Aachen: „Made in Aachen“: Gütesiegel für regionale Betriebe

Aachen : „Made in Aachen“: Gütesiegel für regionale Betriebe

Als vor gut 100 Jahren ein niederländisches Ehepaar seine Goldene Hochzeit feiern wollte, hatten die beiden ein Problem. Dort war sonntags nämlich das Spiel einer Blaskapelle auf der Straße untersagt — dieses hatte sich das Paar aber sehnlich gewünscht. Kurzerhand wurde die Feier schließlich an die Grenze verlegt, wo dann stattdessen auf deutscher Seite gesetzestreu eine deutsche Kapelle aufspielte.

Dies ist nur eines von vielen verbrieften Beispielen für die Anfänge grenzübergreifender Zusammenarbeit in der Region, die bis heute stetig weiterentwickelt wurde. Sie findet auch in der wirtschaftlichen Verflechtung ihren Ausdruck, und so erhielten am Freitag im Grashaus drei Unternehmer das Gütesiegel „Made in Aachen“, die diese Kooperation im geschäftlichen Alltag mit Leben füllen.

Etwa Dirk Harten, Geschäftsführer der Schwermetall Halbzeug GmbH aus Stolberg. Dort produziert er jenes Rohmaterial, das der Kupferstadt ihren Namen gegeben hat, und das mitunter für prominente Verwendungszwecke: „Ein wichtiger Kunde ist beispielsweise die königliche Münzstätte in Utrecht, die wir mit Material beliefern.“ Mit den gigantischen Walzen, die das Kupfer in die gewünschte Form bringen, denke er auch gar nicht erst über einen Standortwechsel nach, wie er betonte. „Die hängt man nicht eben an einen Haken und fährt damit nach China.“ Zudem stelle er fest, dass das Interesse an Industriearbeitsplätzen durch Modernisierung und neue Techniken seit einiger Zeit wieder spürbar wachse.

Voraussetzung, um vom Aachener Industrie-Dialog überhaupt für das Gütesiegel in Betracht gezogen zu werden, ist neben regionaler Produktion auch die eigene Ausbildung von Nachwuchskräften sowie gesellschaftliches Engagement. Beispielhaft dafür wurde dem Unternehmen MTB mit Sitz in Maastricht das Siegel von Oberbürgermeister Marcel Philipp überreicht. Dort werden unter der Regie von Geschäftsführer Hans Verweijen unter anderem Fahrradräder in Spitzenqualität gefertigt, und das auch mit Hilfe von Menschen mit Behinderung. „Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Aachen haben wir 2012 begonnen“, erklärte Verweijen. „Seither reden wir nicht nur miteinander, sondern wir arbeiten auch zusammen — und das sehr profitabel.“

Mit den Produkten, die das dritte Unternehmen herstellt, das fortan das Prädikat „Made in Aachen“ trägt, dürften die Wenigsten schon in Berührung gekommen sein. Die Nokra Optische Prüftechnik und Automation GmbH aus Baesweiler produziert hochpräzise Messgeräte, die mittels Laser Werkstücke vermessen. So würden etwa die Maße von Nockenwellen oder Windschutzscheiben geprüft, wie Günter Lauven erklärte, der Leiter des Bereichs Service. Auch er vermochte von einem guten Kontakt zu Zulieferern und Kunden in der Region zu berichten. „Im persönlichen Gespräch lernt man dann auch, was lokale Anbieter vielleicht besser können als die Konkurrenz aus Übersee“, sagte er.

Vor allem aber sind Unternehmen wie die drei am Freitag ausgezeichneten ein Beleg dafür, dass die oftmals schon totgesagte Industrie sich immer noch als zukunftsfähig erweist. Oberbürgermeister Philipp fasste diese Entwicklung treffend zusammen: „Die konkrete Anwendung von Forschungsergebnissen zeigt sich heute in der Industrie sehr deutlich, während wir von der Produktion in der Vergangenheit oft nur noch die Rücklichter gesehen haben bei der Abfahrt nach Asien.“