1. Region

Priorisierung endet am Samstag: Kommunen wollen auch nach Ende der Impfzentren helfen

Priorisierung endet am Samstag : Kommunen wollen auch nach Ende der Impfzentren helfen

Die Priorisierung in den Impfzentren endet an diesem Samstag. Jeder Erwachsene kann dann einen der freien Termine nachfragen. Zugleich macht die Landesregierung deutlich, dass die Tage der Impfzentren gezählt sind.

Die Kommunen wollen auch nach der Auflösung der Impfzentren in Nordrhein-Westfalen bei den Corona-Schutzimpfungen helfen. „Die Städte sind bereit, eine ergänzende Rolle zum Beispiel für Impfungen in Altenheimen zu spielen. Die Impfkampagne ist noch nicht zu Ende“, sagte der Geschäftsführer des Städtetages NRW, Helmut Dedy, der dpa. Die Ankündigung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), dass die Impfzentren in ihrer bisherigen Form nur noch bis Ende September gebraucht würden, schaffe jetzt die auch von den Kommunen geforderte Planungssicherheit. Die einzelnen Kommunen organisieren den Betrieb des jeweiligen Impfzentrums vor Ort.

„Nun ist klar: Ab Oktober verantworten vor allem die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte die Impfungen“, erklärte der Chef des kommunalen Verbandes. Jetzt komme es darauf an, den Übergang gut zu organisieren und miteinander zu klären. Nach Auffassung von Dedy wird es im kommenden Herbst auch darum gehen, noch mehr Menschen mit einem Impfangebot zu erreichen. „Wir müssen mehr Menschen ansprechen und ihnen niedrigschwellig Angebote machen, die beim Impfen bisher zurückhaltend sind“, sagte Dedy und fügte hinzu: „Wir müssen stärker auf schwer erreichbare Menschen in benachteiligten Stadtteilen zugehen. Da werden Ärzteschaft und Städte gemeinsam gefordert sein.“

Angesichts des Impffortschritts und der Kosten hatte Laumann in den vergangenen Tagen erklärt, dass die Impfzentren in der jetzigen Form nach seiner Einschätzung nur bis Ende September gebraucht würden. Das medizinische Personal komme in der Regel ohnehin aus dem Bereich der niedergelassenen Ärzte. Es sei voraussichtlich nicht erforderlich, in diesem Umfang weiter Räumlichkeiten vorzuhalten. Die Kosten der NRW-Impfzentren beliefen sich auf rund 90 Millionen Euro im Monat, die zur Hälfte von Bund und Land zu tragen seien. Es gehe dann um Strukturen, die Coronavirus-Schutzimpfungen zu organisieren etwa in benachteiligten Stadtteilen oder in Dörfern, erläuterte Laumann.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen begrüßen die Ankündigung Laumanns. Es stehe außer Frage, dass die Corona-Impfung, wie auch alle anderen Impfungen, in Zukunft vollständig in den Praxen verabreicht werden müsse, sagte eine Sprecherin der KV Westfalen-Lippe. Die bundesweiten Impfzentren seien mit dem Ziel eingerichtet worden, eine schnelle, strukturierte Impfung von besonders gefährdeten Personengruppen bei zunächst sehr geringen Impfstoffmengen zu gewährleisten. Anfang April hätten nach steigenden Liefermengen bei den Impfstoffen endlich auch die niedergelassenen Ärzte in die Impfaktion einsteigen können. „Die Impfkampagne kann aber, egal in welcher Form, nur dann funktionieren, wenn ausreichend Impfstoff geliefert wird!“, unterstrich sie.

Auch die KV Nordrhein hält es für sinnvoll, die Organisationsstruktur auf kommunaler Ebene zum Beispiel durch koordinierende Einheiten aufrecht zu halten. So könnten Impfungen in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen umgesetzt werden. Mit Blick auf die kommenden Monate müssten mehrere Kriterien im Fokus stehen, erklärte ein Sprecher.

Dazu gehöre, ab wann eine Booster-Impfung nötig sei, wie stark die Delta-Variante das Infektionsgeschehen beeinflusse und wie hoch im Herbst/Winter das Arbeitsaufkommen in den Praxen sein werde. Sie seien ja schon durch die Corona-Impfungen sehr stark ausgelastet. Ergänzende Grippeimpfungen kämen zum Beispiel dann noch hinzu.

(dpa)