Aachen: Misereor: FIFA macht Reibach, Südafrika zahlt für WM

Aachen: Misereor: FIFA macht Reibach, Südafrika zahlt für WM

Der für Südafrika erwartete positive WM-Effekt wird aus Sicht von Misereor durch die Schulden für neue Stadien gedämpft. Das Schwellenland hätte das Zeug gehabt, Vorbild für Europa zu sein: „Das Land am Kap war fast schuldenfrei”, sagte der Südafrika-Experte des katholischen Entwicklungshilfewerks, Karl Wirtz.

Jetzt zapfe das Land wieder Banken an, brauche rund vier Milliarden Euro allein für die neuen Stadien.

Wirtz kritisierte den Weltverband FIFA: „Südafrika hat große Stadien. Die bestehende Infrastruktur hat den Bedarf weitgehend abgedeckt, aber nicht die Anforderungen der FIFA.”

Der Verband habe rücksichtslos die anspruchsvollen Mindestanforderungen für die Stadien durchgesetzt. Das Land ächze unter der finanziellen Belastung, und die FIFA mache den Reibach. „Was passiert nach der WM mit den Stadien, die niemand braucht?”

Auch wenn das Schwellenland Südafrika wirtschaftlich etwas besser dastehe als andere Entwicklungsländer auf dem Kontinent, sei es längst nicht am Ziel. In erster Linie profitiere nur ein kleiner, überwiegend weißer Anteil der Bevölkerung von den ökonomischen Stärken. Knapp jeder zweite lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Für die Stadionneubauten wurden Menschen vertrieben, ebenso wie fliegende Händler aus der Stadt. Für das Migranten-Problem stehe „Blikkiesdorp”, ein Flüchtlingslager am Rande des Flughafens von Kapstadt mit 10.000 Menschen, sagte Wirtz.

„Natürlich wird es auch Proteste geben, wo die Armen auf sich aufmerksam machen, wo Inhalte transportiert werden. Das ist auch gut so.” Aber aus einem „Feuerchen” dürfe keinesfalls ein „Brand” mit Gewaltausschreitungen werden. Das wäre fatal.

Die WM sei eine der seltenen „goldenen Chancen”. Afrika in den Medien das war bisher: Aids, Hunger, Elend, Kriege. Mit der WM sehe die Welt Afrika mit anderen Augen.

Wohl nie zuvor habe es über den Kontinent so viele Dokumentationen, Berichte, Reportagen gegeben, die überraschend moderne Seiten des Landes zeigten. „Es gibt die neue Generation von Afrikanern, die ausgebildet ist, weltgewandt, die natürlich mit uns auf Augenhöhe gehen.” Für Südafrikas Wirtschaft sei es wichtig, Sympathiepunkte zu sammeln. „Das ist für Geschäfte oft wichtiger als alles andere.”

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