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Düsseldorf: Konjunkturbericht: NRW erstmals seit langem nicht unter Durchschnitt

Düsseldorf : Konjunkturbericht: NRW erstmals seit langem nicht unter Durchschnitt

Erstmals seit Jahren hinkt Nordrhein-Westfalen dem Wirtschaftswachstum in Deutschland einem Gutachten zufolge nicht mehr hinterher. Ein am Montag in Düsseldorf vorgestellter Konjunkturbericht des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung prognostiziert eine positive Entwicklung für Unternehmen und Arbeitnehmer. Auftraggeber war das NRW-Wirtschaftsministerium.

WACHSTUM: 2017 wird NRW laut Prognose der RWI-Forscher mit 2,4 Prozent Wachstum abschließen. Das wären zwei Zehntel mehr als im Bundesdurchschnitt, berichtete NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Endgültige Zahlen für alle Länder sollen Ende März vorliegen. Für 2018 gehen die RWI-Forscher von einem Plus von 2,2 Prozent für NRW und Deutschland aus. 2015 war NRW Vorletzter beim Wirtschaftswachstum der Bundesländer; 2016 lag NRW auf Platz 6, aber immer noch leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Jetzt liegt NRW nach Angaben der Konjunkturforscher im Mittelfeld.

GESCHÄFTSKLIMA: Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte bundes- wie landesweit auf Rekordniveau. Im vergangen November erreichte das Stimmungsbarometer der Unternehmer laut Pinkwart „ein Allzeit-Hoch”. Die Wirtschaft stoße teilweise sogar schon an Kapazitätsgrenzen und finde nicht genügend Facharbeiter, stellte RWI-Konjunkturforscher Prof. Christoph Schmidt fest. Vor allem die Auftragsbücher in der Industrie und Bauwirtschaft seien gut gefüllt.

ARBEIT: Im Dezember 2017 erreichte die Arbeitslosenquote in NRW mit 7,2 Prozent den niedrigsten Stand seit Beginn der neunziger Jahre; für 2018 werden 7,1 Prozent prognostiziert. Allerdings liegt NRW weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt (5,8 ) und hinkt nicht nur den Klassenbesten Bayern und Baden-Württemberg (jeweils 3,5 ), sondern auch mehreren ostdeutschen Ländern hinterher. Langzeitarbeitslosigkeit werde nun verschärft bekämpft, kündigte Pinkwart an. „Wenn nicht jetzt - wann dann?” Immerhin sei der Anteil der Beschäftigten mit prekären Jobs nach 2005 gefallen, sagte Schmidt.

REGIONEN: Während einige Städte im Ruhrgebiet, wie Essen und Gelsenkirchen, noch mit zweistelligen Arbeitslosenquoten kämpfen, haben Teile des Münster- und des Sauerlands sowie weitere Kreise in Westfalen nahezu Vollbeschäftigung. Wermutstropfen: Gerade diese Regionen müssten sich wegen der prognostizierten Überalterung ihrer Bevölkerung gegen Wachstumseinbußen in den nächsten Jahren wappnen, mahnte Schmidt.

FORSCHUNG: Bei Investitionen in Forschung und Entwicklung lag NRW in einem Länder-Ranking von 2015 nur auf dem 12. Platz. Wichtig sei vor allem, die Wirtschaft zu überzeugen, dass es sich lohne, in NRW zu investieren, empfahl Schmidt. Die führende Rolle Baden-Württembergs auf diesem Zukunftsfeld sei nicht allein mit Tradition und der forschungsstarken Autobranche zu erklären. In NRW spiele vor allem der Bayer-Konzern eine führende Rolle, sagte Pinkwart.

WUNDERHEILUNG: Dass die positive Wirtschaftsentwicklung nach nur sieben Monaten schon dem Machtwechsel von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb zuzuschreiben sein könnte, wollte Prof. Schmidt nicht testieren. „Erfolg und Misserfolg haben immer viele Mütter und Väter”, lautete seine diplomatische Antwort. Die Wirtschaft habe sich im Euro-Raum generell gut entwickelt. Für die SPD-Opposition ist hingegen klar: „Nordrhein-Westfalen erntet die Früchte sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik.” Schmidt mahnt, die günstige Konjunktur für zukunftsweisende Weichenstellungen zu nutzen und das Geld nicht einfach auszugeben. „Für das Glück muss man vorbereitet sein. Der Rückenwind ist jetzt da.”

(dpa)