Nach Teil-Einstellung des Verfahrens: Loveparade-Prozess erstmals mit nur drei Angeklagten

Nach Teil-Einstellung des Verfahrens: Loveparade-Prozess erstmals mit nur drei Angeklagten

Ein weiterer Polizist soll am Dienstag im Loveparade-Prozess als Zeuge aussagen. Erstmals sitzen auf der Anklagebank nur noch drei Angeklagte. Sie hatten eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen abgelehnt und hoffen auf einen Freispruch.

Mit nur noch drei Angeklagten geht am Dienstag in Düsseldorf der Prozess um das tödliche Gedränge bei der Loveparade 2010 weiter. Das Landgericht Duisburg will einen weiteren Polizisten als Zeugen vernehmen. Der Beamte war damals als Leiter für einen der drei Einsatzabschnitte zuständig. Für seine Vernehmung sind zwei Tage angesetzt. Das Verfahren gegen sieben andere Beschuldigte war vergangene Woche wegen geringer Schuld ohne Auflagen eingestellt worden.

Möglicherweise werden die sieben jedoch im weiteren Prozessverlauf als Zeugen vorgeladen. Ein solcher Antrag eines Nebenklägers ging jetzt beim Gericht ein. Gerichtssprecher Matthias Breidenstein bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. „Nach diesem Antrag sollen alle ausgeschiedenen Angeklagten als Zeugen vernommen werden. Das Gericht prüft jetzt diesen Antrag. Bis Ende April steht das Beweisprogramm allerdings schon fest. Bis dahin werden Polizeibeamte und Mitarbeiter des Veranstalters vernommen“, sagte der Sprecher der „Bild“.

Aus Platzgründen wird der Prozess auch weiterhin in einer Düsseldorfer Kongresshalle abgehalten. Zwar sind die sieben früheren Angeklagten mit jeweils bis zu drei Verteidigern ausgeschieden, doch müssen für die Nebenkläger und ihre Anwälte weiterhin knapp 100 Plätze vorgehalten werden. Hinzu kommen jeweils rund 85 Plätze für Besucher und Presse sowie Plätze für Gericht und Staatsanwaltschaft. „Ein solcher Saal steht am Landgericht Duisburg nicht zur Verfügung“, sagte der Sprecher. Die Miete in Düsseldorf beträgt pro Verhandlungstag rund 29.000 Euro.

Bei den drei verbliebenen Angeklagten handelt es sich um frühere Mitarbeiter der Loveparade-Veranstalterin: den Produktionsleiter, den technischen Leiter und den Leiter Sicherheit der Lopavent GmbH. Sie hatten einen Vorschlag von Gericht und Staatsanwaltschaft abgelehnt, ihre Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von jeweils etwa 10.000 Euro einzustellen. Er wolle nicht auf sein Recht verzichten, freigesprochen zu werden, hatte ein Angeklagter als Grund für die Ablehnung genannt.

Bei dem Techno-Festival waren im Juli 2010 in Duisburg in einem Gedränge 21 junge Menschen zu Tode gedrückt und mehr als 650 verletzt worden. Die Hauptverhandlung hatte im Dezember 2017 begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten Planungsfehler vor. Außerdem sollen sie am Unglückstag gravierende Abweichungen von der Planung, etwa im Bereich der Vereinzelungsanlagen, vorgenommen haben.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten