Aachen/Heinsberg/Düren: Land unter in der Region, Regenrekord in Aachen

Aachen/Heinsberg/Düren: Land unter in der Region, Regenrekord in Aachen

Mit dem Tief „Xaver” ist am Donnerstagabend eines der schwersten Gewitter des Jahres über die Region hinweggefegt. Die Auswirkungen des Unwetters hat Rettungskräfte und Bevölkerung bis in den Freitagvormittag hinein in Atem gehalten. Am Sonntagabend wird bereits die nächste Gewitterfront erwartet.

Sowohl Aachen und die Städteregion als auch die Kreise Heinsberg und Düren waren am Donnerstag erheblich betroffen. Zahlreiche Keller wurden überspült, Straßen standen unter Wasser. In Aachen fiel die größte je gemessene Regenmenge: 69,1 Liter pro Quadratmeter wurden innerhalb eines Tages an der Wetterstation bei Orsbach verzeichnet. Die alte Rekordmarke aus dem Jahr 1956 lag bei 66 Liter. Allein zwischen 20.30 und 20.40 Uhr fielen 17,5 Liter Niederschlag. In den folgenden zehn Minuten waren es noch einmal 15 Liter.

Die Stadt Aachen wurde von der zweiten Unwetterwelle mit voller Wucht getroffen. An vielen Stellen wurden Gullydeckel teils meterhoch in die Luft geschleudert. Supermärkte, Häuser und Straßen standen derart unter Wasser, dass sie unpassierbar wurden. Darunter wichtige Knotenpunkte und Hauptstraßen. Große Hagelkörner krachten herunter. In der Einkaufsmeile Adalbertstraße wurden mit einem Kanaldeckel Gesteinsmassen hochgeschleudert. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Im Aachener Rehmviertel fiel zeitweise der Strom aus. Im Nordkreis sorgten heftige Hagelschläge für erhebliche Zerstörung vor allem an Autos. Die entstandenen Schäden sollen in die Millionenhöhe gehen, schätzt ein Polizeisprecher.

Die Aachener Polizei zog am Freitagmorgen eine erste Bilanz: Während des Unwetters in der vergangenen Nacht und noch einmal am frühen Morgen seien knapp 1000 Notrufe eingegangen. In der Zeit von 19.30 Uhr bis kurz nach 22 Uhr standen die Telefone nicht mehr still.

Zumeist meldeten die Bürger und Bürgerinnen liegen gebliebene oder schwimmende Autos, vollgelaufene Unterführungen, herausgedrückte Gullydeckel, voll gelaufene Keller und Stromausfälle.

Während des Unwetters mussten mehrere Straßen und Kreuzungen vorübergehend gesperrt werden. So der Berliner Ring, Brüsseler Ring, der Prager Ring/Jülicher Straße sowie Krefelder Straße, Kaiserplatz und die Unterführung Westbahnhof. Verletzt wurde nach jetzigem Informationsstand niemand.

Am Morgen gegen 4 Uhr musste der Brüsseler Ring bis 8.30 Uhr aufgrund des neu einsetzenden starken Regens noch einmal gesperrt werden. Mittlerweile soll sich die Verkehrslage wieder normalisiert haben.

Eine Abfrage in den Polizeistationen in der Region ergab, dass sich zumindest die Verkehrsverhältnisse normalisiert haben. Derzeit sind allerorts Aufräumarbeiten angesagt.

Teilweise fielen Handynetze zeitweise aus, der TV-Satellitenempfang war vielerorts gestört. Bei Ericsson in Herzogenrath drohte ein Wassereinbruch in die sensiblen Hightech-Bereiche, als eine Tiefgarage vollgelaufen war. In Teilen der Aachener Innenstadt fiel der Strom aus.

Beim Einsturz mehrerer Bühnen während eines Musikfestivals im belgischen Hasselt sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete, brachte der schwere Sturm mindestens zwei Bühnen zum Einsturz und entwurzelte mehrere Bäume. Mehrere Menschen wurden zudem verletzt. Das Festival wurde abgebrochen

In Heinsberg wurden zwei Dächer abgedeckt, in Erkelenz kippte durch die heftigen Sturmböen ein Imbisswagen um. In der Dürener Region blieb es dagegen vergleichsweise ruhig.

Auch in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens hat das Tief „Xaver” heftig gewütet. Der Himmel verfinsterte sich pechschwarz, Gewitter und heftige Schauer zogen über das Land. Besonders betroffen waren der Niederrhein, der Großraum Düsseldorf und das Ruhrgebiet.

Die Niederschlags-Messanlage des Wetterdienstes auf dem Kahlen Asten bei Winterberg kapitulierte vor den Massen und zeigte vorübergehend gar nichts mehr an, sagte ein Wetterbeobachter der Wetterstation. „Eines der schwersten Gewitter des Jahres”, bilanzierte Karl-Heinz Nottrodt vom Deutschen Wetterdienst Essen.

Schon bald droht das nächste Unwetter: „Sonntag wird es wieder sehr warm, und ein neues Tief kommt vom Atlantik”, sagte Nottrodt. „Das gibt in der Nacht zum Montag ein neues Gewitter mit ähnlichem Potenzial.”

Am Flughafen Düsseldorf kam es wetterbedingt zu Verspätungen. Die Abfertigung musste zweimal unterbrochen werden. Dadurch ist es zu Verspätungen von bis zu anderthalb Stunden bei den Abflügen gekommen.

Mit Sondergenehmigungen sei es gelungen, alle für den Tag geplanten Abflüge bis zum späten Abend starten zu lassen, bestätigte ein Flughafen-Sprecher. Sechs Maschinen mit dem Ziel Düsseldorf mussten nach Frankfurt und Köln umgeleitet werden.

Die Autobahn 46 wurde am späten Abend zwischen Wuppertal und Aachen abschnittsweise wegen Überschwemmung gesperrt. Auch ein Teil der Autobahn 52 zwischen Essen und Düsseldorf wurde überflutet.

Laut Landesleitstelle konnten die Sperrungen noch in der Nacht wieder aufgehoben werden. An der Baustelle des Landesarchivs NRW im Duisburger Innenhafen knickte ein Kran um. Nach Polizeiangaben gab es keine Verletzte.

In Dortmund rückten die Rettungskräfte zu 224 Einsätzen aus - bei einem wetterbedingten Unfall wurden zwei Menschen leicht verletzt. Die Feuerwehren in Essen und in Bochum wurden jeweils rund hundert Mal gerufen.

Auch in den Kreisen Recklinghausen, Warendorf, Kleve und dem Hochsauerlandkreis sowie in Düsseldorf und Wuppertal richtete das Unwetter Schäden an. In Voerde (Kreis Wesel) stürzte nach einem Blitzeinschlag ein brennender Baum auf ein Haus. Menschen hatten sich nicht darin befunden. Es entstand ein Schaden von etwa 100.000 Euro. In Bottrop brannte eine leerstehende Scheune nach einem Blitzeinschlag komplett ab.

In Solingen musste ein Busfahrer eine Notbremsung hinlegen, weil ein Baum quer auf der Fahrbahn lag. Der Baum zerschlug die Frontscheibe, der Mann blieb aber unverletzt. In Herdecke brannte ein Taubenschlag. Die Feuerwehrleute retteten 78 Tiere vor den Flammen. In Ense (Kreis Soest) bildete sich durch den Starkregen auf der Straße ein rutschiger Körner-Brei, nachdem ein Bauer von seinem Trecker-Anhänger Korn verloren hatte.

Bis zu 6000 Blitze zählte der Wetterdienst Meteomedia innerhalb von zwei Stunden über NRW. Ein Meteorologe sprach von „richtig schweren Gewittern”. Die Warnkarte der Meteomedia-Unwetterzentrale färbte sich über weiten Teilen des Landes violett - die Farbe steht für extrem starke Unwetter.

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