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„Keine Sache für drei Jahre“: Monheim macht das Busfahren kostenlos

„Keine Sache für drei Jahre“ : Monheim macht das Busfahren kostenlos

Ab dem 1. April müssen die Monheimer Einwohner nicht mehr für den öffentlichen Nahverkehr zahlen. Die Kleinstadt am Rhein will damit das Klima schützen. Als Beispiel für andere taugt die Stadt aber nur bedingt.

In Monheim am Rhein können ab dem 1. April alle Einwohner kostenlos mit dem Bus fahren. Die Kleinstadt zwischen Leverkusen und Düsseldorf wird damit die einzige Kommune in Nordrhein-Westfalen, in der die Bürger für den Öffentlichen Nahverkehr nichts mehr bezahlen müssen. Die Stadt plant nach eigenen Angaben, dafür jährlich knapp dreieinhalb Millionen Euro auszugeben.

Während Menschen, die nicht in Monheim wohnen, weiterhin Tickets kaufen müssen, haben die mehr als 43 000 Einwohner den sogenannten Monheim-Pass erhalten, der als Fahrschein innerhalb der Stadt fungiert und zudem gratis Einlass in die Stadtbibliothek gewährt. Wer etwa in die benachbarten Großstädte Köln und Düsseldorf fährt, zahlt künftig nur noch knapp die Hälfte.

Die Entscheidung sei „ganz klar Klimaschutz-motiviert“, sagte Bürgermeister Daniel Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur. Beim Ziel, den CO2-Ausstoß der Stadt bis 2030 deutlich zu reduzieren, sei der Verkehr eine wichtige Säule - „und da haben wir bisher noch keine Einsparung erreicht“.

Mit der Maßnahme will der Bürgermeister vor allem die Gelegenheitsfahrer dazu animieren, häufiger mit dem Bus zu fahren. „Man kann Leute dazu zwingen, mehr Bus und Bahn zu fahren, wie das Düsseldorf mit der Umweltspur macht“, sagte Zimmermann, „oder man versucht, attraktive Alternativen zum Auto zu schaffen“.

Damit nimmt Monheim in NRW eine Vorreiterrolle ein. „Ich weiß, dass alle aufmerksam beobachten, was wir hier machen“, sagte Zimmermann. Eine Sprecherin des NRW-Verkehrsministeriums erklärte, man begrüße „jede Maßnahme, die den ÖPNV attraktiver macht und dem Klimaschutz dient.“ Aber: „Kostenloser ÖPNV hat dabei aus unserer Sicht nicht oberste Priorität.“

Dass sich die Stadt Monheim in einer exponierten Lage befindet, weiß auch der Bürgermeister: „Man muss ehrlicherweise sagen, dass das teuer ist. Viele Städte können sich das vielleicht nicht leisten, aber es hängt auch davon ab, welche Prioritäten man als Stadt setzt.“ Seit der 37-Jährige mit seiner Lokalpartei Peto vor zehn Jahren zum damals jüngsten Bürgermeister des Landes gewählt wurde, hat er die Kommune gehörig umgekrempelt. Sie gilt inzwischen als Steueroase, nirgendwo sonst in NRW zahlen Unternehmen weniger Gewerbesteuern. Die Wirtschaft in der Stadt floriert und sorgt für eine volle Stadtkasse - jährlich schafft Monheim Millionenüberschüsse. Als Beispiel für andere Kommunen taugt Monheim daher nur bedingt.

In den vergangenen drei Jahren hatte die Kleinstadt sein Netz bereits erheblich ausgebaut, die Busse fahren statt 1,4 jetzt 2,1 Millionen Kilometer pro Jahr. Einen positiven Effekt hatte das allerdings nicht, wie Zimmermann zugibt: „Das Nutzerverhalten ist stagniert.“

Kurzfristig rechnet Zimmermann auch mit dem Monheim-Pass nicht mit mehr Fahrgästen. Schließlich würden gerade angesichts der Corona-Krise kaum jemand Bus fahren. Auch die autonom fahrenden Kleinbusse, die erst Ende Februar den Betrieb aufnahmen, bleiben aktuell in der Garage. In den kommenden drei Jahren, so lange gilt der mit den Verkehrsbetrieben ausgehandelte Vertrag, will der Bürgermeister allerdings einen deutlichen Anstieg sehen - auch wenn er sagt: „Auf ein bestimmtes Ziel wollen wir uns bewusst nicht festlegen.“

Allein ist Monheim mit diesem Konzept in Deutschland nicht: Seit Januar ist Busfahren in Augsburg zumindest in der Innenstadt kostenlos, auch das bayerische Städtchen Pfaffenhoven bietet den Gratis-ÖPNV an. Auch im brandenburgischen Templin probierte man es zwischen 1998 und 2003 - als nicht nur die Fahrgastzahlen stiegen, sondern auch die Kosten, wurde das Projekt beendet. Von einem schnellen Ende nimmt Zimmermann Abstand, auch wenn die Verträge nur drei Jahre laufen: „Wenn man so etwas einführt, dann muss man es auch dauerhaft einführen. Das ist keine Sache für drei Jahre.“

(dpa)