Maastricht: Millionen gegen Hochwasser im Maastal

Maastricht: Millionen gegen Hochwasser im Maastal

Wer die Maastrichter, Lütticher, Kölner oder Düsseldorfer um Rhein oder Maas beneidet, der sollte die Kehrseite der Medaille nicht vergessen. Denn mindestens einmal im Jahr verwandeln sich die Flüsse in reißende Ungeheuer und wohl dem, der dann sicher hinterm Deich sitzt oder die Hochwasserschutzmauern hervorkramen kann.

Wieviel Geld wirksamer Hochwasserschutz verschlingen kann, lässt sich derzeit im niederländischen Südlimburg verfolgen. Dort haben die Stadt Maastricht und die Gemeinde Eijsden-Margraten im Auftrag von Staat und Provinzregierung eine Studie erstellen lassen mit einem Paket von Vorschlägen, die das südliche Maastal langfristig vor Hochwasser schützen sollen. Kosten der Gesamtmaßnahme nach heutigem Stand: rund 347 Millionen Euro. Das berichtete jetzt die Tageszeitung „De Limburger“.

Wichtigste „Maasnahme“: Der Fluß muss mehr Platz bekommen. Im Jahr 2050, so der Plan, soll rund anderthalb mal soviel Wasser ohne Komplikationen durch Maastricht hindurchrauschen können wie beim legendären Hochwasser 1993. Dies könne laut Studie unter anderem durch eine Regulierung des Flusslaufes geschehen und indem man das Bett der Maas verbreitert und vertieft.

284 Millionen Euro würde es kosten, die Maas im kritischen Flussabschnitt 1,10 Meter tiefer auszubaggern. Vorteil: Viele Deiche müssten dann nicht oder nur in Maßen erhöht werden, die historische Uferlinie in Eijsden und die Kaianlagen in Maastricht könnten mehr oder weniger in ihrer heutigen Form bestehen bleiben. Trotzdem würde die erforderliche Anpassung der Deiche weitere 63 Millionen Euro verschlingen, schreibt der „Limburger“.

Der Plan, den gewaltigen Steinbruch des Zementherstellers ENCI im Süden von Maastricht als Auffangbecken zu nutzen, ist dagegen vom Tisch. Die nur auf den ersten Blick gigantische Grube wäre bei Hochwasser innerhalb eines Tages voll. Zudem wäre dieser natürliche Puffer nicht verlässlich, weil er nicht automatisch funktioniert, sondern erst jemand per Knopfdruck das Tor öffnen und die Maas hereinlassen müsste.

(sim)
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