Lkw-Fahrer stellt sich belgischen Behörden nach Tod von "Gelbweste"

Nach Tod eines „Gelbwesten“-Demonstranten : Lkw-Fahrer nach Aussage wieder auf freiem Fuß

Der niederländische Lastwagen-Fahrer, der einen „Gelbwesten“-Demonstranten in Belgien angefahren und getötet haben soll, ist nach seiner Aussage vor den Behörden auf freiem Fuß.

Der 47-jährige Fahrer aus Landgraaf stellte sich freiwillig der Polizei und machte am Dienstag seine Aussage in einem Justizgebäude in Lüttich. Das berichtet die Zeitung De Limburger. Weil keine Fluchtgefahr bestünde, verbleibt der Lastwagen-Fahrer nicht in Untersuchungshaft. Ein Grund sei seine überzeugende und stimmige Aussage. Außerdem habe er sich freiwillig gestellt.

Um protestierenden „Gelbwesten“ vor dem Justizgebäude aus dem Weg zu gehen, verließen der Tatverdächtige und sein Anwalt das Gebäude über einen geheimen Ausgang, heißt es. Der 47-Jährige wird auch nicht in seinem Zuhause bleiben. Er werde von den Behörden geschützt.

Der Mann aus Landgraaf muss sich vor Gericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Sein Anwalt plädiert auf Freispruch. Es habe sich um einen Unfall gehandelt. Laut Aussage wurde der Fahrer an dem Abend in Visé, wo es zu dem tödlichen Unfall kam, von zehn bis zwanzig Menschen in schwarzen Pullovern, Tarnkleidung und Sturmhauben angegriffen. Er habe daraufhin die Tür verriegelt. Die „Gelbwesten“ sollen dann die Seitenfenster und Windschutzscheibe zerschlagen haben, heißt es vonseiten des Anwalts. „Er dachte, es wäre Krieg. Er handelte in Panik und fuhr los. Das ist keine Straftat", sagte dieser.

Unfallhergang nicht eindeutig geklärt

Ein 49 Jahre alter Demonstrant der Gelbwestenbewegung war am Freitagabend im belgischen Visé bei Lüttich von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt worden. Die belgische Justiz ging davon aus, dass der Mann absichtlich angefahren wurde. Aktivisten behaupten, der Fahrer habe dem Demonstranten in die Augen gesehen, bevor dieser tödlich erfasst wurde.

Laut Anwalt gebe es mehrere Versionen, wie es zu dem Unfall gekommen war. Der Aktivist soll sich demnach zwischen Kabine und Anhänger befunden haben und dabei unter das Auto gekommen sein, sagt der Anwalt. Auch haben die „Gelbwesten“ einen Reifen zwischen Vorderrad und Karosserie gelegt. Ein mögliches Schleifen habe der Fahrer somit nicht mit einem eventuellen Opfer in Verbindung gebracht. „Er hatte keinen Grund zur Annahme, dass er jemanden überfahren hatte“, sagt der Verteidiger.

Der Mann aus Landgraaf soll demnach zudem nicht gewusst haben, dass per europäischem Haftbefehl nach dem Schuldigen gesucht würde. Er habe die Sozialen Medien nicht verfolgt und erst am Montag gehört, das er gesucht wird. In Absprache mit dem Anwalt entschied er sich, sich den Behörden zu stellen, um ein Auslieferungsverfahren und Haft zu vermeiden.

Falscher Verdächtiger

Am Samstagabend war ein verdächtiger 56-jähriger Mann in Tilburg im Süden des Landes von der niederländischen Polizei vorläufig festgenommen worden (wir berichteten). Es stellte sich aber heraus, dass er mit dem tödlichen Vorfall nichts zu tun hatte.

Die Gelbwestenbewegung hat ihren Ursprung in Frankreich. Mittlerweile gibt es auch Demonstrationen an den Grenzen zwischen den Niderlanden und Belgien, abe auch zu Deutschland. Sie protestieren vor allem gegen zu hohe Kraftstoffpreise und ursprünglich gegen die französische Regierung. Die Gelbwesten setzen sich mittlerweile außerdem für die Senkung von Steuern, die Anhebung des Mindestlohnes sowie höhere Renten ein.

(red)
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