Mann vor Gericht, weil er seine Eltern getötet haben soll

Zweimal 30 Stiche : Angeklagter gesteht Tötung seiner Eltern

Auf brutale Weise bringt ein junger Mann Mutter und Vater um, einen nach dem anderen. Was den 30-Jährigen so sehr in Rage brachte, ist unklar. Reden will er über seine Eltern vor Gericht vorerst nicht.

Mit 30 Messerstichen tötete er seinen Vater, mit weiteren 30 die Mutter: Ein wegen zweifachen Mordes angeklagter 30-Jähriger hat vor Gericht eingeräumt, seine Eltern erstochen zu haben. Das Verhältnis zu seinen Eltern sei „schon seit geraumer Zeit sehr angespannt“ gewesen, wie der Beschuldigte am Donnerstag vor dem Landgericht Bonn von seinem Anwalt erklären ließ.

„Was sie da eingeräumt haben, ist selbst in der heutigen Zeit nicht alltäglich“, sagte der zuständige Richter in Bonn. Die Staatsanwaltschaft hält den Angeklagten für voll schuldfähig. Ob diese Einschätzung haltbar ist, muss im Prozess geklärt werden, der Beschuldigte selbst hatte Wahnvorstellungen erwähnt. Fest steht schon jetzt: Alkohol und Drogen sind die Konstanten, die sich wie ein roter Faden durch das Leben des Angeklagten ziehen.

Am Tag der Tat habe er zehn große Flaschen Bier getrunken, mehrere Schmerztabletten eingeworfen und Marihuana geraucht, sagte der Anwalt des Beschuldigten. Keine Seltenheit für den 30-Jährigen: „Mehr Trinken als Arbeiten“, fasste er vor Gericht die vergangenen sechs Jahre zusammen, während denen er die meiste Zeit arbeitslos gemeldet war. Da er mit seinen Eltern in Weilerswist bei Bonn in einem Haus lebte, brauchte er nicht viel Geld, außer eben für Drogen und Bier. „Das kam hauptsächlich von den Eltern“, gab der gebürtige Euskirchener zu.

Die Beziehung zu den Eltern sei schon immer „sehr wechselhaft“ gewesen, sagte er - was prompt einen „Das stimmt nicht“-Zwischenruf aus den hinteren Reihen provozierte, den der Richter schnell missbilligte. „Der Grund für seine Handlungen war, dass er sich durch die berechtige Kritik seiner Eltern genervt fühlte und seine Ruhe haben wollte“, sagte der Staatsanwalt in seiner Anklage. Wie er und seine Eltern zueinander standen, wollte der Angeklagte am Donnerstag nicht genauer berichten.

Als voll berufstätige Beamtin und als Gas- und Heizungsinstallateur in Frührente führten die Opfer der tödlichen Stiche in beruflicher Hinsicht ein geregeltes Leben - anders als ihre Söhne, die es beide nicht richtig schafften, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Weder der Angeklagte noch sein fünf Jahre älterer Bruder machten je eine Ausbildung, der Beschuldigte hangelte sich über Jahre hinweg von einer Zeitarbeitsfirma zur nächsten, griff immer wieder zum Alkohol und bekam Probleme mit Lehrern, Kollegen oder Türstehern.

„Der Anklagevorwurf könnte kaum heftiger sein. Ich will verstehen, was da passiert ist“, sagte der Richter in der ersten Sitzung zu dem recht wortkargen Angeklagten. Noch sind viele Hintergründe der brutalen Tat offen - im November soll der Prozess fortgesetzt werden.

(dpa)