Aachen: Laschet siegt nach Punkten über Röttgen

Aachen: Laschet siegt nach Punkten über Röttgen

Punktsieg für Armin Laschet. So lässt sich das Ergebnis der CDU-Regionalkonferenz am Freitagabend im Aachener Eurogress am Besten zusammenfassen. Im Rennen um den Vorsitz der nordrheinwestfälischen CDU hat der Laschet seinen Heimvorteil genutzt ohne seinen Konkurrenten, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, deutlich abzuhängen.

Eine „Castingshow” nannte Andreas Krautscheid, der CDU-Generalseketär und Moderator des gestrigen Abends das Aufeinadertreffen von Laschet und Röttgen. Tatsächlich hätte man die gestrige sechste von insgesamt acht Regionalkonferenzen durchaus auch „NRW sucht den nächsten CDU-Chef” nennen können.

Der ehemalige Integrationsminster lieferte sich einen verbalen Schlagabtabtausch mit Röttgen vor einer - wie sich später noch herausstellen sollte - erbarmungslosen 800-köpfigen Jury. Die Entscheidung der Christdemokraten, die Basis über ihren neuen Chef abstimmen zu lassen, erweist sich als äußerst populär. Weil Hunderte CDU-Mitglieder ins Eurogress drängten, musste die Veranstaltung kurzerhand vom kleinen in den großen Saal des Hauses verlegt werden, wo normalerweise die Aachener Karnevalisten ihre Fernsehsitzungen zelebrieren.

Dort, vor heimischem Publikum, hatte Laschet das leichtere Spiel. Wenn er der neue CDU-Chef wird, gibt es für ihn vor allem ein Ziel: Unvergängliche moralische Werte, die die Grundsätze der CDU bildeten, in die heutige Zeit zu übersetzen. „Die Bedürftnisse der heutigen Zeit sind andere als in den Sechzigern”, sagte Laschet. Für die CDU-Mitglieder, denen das zu abstrakt war, hatte er auch ein nicht ganz ernst gemeintes Beispiel parat: „Nicht jede Frau, die heute vollzeit arbeiten will, ist linksradikal.” Gelächter im Saal. Und so plauderte Laschet über die moderne Ausrichtung einer dreigliedrigen konservativ, christlich, sozialen Partei in NRW, die wieder eine Politik machen müsse, die an der Basis verstanden werde und sich auch einmal gegen die Interessen des Bundes durchsetze.

Der einzige Gradmesser für den Erfolg der Kontrahenten war der Applaus des Publikums. Und der war bei Laschet intensiver als bei Röttgen. Vielleicht lag das auch daran, dass einige in dieser Woche darüber ins Grübeln gekommen sind, ob Röttgen tatsächlich der starke Mann neben Merkel ist. Der Atomkompromiss trägt kaum noch seine Handschrift. Und so rückte wieder die Frage in den Vordergrund: Wie will ein Bundesminister in Berlin gleichzeitig die CDU in NRW lenken? „Da sehe ich kein Problem. Ein Land wie NRW hat bundespolitische Interessen. Deshalb sollte es auch in Berlin vertreten sein”, sagte Röttgen. Zumindest CDU-Mitglied Bernd Kaltemeier aus Rott in der Eifel war davon nicht überzeugt: „Herr Röttgen, ich schlage vor, sie konzentrieren sich besser auf ihre Arbeit in Berlin.” Doch neben Bernd Kaltemeier werden darüber noch 160.000 andere Parteimitglieder bis zum 31. Oktober abstimmen. Das Rennen ist absolut offen.

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