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Wenn Bürger diszipliniert bleiben: Laschet für erste Schritte zurück in die Normalität nach Ostern

Wenn Bürger diszipliniert bleiben : Laschet für erste Schritte zurück in die Normalität nach Ostern

Für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist die Zeit reif: Nach Ostern sollte es erste behutsame Schritte zurück in die Normalität geben. Trotzdem ist weiter Disziplin gefragt. Auch über Ostern, wenn es viele nach draußen drängt.

Die Corona-Pandemie ist noch nicht überwunden, aber die Sehnsucht nach Normalität in NRW ist groß. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte am Donnerstag Hoffnung, dass sich bald etwas tun könnte: Er sprach sich dafür aus, das öffentliche Leben nach Ostern behutsam in eine „verantwortbare Normalität“ zurückzuführen. Als Voraussetzung für eine Lockerung der Maßnahmen sehen Bonner Wissenschaftler aber absolute Disziplin bei Hygiene und Verhaltensmaßnahmen.

Schlechte Nachrichten so kurz vor Ostern gab es derweil für Tausende Selbstständige und Kleinunternehmer: das Land stoppte vorübergehend die Auszahlungen von Corona-Soforthilfen. Offensichtlich hatten professionelle Betrüger das Land über gefälschte Antragsseiten abzocken wollen. Aufatmen dagegen in der Landwirtschaft: Endlich sind die ersten sehnlichst erwarteten Erntehelfer gelandet.

Die Lockerung der Corona-Auflagen werde „behutsam“ und „nicht mit einem Schlag“ gehen, sagte Armin Laschet im Düsseldorfer Landtag: „Aber dass wir nach Ostern diesen Versuch wagen sollten, davon bin ich überzeugt.“ Es würden Freiheiten entstehen - so viel wie möglich, aber „in neuer Rücksichtnahme, neuer Verantwortung und in Distanz.“

Die Rückkehr in die Normalität werde er kommende Woche nach Ostern auch mit den Ministerpräsidenten der Länder und mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erörtern, sagte Laschet. Der Ministerpräsident will sich Ostersonntag im Radio und Fernsehen an die Bürger wenden.

„Wir haben gelernt, wie wir uns hygienisch richtig verhalten“, sagte der Bonner Virologe Hendrik Streeck, der die Studie zum Virusgeschehen im Kreis Heinsberg federführend durchführt. Der an der Studie beteiligte Hygiene-Professor Martin Exner hält es für möglich, unter bestimmten Bedingungen auch Abiturprüfungen abzuhalten. Risikogruppen müssten aber weiterhin geschützt werden: „In den Altenpflegeheimen und Krankenhäusern werden wir weiterhin eine restriktive Politik sicher aufrechterhalten müssen“, sagte er. Das könne auch bedeuten, dass Altenheim-Bewohner für eine längere Zeit ihre Enkel nicht sehen dürften.

Die Zahl der mit dem Erreger Sars-CoV-2 infizierten Menschen nahm von Mittwoch auf Donnerstag (Stand 16 Uhr) um rund 760 auf aktuell gut 23 600 bestätigte Fälle zu. Seit Beginn der Epidemie wurden zeitgleich 456 Todesfälle registriert - nach 413 gemeldeten Verstorbenen bis zum Vortag. Die Zahl der Genesenen stieg nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums um 950 auf rund knapp 10 830.

Eine Enttäuschung gab es am Donnerstag für Tausende kleine Unternehmen und Selbstständige, die dringend auf Corona-Soforthilfen vom Land warten: Hochprofessionelle Betrüger haben nach ersten Erkenntnissen Internetseiten gefälscht, um an Daten von Interessierten zu kommen. Das Land stoppte zunächst die Auszahlungen. Nach ersten Schätzungen könnten 3500 bis 4000 Antragsteller ihre Daten auf gefälschten Seiten eingegeben haben, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Nach einem Kompromiss mit der Opposition sollte unterdessen am Donnerstag das Pandemie-Gesetz vom Parlament verabschiedet werden - eigentlich. Das Gesetz sieht besondere Regierungsbefugnisse für den Fall einer katastrophalen Entwicklung der Corona-Krise vor. Der Landtag hatte den geänderten Gesetzentwurf mit den Stimmen von CDU, FDP, SPD und Grünen in zweiter Lesung angenommen. Die AfD stimmte dagegen. Sie erzwang mit ihrem Minderheitsrecht eine dritte Lesung. Dafür ist der Dienstag nach Ostern angesetzt.

Aufatmen in der Landwirtschaft: Die Spargelernte läuft an und jetzt endlich sind die ersten Erntehelfer aus Rumänien da. Die erste Maschine landete am Donnerstag in Düsseldorf. Wie viele der angekommenen Helfer in NRW bleiben und wie viele in andere Bundesländer weiter reisen, wusste der Verband der Obst- und Gemüsebauern zunächst nicht. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatten sich geeinigt, 80 000 ausländische Saisonkräfte unter strengen Auflagen nach Deutschland zu fliegen.

Bei aller Disziplin - die Appelle über Ostern auf Tagesausflüge zu verzichten, werden vielleicht nicht ganz greifen. Darauf jedenfalls haben sich touristische Ziele mit Sperrungen und Bußgeldandrohungen und Besucherlenkung eingestellt. „Bitte nicht die üblichen bekannten Wanderhotspots anfahren“, appellierte etwa der Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Am Möhnesee im Sauerland sind mittlerweile viele touristische Magnete gesperrt. Niederländische Behörden wollten von Donnerstag an das beliebte „Heuvelland“ bei Aachen für Tagestouristen sperren.

Die Bundespolizei begann am Donnerstag wegen des erwarteten höheren Reiseverkehrs über Ostern mit der verstärkten Grenzüberwachung in NRW. Sie kontrolliert, ob nach Deutschland Einreisende augenscheinlich krank sein könnten.

(dpa)