Bankraub statt Jura: Lange Haftstrafe für gescheiterten Studenten

Bankraub statt Jura : Lange Haftstrafe für gescheiterten Studenten

Das Landgericht Limburg verurteilt einen gescheiterten Studenten zu einer langjährigen Haftstrafe. Viele Opfer leiden noch heute unter seinen Taten.

Wegen einer Serie von Banküberfällen ist ein gescheiterter Jura-Student aus Erndtebrück (Kreis Siegen-Wittgenstein) im Limburg zu einer Gefängnisstrafe von 13 Jahren verurteilt worden. Der 45-Jährige sei für mindestens 20 Überfälle auf Banken und Geschäfte verantwortlich, urteilte das Landgericht am Freitag. Der Täter soll ein Doppelleben geführt und bei den Überfällen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen seit 2002 insgesamt mehr als 400.000 Euro erbeutet haben.

Der Vorsitzende Richter wertete das ausführliche Geständnis und die familiäre Situation des nicht vorbestraften Angeklagten zwar als strafmildernd. Es habe sich jedoch um schwerwiegende Straftaten mit teilweise erheblichen Folgen für die rund 100 Opfer gehandelt.

Zuvor hatte die Staatsanwältin 13 Jahre Haft für den Mann gefordert. Der Angeklagte habe die Taten begangen, um Familie und Freunden eine beruflich erfolgreiche Lebenssituation vorgaukeln zu können. Die Staatsanwältin warf ihm vor, bei den Überfällen andere Personen mit „Scheinwaffen“ bedroht und in Schach gehalten zu haben, um die Kassierer der überfallenen Banken zur Herausgabe der Beute zu drängen.

Strafverschärfend wirke sich ihrer Meinung nach aus, dass während der „wahrscheinlich beispiellosen Tatserie“ zahlreiche Zeugen und Opfer geschädigt wurden. Die Staatsanwältin führte aus, dass viele Opfer auch Jahre nach der Tat noch unter Panikattacken und Angstzuständen litten. Der Angeklagte habe bei der Planung und Ausführung seiner Taten hohe kriminelle Energie gezeigt.

Der 45-Jährige hatte seine Taten unter anderem mit sogenannten Anscheinswaffen verübt; scharfe Waffen kamen nicht zum Einsatz. So benutzte er bei einem Banküberfall beispielsweise eine Feuerzeugpistole und bedrohte mit dieser die Angestellten.

Die Verteidigung führte aus, dass der Mann seine Taten aufrichtig bereue. Er habe es verdient, eine zweite Chance zu bekommen. In seiner Situation habe der Angeklagte keinen anderen Ausweg gesehen, als mit seiner Lebenslüge weiterzuleben. Erst die Aussagen der Opfer hätten ihm das Unrecht seiner Taten bewusst gemacht, sagte der Strafverteidiger. Er bat um ein „faires Urteil“ für seinen Mandanten, der kein klassischer Bankräuber sei und nach seiner Verhaftung bei der Aufklärung der Straftaten geholfen habe.

Der Angeklagte hat eine Lebensgefährtin und ist Vater einer zweijährigen Tochter. Er weinte während seines Schlusswortes vor der Urteilsverkündung und sagte: „Es tut mir unsagbar leid, Angst und Schmerz verursacht zu haben. Ich werde nie mehr der Verursacher für Angst und Leid sein.“ Abschließend erklärte er: „Ich bete für die von mir geschädigten Menschen. Ich hoffe, dass ich eine zweite Chance bekomme.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(dpa)
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