Mehr Insolvenzverfahren in Aachen und Heinsberg beantragt

Gegen den NRW-Trend : Mehr Insolvenzverfahren in der Region beantragt

In der Region sind im ersten Halbjahr 2019 mehr Insolvenzanträge gestellt worden. Besonders in der Städteregion Aachen ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 10 Prozent gestiegen. In NRW ist der Trend hingegen rückläufig.

Für die gesamte Region wurden im ersten Halbjahr 2018 rund 850 Insolvenzanträge gestellt. In diesem Jahr wurden bis Juni bereits 912 Insolvenzen angemeldet, was einem Anstieg von 7 Prozent entspricht. Dieser Anstieg betrifft besonders Verbraucher und ehemals Selbstständige. Um drei Prozent rückläufig waren hingegen die Unternehmensinsolvenzen auf 172 Anträge im ersten Halbjahr.

Besonders in der Städteregion Aachen wird diese Veränderung deutlich. Die Verbraucherinsolvenzen sind um 13 Prozent gestiegen, die Insolvenzen der ehemals Selbstständigen sogar um knapp 51 Prozent. Bei den Unternehmensinsolvenzen ist die Zahl von 99 im ersten Halbjahr 2018 auf 81 in diesem Jahr gesunken.

Im Kreis Heinsberg zeichnet sich ein etwas anderes Bild ab. Dort sind zwar ebenfalls mehr Insolvenzen beantragt worden, diese verteilen sich aber anders als in der Städteregion. Während sowohl die Insolvenzen von Unternehmen um 42 Prozent und von Verbrauchern um vier Prozent gestiegen sind, haben rund 15 Prozent weniger ehemals Selbstständige einen Antrag gestellt. Insgesamt gab es im Kreis 14 Insolvenzanträge mehr als im Jahr 2018 (+7,4 Prozent).

Nur der Kreis Düren reiht sich in den NRW-Trend der sinkenden Anzahl an Insolvenzen ein, wenn auch nur knapp mit fünf Anträgen weniger. Hier sanken besonders die Unternehmensinsolvenzen mit 12 Prozent weniger und die der ehemals Selbstständigen mit ganzen 42 Prozent weniger. Insgesamt acht Verbraucher mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres haben einen Insolvenzantrag gestellt.

Auf Gemeindeebene stechen besonders Eschweiler, Alsdorf und Stolberg heraus. Dort sind je 10.000 Einwohner die meisten Insolvenzanträge gestellt worden. Mit über 20 Anträgen ist Eschweiler dabei Spitzenreiter. Besonders wenige Insolvenzen wurden hingegen in den Gemeinden Vettweiß (2,13 Insolvenzen je 10.000 Einwohner), Merzenich (3,07) und Waldfeucht (3,42) beantragt. Die Stadt Aachen landet mit 7,24 Insolvenzen im Mittelfeld des regionalen Vergleiches.

In den letzten Monaten haben besonders die Insolvenzen von Kronenbrot in Würselen und den Bäckereien Oebel und Drouven für Aufsehen gesorgt. Während Kronenbrot zum 31. Juli seinen Betrieb eingestellt hat und alle Mitarbeiter entlassen wurden, konnte sich die Bäckerei Drouven fangen und ist aus der Insolvenz raus.

Von Januar bis Juni sind in gesamt NRW knapp 13.280 Anträge eingegangen. Das waren im Vorjahresvergleich 2,1 Prozent weniger. Zeitgleich sank auch die Höhe der Forderungen um ein Fünftel von 2,75 Milliarden Euro auf 2,15 Milliarden Euro.

Von den etwas mehr als 2800 Unternehmensinsolvenzen waren laut IT.-NRW rund 19.000 Arbeitnehmer betroffen. Mehr als ein Viertel der Anträge wurden mangels Masse abgewiesen. Bei den Amtsgerichten in NRW gehen seit Jahren immer weniger Insolvenzverfahren ein. 2009 zählte das Statistische Landesamt 37.501 Fälle. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 26.817. Damit gingen die Verfahrenszahlen in den vergangenen neun Jahren um mehr als ein Viertel zurück.

(jas/dpa)
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