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In NRW gilt die Maskenpflicht: Ministerpräsident Laschet sorgt in Kommunen für Ärger

In NRW gilt die Maskenpflicht : Ministerpräsident Laschet sorgt in Kommunen für Ärger

In Bussen, Bahnen und Geschäften nicht mehr ohne Maske: Die Mehrheit in NRW scheint diese Maßnahme beim Start zu akzeptieren. Unakzeptabel finden NRW-Kommunen eine Kritik von Ministerpräsident Armin Laschet.

Zum Start der Maskenpflicht in Nordrhein-Westfalen war die Akzeptanz dafür groß: In Bussen, Bahnen und Geschäften trugen die meisten Menschen Schutzmasken oder behelfsmäßig auch Tücher oder Schals.

Unterdessen sorgt Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit Kritik an der Coronakrisen-Bewältigung der Kommunen für Ärger. Die kommunalen Spitzenverbände sprachen gar von einer Belastung des Vertrauensverhältnisses zur Landesregierung. Laschet hatte in der TV-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag angedeutet, die Kommunen seien auf die Schulöffnung nicht ausreichend vorbereitet gewesen und hätten etwa nicht rechtzeitig Desinfektionsmittel beschafft.

Zur Belastung für die Familien werden auch mehr und mehr die bis auf eine Notbetreuung geschlossenen Kitas. Auch bei der angestrebten Rückkehr zur regulären Betreuung dürfte es künftig in den Ländern unterschiedlich zugehen. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) geht nicht davon aus, dass Kinder an einem bundeseinheitlichen Stichtag in die Kitas zurückkehren. Es soll ein Rahmen geschaffen werden, „in dem die Länder regional und länderspezifisch ihr eigenes Tempo gehen können“, erklärte er. Die Notbetreuung sei seit Montag für die Kinder von erwerbstätigen Alleinerziehenden erweitert worden.

Zur finanziellen Entlastung von Eltern werden die Beiträge für die Kindertagesbetreuung und Offene Ganztagsschule in Nordrhein-Westfalen auch für Mai ausgesetzt. Das Land und die Kommunen verzichteten wie im April auch im Mai auf das Erheben entsprechender Elternbeiträge, gab die Landesregierung am Montagabend bekannt. „Gleichzeitig arbeiten wir an Konzepten, wie wir die Bildungsangebote für unsere Kinder in vielen kleinen Schritten wieder öffnen können“, unterstrich Stamp.

Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Menschen in NRW stieg am Montag um 203 auf insgesamt 31.860. Die Todesfälle stiegen um 35 auf 1131. Die annähernde Zahl der Genesenen betrug nach Angaben des Gesundheitsministeriums 21 737. Die Verdopplungszeit verlängerte sich auf 25,8 Tage.

Durch gefälschte Websites zum Corona-Soforthilfeprogramm des Landes erbeuteten alleine zwei Betrüger etwa 34.000 Euro. Die Zahlen könnten laut NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) aber noch steigen. Von mehr als 900 eingegangenen Anzeigen wurde bisher ein Viertel geprüft.

Trotz aller Sorgen während der Corona-Krise nahmen die Menschen die Maskenpflicht auch mit einer Spur Humor, wie die Durchsage im Regionalexpress 6 am Montagmorgen deutlich machte: „Sollten Sie sich irgendwie nackt vorkommen im Gesicht: Ab heute gilt die Maskenpflicht.“ Alle waren vorbereitet: In den Zügen, aber auch in Bahnhöfen, an Haltestellen und Vorplätzen trugen die Menschen OP-Masken aus Papier oder selbstgenähte Masken aus modischen Stoffen.

Als eine der ersten Kommunen in NRW führte die Stadt Wesseling auch an ihren Schulen die Maskenpflicht ein. Von Dienstag an sollen Schüler und Lehrer der drei weiterführenden Schulen Schutzmasken tragen. Verpflichtend sind die Masken in den Fluren und auf dem Schulhof, allerdings nicht im Unterricht.

Auch beim Einkaufen trugen die Menschen natürlich Maske. Der Discounter Aldi Süd will in der Corona-Krise mit digitalen Zutrittskontrollen die Zahl der Kunden in seinen Filialen begrenzen. Sensoren an den Ein- und Ausgängen sollen dabei die Kundenzahl im Laden in Echtzeit überwachen. In einzelnen Filialen soll ein Ampelsystem oder eine Bildschirmanzeige getestet werden.

Es gab am Montag auch Ärger. Neben den kommunalen Spitzenverbänden giftete auch der Krefelder Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) per Twitter gegen Ministerpräsident Laschet: „Es ist ein Affront gegen all jene, die vor Ort tagtäglich gegen die Krise und ihre Folgen ankämpfen“, sagte er über dessen Aussagen bei „Anne Will“. Auch Düsseldorfs Schuldezernent Burkhard Hintzsche wies Vorwürfe Laschets zurück.

Die Materialbeschaffung für die Schulen soll jetzt einfacher werden, nämlich über eine Online-Plattform. Mehr als 100 Hersteller und Lieferanten seien bereits auf der Plattform „Protectx“ vertreten, teilten IHK Nord-Westfalen und Bezirksregierung Münster mit.

Die Schulen im Land sind seit Donnerstag für einen Teil der Schüler wieder geöffnet. In Dormagen wurde ein Gymnasium nach nur zwei Tagen Schulbetrieb indes sogleich wieder geschlossen. Die Mutter eines Schülers war positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Auch viele der Menschen, die auf Lebensmittel von den Tafeln angewiesen sind, können diese Hilfe wieder in Anspruch nehmen. 120 von 170 Tafeln haben wieder geöffnet sagte Wolfgang Weilerswist, Landesvorsitzender der Tafeln in NRW. „Einige geben die Lebensmittel aus den Fenstern aus, andere liefern sie zu den Kunden.“ Das sei ganz unterschiedlich. Die Tafeln hätten sich mittlerweile auf die Hygiene-Maßnahmen eingestellt.

(dpa)