Halloween und Sankt Martin: Konkurrenz beim Süßigkeiten sammeln

Halloween und Sankt Martin : Konkurrenz beim Süßigkeiten sammeln

Kinder ziehen in Grüppchen durch die Straßen und umklammern dabei ihre gut gefüllten Beutel, um sie an jeder Haustür erwartungsvoll vorzustrecken. Die Szenen ähneln sich am Martinstag (11.11.) und an Halloween (31.10.) - nur, dass einmal bunte Laternen und Gesang und einmal gruselige Masken und die Drohung „Süßes oder Saures“ eine entscheidende Rolle spielen.

Da stellt sich die Frage: Zwei ähnliche Feste so kurz nacheinander, kann das gut gehen? „Vor allem beim Süßigkeiten sammeln der Kleinen ist da mit Sankt Martin schon eine Konkurrenz zu Halloween da“, sagt Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti. Deswegen werde sich vor allem im Rheinland das Sammeln zu Halloween wohl nicht durchsetzen. Denn dort habe das sogenannte „Heischeln“ (Gabensammeln) am Martinstag eine sehr lange Tradition. Neuerdings steht die rheinische Sankt Martinstradition sogar auf der NRW-Landesliste immaterieller Kulturgüter.

Für das Erzbistum Köln haben die beiden Bräuche nur äußerliche Parallelen: Während Sankt Martin an die Freigiebigkeit des Heiligen Martin erinnere, mache Halloween ein ernstes Thema zum spaßigen Gruselanlass. „Im Erzbistum Köln betonen wir in Bezug auf Halloween den Allerheiligencharakter des Festes – „all hallows' evening“ als Vorabend zu Allerheiligen“, teilt Sarah Meisenberg vom Bistum mit. Dabei sei der Berührungspunkt, dass es bei beiden „im weiteren Sinne um Tote und Geister“ gehe.

Grusel-Gestalten

Das für Deutschland noch junge Halloween-Fest entwickelt sich dabei immer noch weiter und verändert seinen Charakter. Wer am 31. Oktober einen Blick aus dem Fenster riskiert, kann beobachten: Es schleichen nicht mehr nur die typischen Vampire und Hexen durch die Straßen, sondern auch immer mehr Grusel-Gestalten aus aktuellen Filmen oder anderen Kulturen - wie zum Beispiel die als farbenfrohe Totenköpfe bemalten Gesichter und Masken, die eigentlich aus Mexiko stammen. Dort wird nämlich am selben Tag der „Día de los Muertos“ - der Tag der Toten - gefeiert.

Der „Día de los Muertos“ sei zum ersten Mal vor etwa 15 Jahren in Museen vorgestellt worden, „und jetzt schwappt die Mode rüber, sich auch die Gesichter anzumalen“, erklärt Anne Slenczka, die im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum für Kulturen der Welt die amerikanische Abteilung leitet.

Doch selbst wenn sich Feste im Zuge der Globalisierung heute viel schneller international weiterverbreiten: Ohne das Potenzial zum Geldmachen wären wohl weder Halloween noch der „Día de los Muertos“ hier in Deutschland so groß geworden, meint Becker-Huberti: „Das ist alles nur interessant, wenn es sich auch vermarkten lässt.“

Beim Kölner Kostümverkauf „Karnevalswierts“ ist Halloween in der Tat nach Karneval die wichtigste Verkaufssaison. Und auch wenn immer noch klassische Kostüme wie Vampire an den Kleiderständern dominieren: „Seit etwa zwei Jahren wird auf jeden Fall auch der Tag der Toten sehr viel nachgefragt“, teilt das Unternehmen mit. Beim Konkurrenten „Deiters“ lässt sich diese Entwicklung ebenfalls beobachten: Dort gehört das Kostüm aktuell zu den acht beliebtesten Grusel-Verkleidungen.

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