Kohleausstieg: RWE-Chef Rolf Martin Schmitz rechnet mit Stellenabbau

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz : „Ich rechne mit signifikantem Stellenabbau“

Die Empfehlung der Kohlekommission, bis 2038 aus der Kohleverstromung auszusteigen, wird nach Ansicht von RWE-Chef Schmitz massiv Stellen bei dem Energiekonzern kosten.

Die Kommission schlägt in ihrem Bericht vor, für den schnellen Kohleausstieg bis 2022 insgesamt sieben Gigawatt Kohlekapazität zusätzlich vom Netz zu nehmen, davon drei Gigawatt Braunkohle. Mit Schmitz sprach Antje Höning.

Die Kommission hat sich auf den Kohleausstieg und den Weg dahin verständigt. Kann RWE damit leben und was trifft RWE besonders?

Das Ergebnis hat Licht und Schatten. Auf jeden Fall ist es gut, dass die Kommission ein fast einstimmiges Ergebnis erreicht hat. Denn wir brauchen einen Konsens und Planungssicherheit. Das hat lange gefehlt. Gut ist auch, dass man die Konsequenzen für die Beschäftigten, die Regionen und die Unternehmen vor Augen hatte. Aber zwischen Theorie und Praxis gibt es bekanntlich Unterschiede. Wie die Umsetzung genau funktionieren soll und was das im Einzelnen für RWE heißt, müssen wir erst mal analysieren. Klar ist aber, und dass sollte allen bewusst sein, in der Braunkohle wird es tiefe Einschnitte geben. Das wird ein Kraftakt für alle und kann nur gelingen, wenn die Politik tatkräftig und verlässlich unterstützt. Und selbst dann werden wir sehen, ob ein so frühes Ausstiegsdatum am Ende überhaupt sinnvoll möglich ist.

Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RWE AG. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Was bedeuten die Vorschläge für die RWE-Mitarbeiter?

Bis 2022 sollen weitere Braunkohlenkraftwerke vom Netz gehen. Wir müssen davon ausgehen, dass ein großer Teil davon aus NRW kommen soll, weil der Strukturwandel hier einfacher scheint als im Osten. Man darf aber nicht vergessen, dass wir im rheinischen Revier in den letzten Jahren schon Kraftwerksblöcke für die Sicherheitsbereitschaft vom Netz genommen haben. Weitere Stilllegungen werden deshalb umso schwieriger und werden dann wohl auch große Auswirkungen auf das Tagebausystem haben. Wie viele Mitarbeiter hiervon betroffen sein werden, können wir heute noch nicht sagen. Aber ich rechne mit einem signifikanten Abbau bereits bis 2023, der weit über die bisherigen Planungen und das durch normale Fluktuation mögliche hinaus geht. Dies betrifft unmittelbar bis Ende 2022 die Mitarbeiter der zu schließenden Kraftwerke. Mittelbar sind in den darauf folgenden Jahren dann auch Beschäftigte im Tagebau betroffen. Das muss unbedingt sozialverträglich erfolgen, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen nicht die Leidtragenden politischer Beschlüsse werden. Dafür werden wir uns zusammen mit den Gewerkschaften einsetzen.

Zahlreiche Kraftwerke sollen vorzeitig vom Netz gehen. Welche werden es bei RWE zuerst sein? Mit Blick auf Ihre Aktionäre: Welche Entschädigung werden Sie vom Bund fordern?

Kraftwerke und Tagebaue sind ein Gesamtsystem mit zahlreichen wechselseitigen Abhängigkeiten. Zuerst brauchen wir weitere Klärung mit der Politik, bis wir sagen können, welche Kraftwerksblöcke zuerst betroffen sind. Und natürlich muss es auch eine Kompensation geben, das hat auch die Kommission klar gemacht. Darin enthalten sind Kosten für einen vorzeitigen Personalabbau, aber auch die erheblichen Kosten, die im übrigen Kraftwerkspark und im Tagebausystem entstehen.

Die Kommission wünscht, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt und macht Vorschläge zur Umsiedlung. Was halten Sie davon?

Die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst ist nicht rational. Er ist aber zu einem Symbol für den Kohleausstieg geworden. Wir werden prüfen, was sinnvoll machbar ist unter Berücksichtigung der Erfordernisse der weiteren Nutzung des Tagebaus und der Rekultivierung. Ich gehe davon aus, dass man das Gespräch dazu mit uns suchen wird. Was die Umsiedlungen betrifft, bin ich für die Klarheit im Kommissionsbericht dankbar. Denn es wird ganz eindeutig ersichtlich, dass die bereits in Umsetzung befindlichen Umsiedlungen weiter fortgeführt werden sollen. Ganz unabhängig von der Notwendigkeit der Umsiedlung wäre den Menschen vor Ort auch nichts anderes zuzumuten.