Düsseldorf: Künftige Talentschulen an sozialen Brennpunkten bekommen mehr Lehrer

Düsseldorf : Künftige Talentschulen an sozialen Brennpunkten bekommen mehr Lehrer

Die geplanten 60 „Talentschulen” an sozialen Brennpunkten in Nordrhein-Westfalen sollen insgesamt rund 415 zusätzliche Lehrerstellen bekommen. Die ausgewählten Schulen sollten Fachlehrer einstellen, aber auch mindestens eine Stelle für Schulsozialarbeit einrichten, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf mit.

Ein Gymnasium könne mit rund sechs Stellen und eine Gesamtschule mit rund acht Stellen rechnen. Um die Stellen attraktiver zu machen, können die Talentschulen Sonderzuschläge anbieten. Die ersten 35 Talentschulen sollen im Schuljahr 2019/20 auf den Weg gebracht werden, 25 weitere folgen im Schuljahr 2020/21. Bewerbungen für die erste Startphase können Schulen bis Ende dieses Jahres einreichen.

Die von einer externen Jury ausgewählten Schulen - vornehmlich in sozial benachteiligten Stadtteilen im Ruhrgebiet - sollen „hervorragend ausgestattet” werden, sagte Gebauer. Die Schulträger müssten sich verpflichten, eine sehr gute bauliche und digitale Ausstattung der Schulen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang verwies Gebauer darauf, dass die Kommunen aus dem Programm „Gute Schule” erst 290 Millionen Euro von einer Milliarde Euro abgerufen hätten.

Schüler und Schülerinnen der Talentschulen sollen durch Beratung und Praxisnähe auf ihrem Weg eng begleitet werden. Dafür sollen die Schulen mit Verbänden, Stiftungen, Hochschulen und Kulturinstitutionen kooperieren.

Insgesamt sollen 45 allgemeinbildende Schulen, zum Beispiel Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien, sowie 15 Berufskollegs in den sechsjährigen Schulversuch aufgenommen werden. Grundschulen gehören nicht dazu, allerdings sollen die Talentschulen eng mit Grundschulen kooperieren. Die Kosten für den Schulversuch bezifferte Gebauer auf etwa 20 Millionen Euro.

Die CDU/FDP-Landesregierung verspricht sich von den Talentschulen mehr Chancengerechtigkeit. Die SPD hingegen sieht eine verschärfte Bildungsungerechtigkeit im Land. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in den Talentschulen eine falsche Weichenstellung. 60 Schulen besonders gut auszustatten, „führt bei Tausenden von Schülerinnen und Schülern, die andere Schulen besuchen, nicht zu besseren Lernbedingungen und mehr Chancengleichheit”, sagte die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer.

Die Grünen im Landtag bezeichneten das Vorhaben als „bildungspolitische Nebelkerze”.

(dpa)