Kooperation von e.GO und VW: "Neue" Elektroautos in Aachen produziert

Produktion ab 2021 in Aachen : Elektroautos der neuen Generation von e.GO und VW

Elektroautos in Serie: e.GO verwirklicht ab dem Jahr 2020 ihre Idee in Zusammenarbeit mit VW. Das Aachener Unternehmen hat sich damit einen dicken Fisch geangelt. Beim Genfer Autosalon wurden dann auch gleich zwei Weltneuheiten präsentiert.

e.GO ist zum ersten Mal beim Genfer Autosalon vertreten, das aufstrebende Aachener Unternehmen hat vier emissionsfreie Modelle aufgefahren. Das alleine ist schon bemerkenswert, denn bislang hat das Start-up-Unternehmen noch kein einziges Fahrzeug auf die Straße gebracht. In der Branche wird das Unternehmen längst beachtet, und am Rande der vielen Weltneuheiten, die in Genf in diesen Tagen präsentiert werden, wurde eine bemerkenswerte Kooperation verkündet. Ein knappes Jahr hat Volkswagen das Aachener Unternehmen intensiv auf den Prüfstand gestellt, um sich dann für eine gemeinsame Zukunft zu entscheiden.

„Es ist schon außergewöhnlich, dass ein so gestandenes Unternehmen wie VW ein so kleines Unternehmen wie e.GO an strategischer Stelle mit einbindet“, freut sich Günther Schuh, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Der Dax-Konzern will von der „Kleinserienkompetenz“ der Aachener profitieren. Ein Verkauf sei kein Thema, sagt Schuh. „VW gefällt unser Spirit, weil wir die Elektromobilität emotionalisieren.“ Die Autos sollen nicht nur ökologisch wertvoll sein, sondern zeitgleich auch für Fahrspaß stehen. „Sie haben uns als Pfadfinder ausgesucht“, freut sich Schuh.

Ab 2020 neue Generation von E-Autos

Der Weltkonzern öffnet seinen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), mit dem es ab 2020 die neue Generation von Elektroautos bauen will, auch für andere Hersteller – um Kosten zu sparen. e.GO ist weltweit der erste Partner in der Elektrosparte, die massiv ausgebaut wird. Das Aachener Unternehmer profitiert doppelt von der Kooperation: Zum einen kann der Baukasten in die gerade anlaufende Produktion des eigenen e.GO life integriert werden. Und beide Unternehmen entwickeln in den kommenden Monaten gemeinsam ein Elektro-Auto, das die VW-Flotte ergänzen soll.

VW liefert das Design, e.GO ist verantwortlich für die Konstruktion und die Produktion. Gebaut werden sollen ab 2021 jährlich etwa 5000 VW-Fahrzeuge am Standort Aachen, dazu sind jährlich 15.000 der eigenen Modelle geplant. Der aufsehenerregende neue Absatzskanal schafft dann auch Planungssicherheit. Der angestrebte Zwei-Schichtbetrieb könnte früher einsetzen, Schuh wird weitere Mitarbeiter einstellen, kündigt er an.

Der Genfer Autosalon soll nun der Anfang von etwas Großem werden. Bereits dort wurden zwei Weltneuheiten von e.GO präsentiert. Doch wie kommt ein kleines Aachener Start-up-Unternehmen zu einer so großen Kooperation mit Volkswagen und einem so guten Ruf in der Branche?

Weltneuheiten und ein „Ritterschlag“

Für den Genfer Autosalon hatte e.GO nicht weniger als zwei Weltpremieren angekündigt. Also trat Günther Schuh, der Gründer und Geschäftsführer, am Dienstagmorgen vor die Weltpresse, hinter ihm standen am Stand 1020 zwei verhüllte Fahrzeuge, die im Laufe seiner Präsentation enthüllt wurden. Der e.GO Life Concept Sport ist die temporeichere Variante des e.GO Life. Das Modell kommt mit einem schnittigeren Fahrwerk und höherer Leistung daher. Der Autobauer will nun die „Marktreaktion“ auf das neue Angebot testen.

Die Serien-Produktion für den e.GO Life läuft in diesen Tagen im Werk in Aachen-Rothe Erde verspätet an, die kleinen elektrisch betriebenen Stadtfahrzeuge sollen ab Anfang Mai auf die Straße kommen. Wann der e.GO Lux ausgeliefert wird, ist noch offen. Der elektrische Kleinbus für den privaten Gebrauch war die andere Weltneuheit, die Schuh in Genf vorstellte. „Mit ihm wird Reisen komfortabler und Reisezeiten können effizienter genutzt werden.“ Der bequeme, mannshohe Bus besitzt sechs komfortable Sitze. Schuh spricht von einem selbstständig fahrenden Wohnzimmer. Der e.GO Lux könne zum Beispiel als Konferenzraum oder fahrendes Kino genutzt werden. „Er ist die Zukunft des Individualverkehrs.“ Am Ende seines launigen Vortrags bat Schuh, die Journalisten, die Firma „e.GO“ und ihre Lösungen im Blick zu behalten. Dann zog die Karawane der Berichterstatter weiter, Mercedes und sein scheidender Chef Dieter Zetsche baten zur nächsten Präsentation. In Genf werden gerade Weltneuheiten im Viertelstunden-Takt serviert.

e.GO bleibt im Gedächtnis

Das kleine Aachener Unternehmen hatte allerdings selbst dafür gesorgt, dass es so schnell nicht in Vergessenheit gerät. Das ehemalige Start-up-Unternehmen ließ mit einer Meldung aufhorchen. Der Volkswagenkonzern bietet seinen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) erstmals anderen Herstellern an. Der e.GO ist weltweit zum ersten externen Partner auserkoren worden. Die gemeinsame Idee ist es, mit Hilfe des VW-Baukastens ein neues E-Auto zu entwickeln, das die VW-Modelpalette ergänzen soll. „Das ist für e.GO der Ritterschlag“, urteilte ein Szenekenner anerkennend.

Der Weltkonzern sucht sich ein kleines Unternehmen aus, das bislang nicht ein einziges Fahrzeug auf die Straße gebracht hat. Durch eine möglichst umfangreiche Verbreitung des MEB und die damit verbundenen Skaleneffekte sollen die Kosten der E-Mobilität deutlich gesenkt werden. Hersteller wie VW wollen die Kosten im Massenmarkt aufteilen, indem möglichst viele Fahrzeuge mit einer gemeinsamen Technik hergestellt werden.

„Der MEB soll als Standard der E-Mobilität etabliert werden“, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess in Genf. Auch Ford, so deutet es die FAZ an, könnte in absehbarer Zeit die neue Elektroplattform für seine Elektroautos nutzen.

Die Initiative für die Kooperation für das Aachener Unternehmen ging von dem Dax-Unternehmen aus. Das erst 2015 gegründete e.GO Mobile gilt in Deutschland als eines der Pioniere der Elektromobilität. Und vielleicht hat VW auch das coole e.GO-Image angezogen, der Konzern hat gerade erhebliche Probleme, ausgelöst durch einen weltweiten Dieselskandal. Da wirkt die Kooperation mit einem aufstrebenden „sauberen“ Unternehmen wie Politur.

Günther Schuh hat schon ein paar Mal die Geschichte erzählt, wie er fast widerwillig zum Autobauer geworden ist. Vor ein paar Jahren stellte er bei der Automobilausstellung in Frankfurt den Streetscooter vor, den er mit seinem Professorenkollegen Achim Kampker entwickelt hat. Mit schlanker modularer Fertigung sollte der Wagen auch in einem Hochlohnland erfolgreich sein, das war die Idee.

Als Kampker und Schuh ihre Ideen den großen Konzernen vorstellten, war die Begeisterung zunächst sehr überschaubar. Die beiden Tüftler wurden eher belächelt. „Die hielten uns für eine Abteilung von Jugend forscht“.

Nischenfirma mit gutem Ruf

Das Rad hat sich weiter gedreht. e.GO ist noch eine Nischenfirma, die sich einen guten Ruf erworben hat, bevor der erste Wagen ausgeliefert ist. „Wir können die Agilität von e.GO in der Produktentwicklung und unsere Stärke beim Bau von Kleinserienfahrzeugen einbringen“, sagt Schuh heute. „Und wir werden durch die MEB-Plattform noch schneller, robuster und kostengünstiger.“

Ein bisschen stolz sei er schon auf diese Erfolgsgeschichte, sagt der Autobauer. Es ist die Geschichte von einem kleinen Unernehmen, das von den großen finanzstarken Autobauern schon längst ernst genommen wird.

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