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Corona-Zahlen noch zu hoch: Laumann sieht Verbesserungen in NRW

Corona-Zahlen noch zu hoch : Laumann sieht Verbesserungen in NRW

Nach den coronabedingten Einschränkungen zeichnen sich erste positive Entwicklungen in NRW ab. Die Lage bleibt aber ernst. Kurz vor dem nächsten Bund-Länder-Gespräch äußert sich Laumann zu Maskenpflicht, 15-Kilometer-Radius und Impfstoff-Notzulassungen.

Die Coronavirus-Infektionszahlen in Nordrhein-Westfalen bewegen sich Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zufolge „kontinuierlich nach unten“. Insgesamt sei die Gefährdung durch das Virus zwar noch „auf zu hohem Niveau“, bilanzierte er am Montag. Sowohl bei den Infektionszahlen als auch bei der Belegung der Intensivstationen sei aber „eine gewisse Entlastung“ festzustellen: „Nicht in großen Sprüngen, aber kontinuierlich entschärft sich die Situation“. In Düsseldorf stand Laumann Rede und Antwort zu den wichtigsten Fragen rund um die Corona-Lage in NRW.

SIEBEN-TAGE-ENTWICKLUNG: Mit 121 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen liege NRW glücklicherweise unter dem Bundesdurchschnitt und habe keine vergleichbare Hotspot-Problematik wie viele andere Bundesländer.

15-KILOMETER-RADIUS: Bis auf die Stadt Bielefeld liege derzeit keine kreisfreie Stadt und kein Kreis im bevölkerungsreichsten Bundesland bei der 7-Tage-Inzidenz über dem Wert von 200. Auch hier müsse aber nicht der eingeschränkte Bewegungsradius von 15 Kilometern greifen, weil Bielefeld mehr „ein Meldeproblem“ denn ein besonderes Infektionsproblem habe. In den vier Kreisen Höxter, Minden-Lübbecke, Recklinghausen und dem Oberbergischen, die vergangenen Woche noch über der 200er-Schwelle gelegen hatten, seien die Werte inzwischen stabil und deutlich darunter. Die Auflage wurde für diese Kreise durch eine Änderung der Verordnung zum 19. Januar zurückgenommen.

PRÄSENZUNTERRICHT: Laumann verwies darauf, die Ergebnisse der neuerlichen Bund-Länder-Gespräche zur Corona-Krise an diesem Dienstag abzuwarten. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Hans-Albert Gehle, sagte, solange es keine wissenschaftlichen Belege gebe, dass Kinder - die oft keine Symptome zeigten - das Virus nicht übertragen, seien Kontaktbeschränkungen der richtige Weg. „Wir werden keine kontaktlosen Wege zur Schule finden und auch keinen kontaktlosen Unterricht“. Distanzunterricht sei weniger ein Problem der Wissensvermittlung als vielmehr der Isolierung der Kinder und der familiären Belastungen zuhause. Dafür müssten Lösungen gefunden werden.

ALTENHEIME: Bis zum Wochenende sollen in NRW alle Menschen in Altenheimen, die sich dazu bereiterklärt haben, einmal durchgeimpft sein. Bislang seien hier rund 300 000 Menschen geimpft worden. Die Impfquote in den stationären Einrichtungen sei „sehr zufriedenstellend“, sagte Laumann. Impfungen seien hier besonders wichtig, da jeder Zweite, der in NRW an oder mit Corona gestorben sei, in einem Altenheim gelebt habe.

KRANKENHÄUSER: Die jetzt startenden und bis in die nächste Woche reichenden Corona-Impfungen für besonders gefährdete Mitarbeiter in den Krankenhäusern betrifft landesweit etwa 100.000 Menschen. Die Impfungen seien dem auf Corona-Stationen tätigen Reinigungspersonal und Handwerkern, unabhängig vom Angestelltenverhältnis, ebenso anzubieten wie Ärzten und Pflegern, betonte Laumann. Gehle appellierte an alle: „Bitte, bitte, lasst Euch alle impfen!“ Wenn medizinisches Personal wegen Corona-Infektionen ausfalle, werde die ohnehin knappe Personaldecke zu kurz. Er gehe in dieser Gruppe von einer Impfbereitschaft von „deutlich über 80 Prozent“ aus.

AMBULANTE PFLEGE: Nach den Altenheimen und den Krankenhäusern sollen im Februar, wenn die Impfzentren öffnen, die rund 80 000 Berufstätigen in der ambulanten Pflege an der Reihe sein.

IMPFEN ZUHAUSE: Laumann will bis zum Dienstagabend gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen ein Konzept vorlegen, wie der Impfstoff Menschen, die nicht mehr mobil seien, zu Hause verabreicht werden könnte. „Es gibt Fälle, wo es besser ist, dass der Doktor kommt, als dass wir Menschen zum Doktor bringen“, sagte der Minister. Das Pharma-Unternehmen Biontech habe ihm am Wochenende mitgeteilt, dass sein Impfstoff auch in Einzeldosen unter bestimmten Voraussetzungen für eine gewisse Zeit transportfähig sei. „Wenn wir die Möglichkeit haben, häuslich zu impfen, werden wir öffentlich informieren.“

ZWEITIMPFUNGEN: In der Frage, ob eine Hälfte der gelieferten Dosen für die unerlässliche Zweitimpfung zurückgelegt oder alles sofort verbraucht werden sollte, sei er „sehr konservativ aufgestellt“, betonte Laumann. Das Schlimmste wäre, wenn am Ende wegen Lieferengpässen nicht genug für die Zweitimpfung zur Verfügung stehe, mahnte er. Noch in dieser Woche werde mit ersten Zweitimpfungen in Altenheimen begonnen.

FFP2-MASKEN: Kurz vor den Bund-Länder-Gesprächen äußerte sich Laumann skeptisch über eine mögliche FFP2-Maskenpflicht. Zwar sei es unzweifelhaft, dass FFP2-Masken medizinisch wirkungsvoller seien als Alltagsmasken. Bevor eine Pflicht beschlossen werde, sie in bestimmten Bereichen zu tragen, sei aber auf Bundesebene zu klären, ob sie in ausreichenden Mengen zur Verfügung stünden. „Da gibt es unterschiedliche Nachrichten.“ Schließlich müssten die Masken alle paar Stunden gewechselt werden. Es dürfe nicht zu einem Engpass in medizinischen Bereichen kommen oder dort, wo FFP2-Masken aus Arbeitsschutz-Gründen notwendig seien. Alternativ könne auch über den Einsatz von OP-Masken nachgedacht werden.

NOTZULASSUNGEN: Er setze sehr auf eine baldige Zulassung des Impfstoffs des schwedisch-britischen Pharmakonzern Astrazeneca, sagte Laumann. Wenn die Europäische Arzneimittelagentur ihn zulasse, könne der unempfindlichere Stoff auch in Arztpraxen verabreicht werden „Dann sind wir in ganz anderen Schlagzahlen.“ Eine nationale Notzulassung komme für ihn nicht in Frage, sagte Laumann. „Wir brauchen Vertrauen.“ Deswegen müsse auch Astrazeneca durch die ganz normale Zulassung gehen.

NORMALVERSORGUNG: Gehle beklagte: „Leider kommen viele Patienten mit akuten Erkrankungen zurzeit aus Angst vor Corona sehr spät ins Krankenhaus.“ Er hoffe, dass die Impfungen des Klinikpersonals den zögernden Patienten wieder Sicherheit gebe.

BUND-LÄNDER-BERATUNGEN: Laumann wollte sich vor den am Dienstag anstehenden Bund-Länder-Beratungen nicht mit NRW-Forderungen positionieren. Die Ministerpräsidenten hätten bei ihren Beratungen mit der Kanzlerin Vieles „in einem Gesamtzusammenhang auch mit der Mutation des Virus aus England einfach neu zu bewerten“. In NRW gebe es bislang „zwischen 10 und 15 nachgewiesene Fälle“ mit Corona-Mutationen.

(dpa)