Urteil für Eltern eine Genugtuung: Mehr als neun Jahre Haft für Iulianas Mörder

Urteil für Eltern eine Genugtuung : Mehr als neun Jahre Haft für Iulianas Mörder

Nicht die Höchststrafe für den Jugendlichen - aber für die Eltern der 15-jährigen Iuliana trotzdem eine Erleichterung: Das Landgericht Mönchengladbach hat den Mörder ihrer Tochter am Mittwoch zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt - rund acht Monate nach der aufsehenerregenden Bluttat in einem Viersener Park am Niederrhein.

Am helllichten Tag hatte der Ex-Freund dem Mädchen mit einem Messer die tödlichen Stiche versetzt - wahrscheinlich aus Eifersucht.

Der 18-Jährige habe die Tat geplant und dafür auch ein Messer bei sich gehabt, stellten die Richter nach Angaben eines Behördensprechers in dem nicht öffentlichen Verfahren fest. Er habe das Mädchen töten wollen. Dafür spreche auch die Vielzahl der Messerstiche in den Oberkörper des Mädchens.

Iuliana - die von allen Iulia gerufen wurde - habe zu keinem Zeitpunkt mit der Tat gerechnet, war die Jugendkammer überzeugt. Blutüberströmt und um Hilfe rufend war das Mädchen nach früheren Angaben der Polizei auf andere Parkbesucher zugelaufen und kurz danach zusammengebrochen. Stunden später, als die Eltern diese Stelle im Park besuchten, schrie Iulias Mutter ihren ganzen Schmerz heraus.

Strafmildernd werteten die Richter, dass sich der damals 17-Jährige freiwillig der Polizei gestellt und den Tathergang gestanden habe - wenn auch nicht seine Absicht, das Mädchen zu töten. Wegen des jugendlichen Alters des Täters war das Verfahren nicht öffentlich. Zum Tatmotiv des jungen Mannes machte das Gericht öffentlich auch keine Angaben.

Zum Prozessbeginn hatte die Staatsanwaltschaft von einer Eifersuchtstat gesprochen: Als der damals 17-Jährige hörte, dass Iuliana einen neuen Freund habe, sei das ihr Todesurteil gewesen. Er habe sie als seinen Besitz betrachtet, hatte Staatsanwalt Stefan Lingens gesagt.

Mit ihrem Urteil entsprachen die Richter fast den Forderungen der als Nebenkläger auftretenden Eltern und der Staatsanwaltschaft. Beide hatten die höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren Haft gefordert. Eine schlimmere Tat als die des Angeklagten könne er sich kaum vorstellen, hatte Staatsanwalt Stefan Lingens gesagt.

Wie wichtig die Verurteilung wegen Mordes und nicht wie von der Verteidigung gefordert wegen Totschlags für die Eltern des Mädchens ist, machte deren Nebenklagevertreter Steffen Hahn deutlich: „Es ist eine Art Mosaikstein zur Verarbeitung des Geschehens.“ Zum Prozessbeginn waren noch beide Eltern im Gerichtssaal. Am Ende kam nur noch der Vater, dem die Anspannung vor dem Urteil ins Gesicht geschrieben stand.

Der Angeklagte bedauerte in seinem letzten Wort die Tat und entschuldigte sich bei den Eltern. Sie hätten durch seine Tat „einen Menschen verloren, den sie geliebt haben und den ich auch geliebt habe“, sagte er.

Seine Verteidiger hatten die Tat als Totschlag gewertet. Wegen der vielen Todesdrohungen im Vorfeld der Tat sei sie nicht arglos gewesen, sondern habe Angst vor ihrem Ex-Freund gehabt. Die Tat sei eine „Übersprunghandlung“ eines gedemütigten und enttäuschten jungen Mannes mit einem „überarbeitungsbedürftigen“ Frauenbild.

(dpa)
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