Marketing Club: Mehr als gedruckte Zeitungen im Medienhaus Aachen

Marketing Club : Mehr als gedruckte Zeitungen im Medienhaus Aachen

Manchmal, so erzählt Andreas Müller, manchmal erntet er mitleidige Reaktionen seiner Gesprächspartner, wenn er sich als Geschäftsführer eines Zeitungsverlages vorstellt. Die Auflage sinkt, der Anzeigenmarkt verliert an Volumen, die Nachrufe auf eine untergehende Branche sind schon oft geschrieben worden.

Müller kennt nicht nur die mitleidige Reaktionen, sondern vor allem kennt er die Herausforderungen seiner Zunft. Seit mehr als zehn Jahren ist er der Geschäftsführer des Zeitungsverlags Aachen.

Die Goldschürfer-Zeiten sind seit mindestens zwei Jahrzehnten vorbei, aber Mitleid sei kein guter Begleiter, sagt Müller, als nun der Marketing Club Aachen zu Gast im Pressehauscasino war. „Wir sind auf einer sehr langen Straße unterwegs, aber wir haben ein klares Ziel vor Augen.“

Auch Müller macht keinen Hehl daraus, dass auf dem langen Weg in die Moderne traditionelle Marken an Bedeutung verlieren. Mit den gedruckten Zeitungen „Aachener Nachrichten“ und „Aachener Zeitung“ lasse sich kein Wachstum mehr erzielen, räumt er ein. Die Redaktion ist im Wandel, die Abläufe werden effizienter. Bespielt werden längst auch die digitalen Kanäle mit entsprechender Reichweite, schon lange werden alle Volontäre multimedial ausgebildet.

Wichtig für regionale Qualitätszeitungen seien möglichst exklusive Inhalte mit hoher Wertigkeit, sagt Müller. Der Weg ins digitale Zeitalter ist durchaus dornig, räumt auch der Geschäftsführer ein. Es wird experimentiert, der Weg führt zum datenmotivierten Journalismus, um individuell zugeschnittenen Content zu kreieren. Aber vorerst gilt das Branchengesetz: „Mit digitalen Inhalten hat noch keine deutsche Tageszeitung Geld verdient.“

Der Verlag hat längst andere Standbeine jenseits des klassischen Mediengeschäfts geschaffen: Er organisiert Messen und Events, baut Immobilien, gibt serviceorientierte Magazine für kleinere Zielgruppen heraus, beteiligt sich an Lokalradios, investiert in die Logistik, in dem er einen eigenen Brief- und Paketdienst für die Region aufgebaut hat.

„Wir waren mal ein Zeitungsverlag, heute sind wir ein Unternehmen, das Menschen verbindet“, sagt Müllern seinen Zuhörern. Diese 2.0-Strategie sei durchaus erfolgreich, die Jahre 2015 bis 2017 waren die besten in der gesamten Firmengeschichte.

Der Erfolg ist bald auch sichtbar, der Entschluss zu einem neuen Firmengebäude an der Dresdner Straße ist gefällt worden. Das alte Verlagsgebäude wird abgerissen, vorher wird ein neues, vorgelagertes Gebäude hochgezogen. In etwa zweieinhalb Jahren ist dann der Umzug geplant. Nicht mehr der Zeitungsverlag Aachen wird da unterkommen, vielmehr findet dann das „Medienhaus Aachen“ eine neue Unterkunft. „Wir haben bewegte Zeiten hinter uns und vor uns“, sagt Müller, „aber wir haben Spaß an der Herausforderung.“

(pa)
Mehr von Aachener Nachrichten