Missbrauch-Skandal in Lügde Experten fordern mehr Schutz von Kindern

Nach Missbrauch-Skandal : Experten fordern mehr Schutz von Kindern

Nach dem Missbrauch-Skandal im nordrhein-westfälischen Lügde fordern Verbände auf breiter Front Maßnahmen für einen besseren Kinderschutz.

Mindeststrafen für Kindesmissbrauch sowie für Besitz und Verbreitung von kinderpornografischem Material müssten erhöht werden, heißt es in Stellungnahmen für eine große Expertenanhörung im Landtag am 24. Juni.

Rufe nach der Einsetzung eines Kinderschutz-Beauftragten und einer Hotline für Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen werden laut. Die Landschaftsverbände LWL und LVR beklagen zudem einen dramatischen Fachkräftemangel in den landesweit 186 Jugendämtern.

Fast unisono fordern die Experten die Bildung von berufsübergreifenden Netzwerken aus Kitas, Schulen, Jugendhilfe, Vereinen, Kinderärzten, Betreuungsstätten. Bemängelt wird, dass besonders auf dem Land das Netz von Beratungsstellen zu dünn sei.

Kinderärzte sollten sich untereinander besser austauschen können. Dafür solle es Lockerungen bei der Schweigepflicht und beim Datenschutz geben. Internet-Service-Provider in Deutschland sollten wie in den USA dazu verpflichtet werden, Verdachtsfälle zu melden.

Die schwarz-gelbe Landesregierung will in Kürze ein Konzept zum Kinderschutz vorlegen. Auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen waren jahrelang mehr als 40 Kinder missbraucht und die Taten gefilmt worden. Die Ermittlungen waren begleitet von Pannen bei Polizei und Ämtern. Der Prozess gegen drei Angeklagte beginnt am 27. Juni.

(dpa)
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