auf die Spur zu kommen. Experten vermuten, dass er sich in der Gegend ausgekannt haben muss oder sogar in der Nachbarschaft wohnt.

Keine 100-prozentige Beteiligung

Die Polizei hatte schon nach gut einer Woche einen Appell ausgesprochen, sich an der Aktion zu beteiligen, als sich abzeichnete, dass die Resonanz geringer war, als man erhofft hatte. Zu Beginn hatte Nickys Familie eindringlich darum gebeten, zu den Abnahmestellen zu kommen, damit die Unsicherheit über die letzten Stunden des Jungen nach 20 Jahren beendet werden könne. Man habe zwar gehofft, eine 100-prozentige Beteiligung zu erreichen, weil dann die Chancen auf einen Aufklärungserfolg am größten seien, sagte Polizei-Projektleiter Hans Ramaekers: „Aber auch bei diesem Aufkommen kann es sein, dass wir genügend DNA-Profile haben, um zu einem guten Ergebnis zu kommen“ und so die vielen Fragen, die sich um den Tod des Jungen ranken, beantworten zu können. Allerdings ist weder bekannt, wie Nicky zu Tode gekommen oder ob er missbraucht worden ist.

Die DNA-Abnahme wird auch in den nächsten Wochen noch weitergehen. Menschen, die aus verschiedenen Gründen verhindert waren, sollen noch aufgesucht werden. Auch die Probenentnahme an 700 Männern außerhalb der Provinz Limburg ist noch nicht abgeschlossen. Neben der Untersuchung über die männliche Familienlinie gibt es eine weitere sogenannte autosomale DNA-Untersuchung, dabei geht es um Chromosomen, die keine Geschlechtsinformationen tragen. Betroffen davon sind 1500 Männer, deren genetisches Profil eins zu eins mit der DNA an Nickys Leichnam abgeglichen wird. 936 davon haben seit Ende Oktober Wangenschleim abgegeben.

Die Proben werden — teilweise automatisiert — im Niederländischen Forensischen Institut in Den Haag untersucht. Da dort pro Tag etwa 200 Proben bearbeitet werden können, wird es noch Monate dauern, bis alle Auswertungen vorliegen. Zwei andere Mordfälle in den Niederlanden aus den Jahren 1992 und 1999 an jungen Frauen waren durch groß angelegte DNA-Untersuchungen in den vergangenen Jahren geklärt worden, darauf richten sich nun auch die Hoffnungen der Fahnder in Limburg. Die Verwandtschaftslinien von 15 000 Proben geben nach Berichten niederländischer Medien Aufschluss über die DNA von etwa einer Million Männer.