Aachen/Brühl: Mehr Platz fürs Phantasialand

Aachen/Brühl: Mehr Platz fürs Phantasialand

Dem Phantasialand in Brühl läuft so ein bisschen die Zeit davon, doch der Regionalrat hat es nicht eilig. Das Phantasialand ist der größte Freizeitpark der weiteren Region, der Regionalrat ist das politische Parlament, das der Bezirksregierung übergeordnet ist.

Und die Bezirksregierung in Köln ist dafür zuständig, die für sein Überleben notwendige Erweiterung des Phantasialandes zu genehmigen. Seit acht Jahren laufen die Verhandlungen über die Erweiterung des Parks, aber noch immer ist nicht absehbar, ob und wenn ja: wann das Phantasialand um wie viel vergrößert werden darf.

Freizeitparks können nur noch dann attraktiv sein, wenn sie in immer kürzeren Abständen immer aufwendigere und immer teurere Attraktionen anbieten. Um sich diese leisten zu können, sind die Parks darauf angewiesen, dass ihre Besucher nicht mehr nur einen Tag dort verbringen, sondern zwei oder besser noch drei. Die Freizeitparks brauchen Übernachtungsgäste und wollen Kurzurlaubsziele sein, anders lässt sich das Geld für neue Attraktionen kaum mehr verdienen.

Beschluss verschoben

Der deutsche Marktführer, der Europa-Park in Rust, verfügt über 85 Hektar Fläche und vier Hotels, in denen es 4500 Betten gibt. Ein weiteres 1000-Betten-Hotel ist im Bau. Vier Millionen Besucher kommen jedes Jahr, eine Million als Kurzurlauber, als Übernachtungsgäste. Das sind 25 Prozent. Ins Phantasialand kommen jährlich etwa zwei Millionen Gäste, als Kurzurlauber kommen aber nur 200.000: zehn Prozent. Es gibt auch nur 1000 Betten. Mehr braucht das Phantasialand im Moment auch nicht, denn auf nur 28 Hektar Fläche, das stellt die Parkleitung gar nicht in Abrede, lassen sich kaum mit Anstand zwei Tage ausfüllen. Das Phantasialand kann so kein attraktives Kurzurlaubsziel sein.

Dies alles steht in den Verfahrensunterlagen, die bei der Bezirksregierung Köln liegen, im Laufe der Jahre ist ein gewaltiger Aktenberg zusammengekommen. Das Problem einer Erweiterung ist, dass das Phantasialand umgeben ist von Wald und Wohngebieten. Ins Wohngebiet kann man nicht erweitern, weil die Anwohner sich nicht zwangsumsiedeln lassen; um Wald für Freizeitpark zu roden und sich über Fragen des Natur- und Artenschutzes hinwegsetzen zu können, muss man gewaltige Auflagen erfüllen. Eine ist: Die Erweiterung muss von allgemeinem Interesse sein. Dass das Phantasialand 1350 Menschen beschäftigt und durch die Erweiterung seiner Fläche weitere Stellen in Aussicht stellt, ist ein Teil eines Allgemeininteresses. Die Verpflichtung zur Aufforstung des zu rodenden Waldes an anderer Stelle ein anderer.

Am Freitag nun sollte der Regionalrat über einen sogenannten Erarbeitungsbeschluss abstimmen. Diesem Beschluss folgen die Beteiligung der Behörden und öffentlichen Stellen an dem Erweiterungsvorhaben, die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Anwohner. Es folgen Erörterungen, ein Aufstellungsbeschluss, die Rechtsprüfung und die Bekanntmachung. All das dauert Jahre. Am Freitag wurde die Abstimmung über den Erarbeitungsbeschluss vertagt, das Umweltministerium bat um vorherige Rücksprache mit der Bezirksregierung. Die Abstimmung wurde auf den 14. Oktober verschoben.

„Wir respektieren die Entscheidung der Bezirksregierung”, erklärte danach Ralf-Richard Kenter, Parkdirektor des Phantasialandes, obwohl ihm so ein bisschen die Zeit davonläuft.