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Viertägige Reise: Laschet besucht Griechenland und Flüchtlingslager

Viertägige Reise : Laschet besucht Griechenland und Flüchtlingslager

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist am Sonntag zu einem mehrtägigen Besuch nach Griechenland gereist. Im Zentrum seiner Reise steht die Flüchtlingsfrage.

Armin Laschet besucht am Dienstag Flüchtlingscamps auf der Insel Lesbos. Vor seinem Abflug hatte er die Verantwortung Europas für Flüchtlinge auch in Corona-Zeiten betont. Vor allem Kinder und Jugendliche in den überfüllten griechischen Lagern brauchten schnelle Hilfe. Begleitet wird er von NRW-Flüchtlings- und Integrationsminister Joachim Stamp (FDP).

Geplant sind am Montag politische Gespräche mit dem griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis und Außenminister Nikos Dendias in Athen. Mit Mitsotakis trifft CDU-Bundesvize Laschet auch unter vier Augen zusammen. Am Dienstag ist auf Lesbos zunächst ein Besuch des restlos überfüllten Flüchtlingslagers Moria vorgesehen. Das 2015 von der EU auf einer früheren Militäranlage errichtete Aufnahmezentrum ist mit mehr als 14 000 Flüchtlingen das größte Flüchtlingslager Europas. Anschließend besucht Laschet auch das als „Vorzeigelager“ geltende Camp Kara Tepe, in dem die Zustände weitaus besser sind.

CDU-Vize Laschet will sich im Dezember um den CDU-Bundesvorsitz bewerben und gilt damit auch als möglicher Kanzlerkandidat. Seit Wochen gibt es eine Debatte um seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz, weil seine Umfragewerte in der Corona-Krise immer schlechter wurden.

„Der entschlossene Kampf zur Bewältigung der Corona-Pandemie entbindet uns nicht von unserer Verantwortung auch in der Flüchtlingskrise“, erklärte Laschet vor seiner Abreise. „Wir brauchen eine in Europa abgestimmte Haltung, die schnelle Hilfe für die notleidenden Kinder und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern vorsieht.“ Griechenland brauche die Solidarität Europas und dürfe mit der Situation nicht alleine gelassen werden. „Nordrhein-Westfalen ist bereit, seinen Beitrag zu leisten.“

Nach Plänen des Bundes und der Länder sollen bis Ende August in Deutschland 928 Schutzsuchende von den griechischen Inseln geholt werden. NRW nimmt in den nächsten Wochen 220 kranke Kinder und ihre engsten Familienangehörigen auf - und würde die Zahl sogar auf 500 mehr als verdoppeln. Im April hatte NRW bereits 20 Kinder und deren engste Angehörigen aus Griechenland aufgenommen.

Athen hat seit Jahresbeginn mehr als 14 000 Migranten von der Insel Lesbos aufs Festland gebracht. Das soll zur Entlastung des restlos überfüllten Flüchtlingslagers in Moria beitragen. Zurzeit harren rund 14 000 Migranten in Moria aus. Eigentlich ist das Camp Moria aber nur für knapp 2760 Menschen ausgelegt.

Auf den griechischen Inseln in der Ost-Ägäis stranden viele Menschen, die sich von der Türkei aus auf den Weg in die Europäische Union machen. Laut dem UN-Flüchtlingswerk UNHCR befinden sich dort derzeit rund 31 700 Migranten, ungefähr ein Drittel von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Etwa die Hälfte der Migranten auf den Inseln sind Afghanen, ein knappes Fünftel Syrer.

(dpa)