Aachen/Eschweiler: Mord am Ehemann der Geliebten im Urlaubshotel: Prozessauftakt

Aachen/Eschweiler : Mord am Ehemann der Geliebten im Urlaubshotel: Prozessauftakt

Wolfhard S. war angesehener Technischer Regierungsrat bei der Bundeswehr, er arbeitete in Düsseldorf, seine Frau lebte im ehelichen Haus in Eschweiler. Im Sommer 2015 wollte der 48-Jährige anscheinend sein Leben völlig neu ordnen, schilderte am Montag seine damalig neue Freundin Margarete D. (48) vor dem Aachener Landgericht.

Die Düsseldorferin hatte ihn im Mai 2015 über die Internetplattform „Friendscout“ kennengelernt, sie fand ihn „sehr nett“. Im September 2015 dann hatte sie Wolfhard S. im bulgarischen Warna am Schwarzen Meer besuchen wollen. Für eine Woche, sagte sie, er buchte für sich sogar drei Wochen. Doch sie kam am Ende zwei Tage zu spät. Denn statt einen erwartungsfrohen Freund vorzufinden, berichtete sie dem Vorsitzenden Richter Markus Vogt blass und stockend, habe sie ihn tot in einer riesigen Blutlache im Hotelzimmer aufgefunden.

Die Aachener Staatsanwaltschaft macht für die Tat vom 4. September 2015 den Geliebten der Ehefrau von S. verantwortlich. Der 42-jährige und selbst aus Warna stammende Andrey T. wohnte im Haus des Ehepaares in Eschweiler. Er soll aus Habgier gehandelt haben, um nach der Tat mit Julia S. ein sorgloses Leben zu führen, der Regierungsrat galt als vermögend, besaß laut Staatsanwältin Melissa Hilger Kapitalanlagen von mehreren 100.000 Euro.

Das Todesdrama spielte sich an einem Freitagabend im Norden von Warna ab, im „Studio 223“ des Hotels „Magnolia“. Laut Anklage erschlug Andrey T. den Ehemann seiner Geliebten „mit 51 Hieben einer Axt oder eines Axt-ähnlichen Schneidewerkzeuges“. Die Hiebe spalteten Wolfhard S. den Kopf, er sackte auf dem Bett des Zimmers zusammen. So lag er da, bis ihn zwei Tage später Freundin Margarete D. fand.

Die Tat wurde laut Anklage heimtückisch von hinten ausgeführt. Vorher sollen Opfer und Täter zwischen 19 und 20 Uhr noch gemeinsam in einer Couchecke des Studios gesessen haben. Nach der Tat soll sich der Täter noch im Hotelzimmer das Blut abgewaschen haben. Dies machte er wohl nicht gründlich genug, Ermittler fanden im Auto des Angeklagten Blut des Opfers, entsprechende DNA-Gutachten sollen jedoch erst am 22. August gehört werden.

Der vom Aachener Strafverteidiger Alexandros Tiriakidis vertretene Angeklagte sagte am Montag zu den Vorwürfen nichts. Zu seiner Person aber gab er Auskunft. „Ich hatte bis jetzt ein völlig normales Leben“, ließ er übersetzen, er spricht kein oder wenig Deutsch. Er habe Abitur, habe in Warna verschiedene Stellen gehabt, auch beim Militär. Er habe eine zwölfjährige Tochter, seine Frau sei Assistentin an der Hochschule, Fachbereich Jura, berichtete er. Ein Bekannter habe ihm 2013 den Job an der Autobahntankstelle Aachener Land vermittelt. Darüber lernte er die Familie S. kennen, zog später ins Haus ein. Letztes Jahr sei er zu einem großen Aachener Betrieb als Produktionshelfer gewechselt, er habe keine 30 Tage am Stück mehr arbeiten wollen.

Die Beziehung der Eheleute S. sei inzwischen brüchig gewesen, hatte der Nebenklageanwalt Olaf Graf berichtet. Er vertritt die Eltern des Getöteten, die am Montag nicht anwesend waren. Auch die Ehefrau erschien nicht. Die Russin, gegen die ebenfalls ermittelt wurde, ließ ihren Zeugentermin platzen und machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.

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