„Fridays for Future“-Demos: Mehr als zehntausend Teilnehmer in NRW

„Fridays for Future“-Demos : Mehr als zehntausend Teilnehmer in NRW

Grimmig blickt Greta Thunberg in die Welt - in einer Pappmaché-Version, die die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ in Düsseldorf begleitet. Wie in der Landeshauptstadt haben sich Tausende Schüler am Freitag in ganz Nordrhein-Westfalen bei miserablem Wetter auf den Weg gemacht, um den Welt-Protesttag zu unterstützen - selbst die ganz kleinen.

Die Düsseldorfer Schulleiterin Sandra Gehrke ist mit den 3. und 4. Klassen der Montessori-Grundschule aus Garath zur Demo gekommen. Warum mit so jungen Schülern? „Weil das auch in den Grundschulen ein Thema ist“, erklärt die Pädagogin. „Wir haben eine Projektwoche zum Klima- und Umweltschutz. Unsere Erst- und Zweitklässler sind heute im Wald, und sammeln Müll.“ Auch für kleine Kinder sei es wichtig zu lernen, dass sie ihre Meinung vertreten und dafür auf die Straße gehen können, unterstreicht Gehrke. „Das gehört zur Demokratie dazu.“

Nicht im Rahmen einer Projektwoche, sondern auf eigene Faust sind Neuntklässler der Gesamtschule Essen-Holsterhausen in die Landeshauptstadt gekommen. „Wir sind hier, weil es um unsere Zukunft geht“, erklären Anna (14) und Paulina die Beweggründe ihrer Clique. Die Schulleitung zeige Verständnis für ihr Engagement. „Wir haben eine Entschuldigung von unseren Eltern, dass wir heute leider nicht am Unterricht teilnehmen können, weil wir beim Weltaktionstag sind, den Stoff aber selbstständig aufarbeiten werden.“

Sind sie jeden Freitag dabei? „Nein, das geht nicht. Freitags haben wir alle Hauptfächer.“ Dass einzelne Schulen die Anzahl der abwesenden Schüler der Bezirksregierung melden wollen - im Fall eines Düsseldorfer Gymnasiums sogar namentlich - finden sie „unmöglich“.

Die größte Mobilisierung schafft Nordrhein-Westfalens einzige Millionenstadt Köln. Dort zogen nach Polizeiangaben rund 10.000 Teilnehmer - ausgerüstet mit Regenschirmen und wetterfester Kleidung - vom Bahnhofsvorplatz durch die Innenstadt. In Düsseldorf gehen die Veranstalter von rund 8000 Demonstranten aus, die Polizei gibt keine Schätzung ab. Auf Plakaten heißt es zum Beispiel: „Opa, was ist ein Schneemann?“ oder „Ihr seid tot, wenn wir noch leben“.

Eine Schülerin zeigt während der Demo „Fridays for Future“ im Zentrum von Halle/Saale ihre Hände mit der Aufschrift „Our future in our hands“. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Die 14-jährige Jana aus Köln findet es „ungerecht, dass die Politiker und Leute, die nicht mehr so lange auf der Erde sein werden wie wir, sich oft nur so wenig für den Klimaschutz einsetzen“. Die gleichaltrige Tamara pflichtet ihr bei: „Man sieht ja überall, wie schlecht es der Welt geht. Darum wollen wir uns dem Klimawandel entgegen stellen.“ Für die Teilnahme an der Demo nehmen sie Fehlstunden in Kauf. „Sechs Fehlstunden für das Klima sind ja nun auch nicht zu viel.“

Anders ist es bei einer Reihe von Schülern des Kölner Hansa-Gymnasiums. Lehrerin Elenor Kern-Eversheim ist mit ihrer ganzen neunten Klasse gekommen. „Ich habe bei unserer Schulleitung einen Antrag auf eine Exkursion gestellt und das mit "aktiver Zukunftsplanung" begründet“, sagt sie. Als Unesco-Projektschule engagiere sich das Hansa-Gymnasium ohnehin stark in den Bereichen Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung.

Auch zahlreiche Eltern sind bei den Demonstrationen dabei - zum Beispiel Hedwig Fritz aus Leverkusen, die ein Schild mit der Aufschrift „Parents for future“ trägt. „Ich finde es großartig, dass die Schüler zivilen Ungehorsam zeigen, damit die Politiker endlich aufwachen“, sagt sie.

Auch in Aachen, Bonn, Dortmund, Wuppertal und vielen anderen Städten gingen tausende auf die Straße, unterstützt von Mitgliedern verschiedener Klimaschutzorganisationen. Was sie von moralinsauren Politiker-Ermahnungen zur Schulpflicht halten, zeigten ihre Plakate: „Ich kann heute leider nicht zum Unterricht erscheinen, da die Erde erkrankt ist“.

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