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Heizung runter, Dusche kalt: Kritik an Sparplänen der Kommunen

Heizung runter, Dusche kalt : Kritik an Sparplänen der Kommunen

Energie wird knapp und immer teurer. Nicht nur Unternehmen, auch die NRW-Städte sitzen an Krisenplänen. Schon bald könnte es nur noch kaltes Wasser in Turnhallen und heruntergeregelte Heizungen in Schulen und Behörden geben. Das löst bereits Kritik aus.

Wo es geht, Straßenlaternen und Ampeln nachts ausschalten, nur noch kaltes Wasser in städtischen Turnhallen, kühlere Klassenzimmer im Herbst und Winter: Landesweit diskutieren nordrhein-westfälische Städte Sparpläne als Reaktion auf die drohende Energiekrise und Gasknappheit.

Die Städte prüften Einsparmöglichkeiten und wollten ihre Konzepte in den nächsten Wochen vorlegen, sagte eine Sprecherin des Städtetages NRW. Vielfach sollen die Stadtparlamente darüber abstimmen – zum Beispiel in Köln noch im August, wie die Stadt mitteilte. Doch das löst nicht überall Begeisterung aus, vor allem Sparpläne beim Heizen für den kommenden Herbst und Winter sind umstritten.

„Energie einzusparen ist jetzt Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Damit wir im Winter warme Wohnungen haben, müssen wir schon im Sommer sparen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages und Geschäftsführer des Städtetages NRW, Helmut Dedy, der Deutschen Presse-Agentur.

„Nicht schon wieder an den Schulkindern sparen“, fordert die Vorsitzende der Landeselternkonferenz, Anke Staar. Erst hätten die Schüler in der Corona-Pandemie bei aufgerissenen Fenstern gefroren, jetzt sollten die Klassenzimmer nicht mal mehr richtig geheizt werden.

Die kommunale „Giftliste“ umfasst zahlreiche mögliche Posten: bestimmte Straßenlaternen und Ampeln nachts ausschalten, Verzicht auf warmes Wasser in Rathäusern, Museen und Sporthallen, Klimaanlagen und die Wassertemperatur in Schwimmbädern herunterregeln, Lüftungen ausschalten, auf Außenbeleuchtung von historischen Gebäuden verzichten, schneller auf LED umrüsten.

Wenn die Heizperiode beginnt, werde es auch um die Temperatur in öffentlichen Gebäuden, Verwaltungen und Schulen gehen, betont der Städtetag. Außerdem müssten deutlich mehr Solaranlagen auf die Dächer öffentlicher Gebäude.

Die Stadt Hilden hat bereits vergangene Woche angekündigt, in zahlreichen Schulen und Turnhallen bis Ende September 2022 die Heizungen sowie zentrale Warmwasserbereitungsanlagen abzustellen. „Indem wir darauf verzichten, durchgehend warmes Wasser vorzuhalten, können wir unseren Gasverbrauch erheblich senken“, begründete der Hildener Baudezernent Peter Stuhlträger den Schritt.

Die Stadt Essen gründete vergangene Woche eine Projektgruppe, die Sparpotenziale identifizieren soll. „Schon kleine Maßnahmen helfen“, hieß es in einer Mitteilung. Das reiche vom Ausschalten des Lichts bei nicht dauerhaft genutzten Räumen und niedrigeren Raumteperaturen bei längerer Abwesenheit bis zum generellen Absenken von Raum- und Wassertemperaturen in städtischen Gebäuden. Auch die Stadt Münster prüft „Maßnahmen zur Energieeinsparung in der kommenden Hallenbadsaison“, wie sie mitteilte.

Bei den Schulen rächten sich jahrzehntelang fehlende Investitionen, kritisierte Staar. „Die hätte man längst mit Solaranlagen und Wärmepumpen unabhängig machen können vom Gas, aber an den Kindern wurde immer gespart“, sagt Staar. „Wenn ihr sparen wollt, dreht doch mal den Polizisten, Verwaltungen und Abgeordneten die Heizung ab - nicht immer den Schwächsten“, so die Elternvertreterin.

Energieeffizienz sei ein Dauerthema, an dem die Stadt schon lange arbeite, sagte ein Sprecher der Stadt Dortmund. Vieles sei bereits umgesetzt, neue kurzfristige Maßnahmen entwickelten da kaum noch Durchschlagskraft. So sorge das Abschalten der Warmwasserversorgung in städtischen Turnhallen doch nur dafür, dass die Menschen stattdessen zu Hause duschten - unter dem Strich wäre damit kaum etwas gewonnen.

Bund und Land sollten den Kommunen klare Vorgaben zu Standardabsenkungen machen, damit Verwaltungen und Bürger nicht „wie schon bei Corona geschehen – mit einem Flickenteppich an Einzelregelungen allein“ gelassen würden, forderte ein Sprecher der Stadt Duisburg.

(dpa)