Aachen: Mehr ICE in Aachen: Aber erst ab 2017

Aachen: Mehr ICE in Aachen: Aber erst ab 2017

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wird die Deutsche Bahn (DB) zunächst vier zusätzliche ICE-Verbindungen auf der Strecke Aachen-Köln-Aachen anbieten, eine davon am späteren Nachmittag von Köln nach Aachen.

Das bestätigte ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Die Bahn kommt damit insbesondere den Interessen von Bahnpendlern entgegen, deren DB-Monatsticket ab 13. Dezember 2015 die Gültigkeit für die Mitfahrt im französischen Hochgeschwindigkeitszug Thalys verliert.

Bevor es allerdings so weit ist, müssen die Pendler sich noch ein Jahr lang mit den vorhandenen vier ICE-Verbindungen zwischen Aachen und Köln und dem Angebot des Regionalverkehrs begnügen. Ein Wermutstropfen.

Die Hintergründe, warum die häufigere Taktung der ICE nicht schon jetzt, also zeitgleich mit dem Wegfall des Thalys, angeboten werden kann, erläutert ein Bahnsprecher: „Das muss alles mit großem Vorlauf geplant werden.“ Nur einmal im Jahr gebe es eine internationale Fahrplankonferenz, bei der die Rahmenbedingungen für ein Zusammenspiel aller nationalen Fahrpläne geschaffen würden.

Für die zusätzlich geplanten ICE bestehe zurzeit auch noch ein Trassenkonflikt mit dem belgischen Regionalverkehr im Großraum Brüssel. „Da wollen zwei Züge zur selben Zeit am selben Ort sein.“ Auch an verfügbaren Zügen hapert es noch: Bislang sind nur ICE der Baureihe 406 in Belgien zugelassen. Davon gibt es aber nicht genug.

„Das ist eine Konsequenz der über viele Jahre praktizierten Sparpolitik der Deutschen Bahn im Fernverkehr“, sagt der Dürener Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvize Oliver Krischer (Grüne) dazu: „Ich finde, dass diese Entscheidung überhaupt nicht zu der von der DB angekündigten Offensive für ein verbessertes Fernverkehrsangebot passt.“

Die Bahn stockt zwar jetzt fleißig ihre ICE-Flotte mit neuen Zügen auf, doch die Lücke, die der Wegfall des Thalys reißt, kann damit nicht so schnell geschlossen werden. Für die neuen ICEs der Baureihe 407 ist die Zulassung für Belgien noch nicht abgeschlossen. „Das ist eine extrem komplexe Aufgabe“, erläutert ein Bahnsprecher. Zwei verschiedene Signal- und Sicherungssysteme müssen erstmal auf einen Nenner gebracht werden.

Oliver Krischer möchte das als alleinige Erklärung nicht gelten lassen. Die öffentlich geäußerte Kritik der Pendler an der gestrichenen Thalys-Nutzung — die Rede ist von „Mitnahmeausschluss“ — findet er ebenso berechtigt wie ihr Anliegen, als zahlungskräftige Bahnkunden angemessen transportiert zu werden. Krischer hat Bahnchef Rüdiger Grube in einem Brief aufgefordert, die Entscheidung „kurzfristig“ zu überdenken und zu revidieren.

An politische Vertreter unterschiedlichster Couleur hat sich Axel Steinert als einer von vielen betroffenen Pendler gewandt: mit einer Onlinepetition an den Landtag. Darin heißt es unter anderem: „Die Pendler sind über den gezeigten Separatismus sehr erbost.“ Es sei in einem modernen Europa so nicht akzeptierbar, dass „jetzt erneut künstliche Grenzen“ geschaffen werden.

Politiker werden jetzt aktiv

Rudolf Juchelka, ebenfalls Pendler, befürchtet durch eine immer schlechtere Bahnfernverkehrsanbindung die Schwächung des Wirtschaftsstandortes Aachen und führt folgenden Vergleich an: Saarbrücken, ebenfalls Grenzort mit weniger Einwohnern als Aachen, habe sechs tägliche Fernverkehrszugpaare. Sein Fazit: Aachen wird von der Deutschen Bahn „stiefmütterlich“ behandelt.

Neben Oliver Krischer haben sich auch die Aachener Landtagsabgeordneten der Grünen, Reiner Priggen und Karin Schmitt-Promny an die Bahn gewandt. In einem Brief an Bahnvorstand Ronald Pofalla plädieren sie dafür, nachdrücklich darauf hinzuwirken, dass die DB mit dem Thalys-Konsortium erneut in Richtung einer für beide Seiten akzeptablen Lösung verhandelt. Parteiübergreifend haben sich inzwischen alle Aachener Landtagsabgeordneten positioniert und werben nun mit einer Unterschriftenaktion dafür, die bisherigen Pendlerangebote beizubehalten. Unterschriftenlisten sind in den Wahlkreisbüros ausgelegt und auf den Internetseiten abrufbar.

Mit dem Fahrplanwechsel zum 13. Dezember hat die Deutsche Bahn die Sondervereinbarung mit der Bahngesellschaft Thalys International aufgekündigt. In deren Rahmen konnten Inhaber von Monatskarten der Deutschen Bahn, Jobtickets und Bahncard 100 den Schnellzug auf der Strecke Aachen-Köln kostenlos nutzen.

Schon seit dem 1. Dezember 2011 ist die Bahn nicht mehr am wirtschaftlichen Ergebnis von Thalys International beteiligt. Der zehnprozentige Anteil an der Gesellschaft besteht derzeit noch. Die Deutsche Bahn will sich zukünftig stärker auf ihre eigenen ICE-Verkehre zwischen Frankfurt und Brüssel konzentrieren.

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