Kommentar zum ÖPNV: Mehr Geld für eine richtige Lösung

Kommentar zum ÖPNV : Mehr Geld für eine richtige Lösung

Natürlich haben die Kritiker recht: Ein Bürgerticket, das alle bezahlen, aber wegen des ausgedünnten Angebots nur wenige nutzen, wäre eine unsinnige finanzielle Belastung. Aber im Abgang schmeckt dieses Argument ein bisschen wie die Brexit-Debatten im britischen Unterhaus.

Ein ständiges Nein hilft schließlich nicht weiter. Überhaupt wirkt diese Begründung schon wie eine Kapitulation, weil sie die oft beklagten Schwächen des Öffentlichen Nahverkehrs als gottgewollt darstellt. Statt die Bürger vor einer Zwangsumlage für ein schlechtes Angebot zu schützen, könnte man sich doch auch mal der Verbesserung widmen.

Der ÖPNV ist ohnehin ein Zuschussgeschäft; deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob mit etwas (viel) mehr Geld eine richtige Lösung zu schaffen wäre. So scheint doch in Hasselt gelungen zu sein, was Einzelhändlern hierzulande unmöglich vorkommt: Autos aus der Stadt zu halten und ihre Fahrer doch als Kunden in die Geschäfte zu holen. Zur Attraktivität des ÖPNV gehört eben auch ein attraktiver Preis.

Bislang versucht die Politik eher mit den klassischen Bordmitteln die Verkehrswende zu bewerkstelligen. Wenn etwa der Individualverkehr mit höheren Abgaben oder Parkgebühren verteuert wird, wirkt daneben selbst ein mieses Busangebot noch vergleichsweise attraktiv. Dann zahlt am Ende vielleicht der Wuppertaler Autofahrer noch mehr als den Preis eines Bürgertickets und hat noch weniger davon.

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