Düsseldorf: Laumanns Plan: Maximal 30 Minuten zum Krankenhaus

Düsseldorf: Laumanns Plan: Maximal 30 Minuten zum Krankenhaus

Karl-Josef Laumann (CDU) hat den Umbau der Krankenhauslandschaft in NRW angeschoben. Wie das Ministerium auf Nachfrage bestätigte, hat der Gesundheitsminister das in diesem Zusammenhang zentrale Gutachten in Auftrag gegeben. Es wird nach bisherigen Plänen die Grundlage für den Umbau bilden.

Aus dem Gutachter-Auftrag, der unserer Redaktion in Auszügen vorliegt, gehen die wichtigsten Eckpfeiler von Laumanns angestrebter Reform hervor: NRW wird künftig wohl mit weniger Krankenhäusern auskommen müssen, die allerdings in maximal 30 Auto-Minuten erreichbar sein sollen. Die Gutachter sollen zudem offenbar den Weg für neue Zentralkliniken ebnen, in denen mehrere Häuser ihre Kompetenzen bündeln. Konkret ist von Geburtshilfe-, Brustkrebs- und Transplantationszentren die Rede sowie von „Zentren für Seltene Erkrankungen“.

Die Verteilung der Kapazitäten soll stärker als bislang an der Altersstruktur und der Verteilung von Krankheitsbildern in den Regionen orientiert sein. Gesondert geprüft werden sollen Möglichkeiten der „Verschiebung von stationären Leistungen in den ambulanten Versorgungsbereich“, wie es im Angebotstext der Beratungsgesellschaft heißt, dem Laumann den Zuschlag erteilt hat. Erste Ergebnisse sollen noch im laufenden Jahr vorliegen, der Abschlussbericht in der Mitte des kommenden Jahres.

Auftragnehmer ist die „Partnerschaft Deutschland GmbH“, eine auf die öffentliche Hand spezialisierte Beratungsgesellschaft in Berlin. Sie soll sich vom Fachbereich Gesundheitsmanagement der Technischen Universität Berlin unterstützen lassen. Mit der Gutachtenvergabe erhöht Laumann erneut den Druck auf Krankenkassen, Ärzteschaft und die Träger der rund 370 NRW-Krankenhäuser. Experten werfen ihnen vor, die Verhandlungen über derartige Reformen seit Jahren zu verschleppen. Deshalb hat Laumann bereits das Krankenhausgestaltungsgesetz umgeschrieben mit dem Ziel, die Verhandlungen zu beschleunigen. Zudem lockt er die Betreiber mit millionenschweren Einzelfallförderungen zu mehr Kooperation. Die Krankenhäuser sollen sich freiwillig zu Versorgungsverbünden zusammenschließen und Behandlungsschwerpunkte aufteilen.

„Die grundlegende Richtung für die Krankenhausreform in NRW haben wir bereits vorgegeben: weg von schlichten Bettenzahlen hin zu mehr Bedarfs- und Qualitätsorientierung“, sagte Laumann. Bei der Umsetzung spiele das Gutachten eine zentrale Rolle. Laumann formuliert seine zentrale Fragestellung an die Gutachter so: „Was können wir tun, um die Krankenhausplanung — sowohl was die Qualität als auch die Wirtschaftlichkeit angeht — zukunftssicher zu machen? Ich erhoffe mir von dem Gutachten dafür wichtige Erkenntnisse.“

Unangenehm für viele der überwiegend defizitären NRW-Krankenhäuser dürfte der erste Teil des Gutachtens werden, der unter Umständen noch in diesem Jahr veröffentlicht wird: Die Identifikation von aktuellen Überversorgungen. Die Gutachter sollen präzise „Bettendichte, Auslastung der Planbetten“ sowie das Leistungsangebot in den 16 Gebieten aufzeichnen, in die NRW krankenhausplanerisch unterteilt ist. Auch die Verweildauer der Patienten wird verglichen.

Insider warnen, dass Laumanns Pläne nicht so leicht umzusetzen sind. „Wenn er in einem Krankenhaus eine Abteilung schließen will, kann das betroffene Haus mit guten Chancen dagegen klagen“, sagt ein führender Akteur aus dem NRW-Gesundheitswesen. Offiziell äußern wollen die Beteiligten sich erst, wenn erste Inhalte aus dem Gutachten vorliegen.