Düsseldorf: Laumann will Spezialisierung von Krankenhäusern einfordern

Düsseldorf : Laumann will Spezialisierung von Krankenhäusern einfordern

Eine arbeitsteilige Krankenhauslandschaft, die erste Landarztquote in Deutschland und neue Programme für Ausbildung und Arbeitsschutz - Nordrhein-Westfalens Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat 2018 viel vor. In Düsseldorf stellte er am Montag Schwerpunkte vor.

KRANKENHÄUSER: Arbeitsteilung statt jeder macht alles - so stellt sich Laumann eine hochwertige Krankenhauslandschaft der Zukunft vor. „Ich erwarte, dass die Krankenhäuser ein gemeinsames Versorgungskonzept machen”, kündigte er an. „Es kann nicht sein, dass sie nicht einmal miteinander reden.” Spezialisierung sei bei seltenen Krankheiten ebenso sinnvoll wie bei Organtransplantationen - sowohl im Interesse der Patienten als auch der Krankenkassen. Laumann setzt zunächst auf Überzeugung, machte aber deutlich, dass er effektive Arbeitsteilung notfalls auch durchsetzen will.

FINANZIERUNG: In die Krankenhausfinanzierung will die schwarz-gelbe Landesregierung mehr Geld pumpen: 33 Millionen Euro mehr in diesem Jahr, 166 Millionen mehr im nächsten und danach jährlich 200 Millionen Euro zusätzlich. Derzeit gibt das Land nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 581 Millionen für die Krankenhäuser aus.

LANDARZT-QUOTE: NRW will als erstes Bundesland eine „Landarzt-Quote” in die Vergabe der Studienplätze für Medizin einflechten. Bis zu zehn Prozent der Plätze sollen demnach außerhalb des sonstigen Vergabeverfahrens an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach Abschluss ihrer Ausbildung bis zu zehn Jahre in unterversorgten Regionen zu praktizieren.

Noch in diesem Jahr soll eine rechtssichere Lösung für die Vergabe präsentiert werden. Am schlimmsten ist der Ärztemangel nach Angaben des Ministers in Ostwestfalen. Insgesamt seien schon 60 Prozent der Hausärzte auf dem Land über 60 Jahre alt, sagte Laumann. Ein Thema, dem er höchste Brisanz bei der nächsten Landtagswahl beimisst.

PROFESSUREN: An jeder medizinischen Fakultät in NRW soll es künftig mindestens eine gut dotierte W3-Professur für Allgemeinmedizin geben - bislang hat das nur Düsseldorf. Zudem sollen schon ab dem Wintersemester 2018/19 erste Bewerber an der neuen Außenstelle der Universität Bonn in Siegen Medizin studieren dürfen. Eine neue medizinische Fakultät in Bielefeld soll 2020/21 starten.

SCHULGELD: Auszubildende in Gesundheitsfach- und Heilberufen - etwa Physio- und Ergotherapeuten oder Logopäden - sollen künftig kein Schulgeld mehr zahlen müssen. „Für Mediziner, die später über 100 000 Euro verdienen, zahlt der Staat die Ausbildung. Alle, die unter 30.000 Euro verdienen, zahlen ihre Ausbildung selber”, kritisierte Laumann.

Damit müsse Schluss sein. Bis Ende Januar läuft eine Abfrage bei den Bezirksregierungen, was an den Schulen bezahlt werden muss. Bis zum Sommer will das Gesundheitsministerium ein Konzept vorlegen. Im Haushalt seien bereits vorsorglich 15 Millionen Euro für Schulgeldfreiheit eingestellt, berichtete Laumann.

ARBEIT: In diesem Jahr wird ein neues „Programm Ausbildung” für benachteiligte Jugendliche und junge Leute mit Startschwierigkeiten aufgelegt. Jährlich sollen damit 1000 zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen - in der Endstufe 3000. Bildungsträger und Unternehmen sollen nach Laumanns Vorstellung kooperieren, die Ausbildung soll aber unbedingt in den Betrieben angeboten werden.

„Ich will keine künstliche Ausbildung bei den Bildungsträgern”, unterstrich der Minister. „Es ist ein gewisses Risiko, ob genügend Betriebe mitmachen”, räumte er ein. Für den DGB ist das Programm „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung”. Immerhin blieben in NRW jedes Jahr rund 24.000 Jugendliche ohne Ausbildung, unterstrich die Landesvorsitzende Anja Weber.

WERKVERTRÄGE: Der Einsatz von fremdem Personal im Betrieb nimmt nach Erkenntnissen des Arbeitsministeriums vor allem in der Fleischindustrie stark zu. In erster Linie würden Osteuropäer beschäftigt, berichtete Laumann. Um diese Arbeitnehmer vor Ausbeutung zu schützen, soll ein niedrigschwelliges, mobiles Beratungsangebot aufgebaut werden, das die Betroffenen in ihrer Sprache informiert, welche Rechte sie haben.

(dpa)
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