Köln: Kölner U-Bahn-Bau geht weiter

Köln: Kölner U-Bahn-Bau geht weiter

Wegen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag in ganz Deutschland Büros durchsucht und Unterlagen zum Bau der U-Bahn beschlagnahmt. Die Bauarbeiten sind wahrscheinlich Ursache für das Unglück, bei dem vor rund vier Wochen zwei Menschen umkamen und riesige Mengen historischer Dokumente vernichtet wurden.

Die Razzia galt unter anderem der Zentrale der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sowie den Büros der am U-Bahn-Bau beteiligten Unternehmen. Unterdessen geht der Bau der Kölner U-Bahn weiter. Ein vorläufiger Baustopp, der nach dem Einsturz erlassen worden war, wurde am Dienstag aufgehoben, nachdem unabhängige Gutachter die Baustellen überprüft hatten.

An der Razzia seien mehr als 200 Polizisten beteiligt gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld. Durchsuchungen gab es unter anderem in Frankfurt am Main, Berlin, München, Essen, Düsseldorf, Karlsruhe, Wiesbaden, Erfurt, Dillenburg, Ratingen und Hilden. „Praktisch das ganze Bundesgebiet”, erläuterte Feld. „Zur Art der beschlagnahmten Unterlagen kann ich natürlich nichts sagen.”

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der Baugefährdung gegen unbekannt. Die Durchsuchungen seien unumgänglich gewesen, obwohl sich die Beteiligten bisher kooperativ gezeigt hätten, sagte Feld. „Es besteht nach wie vor kein Anfangsverdacht gegen eine bestimmte Person.”

Während die Durchsuchungen liefen, entschied sich der Aufsichtsrat der KVB gegen eine Abberufung des technischen Vorstands Walter Reinarz (CDU). Dieser steht in der Kritik, weil er wichtige Informationen über Grundwasserprobleme in der U-Bahn-Baustelle neben dem Archiv nicht weitergeleitet hatte. Die Vertreter von CDU, FDP und Arbeitnehmern sowie Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) im KVB- Aufsichtsrat unterstützen Reinarz jedoch weiter.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Kuckelkorn missbilligte anschließend zwar die „Informationspolitik einzelner Vorstandsmitglieder”, bezeichnete das Vorgehen bei der Ursachenforschung jedoch als „richtig und angemessen”. Eine Schuldzuweisung lehne er zu diesem Zeitpunkt ab: „Es müssen die Ergebnisse des Beweissicherungsverfahrens abgewartet und ausgewertet werden”, erklärte er. Anschließend könne dann über Konsequenzen nachgedacht werden.

Oberbürgermeister Schramma, der am Sonntag angekündigt hatte, bei der nächsten Wahl nicht wieder anzutreten, beklagte sich am Dienstag bitter über seinen CDU-Parteifreund, den NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Rüttgers habe sich nicht bei ihm gemeldet, obwohl er sich seit Samstagmorgen immer wieder um einen Kontakt bemüht habe, sagte Schramma der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er wollte Rüttgers um eine Stellungnahme zu einem Zeitungsbericht bitten, wonach die NRW-CDU Schrammas Krisenmanagement nach dem Einsturz mit wachsendem Unbehagen betrachte.

Bis tief in die Nacht habe er vergeblich versucht, Rüttgers zu erreichen, sagte Schramma: „Über privates Handy, Familie, persönlichen Referenten - bis 1 Uhr, ich hatte das Handy neben mir liegen.” Die anonymen Angriffe aus den eigenen Reihen hätten ihn tief getroffen und seien der letzte Tropfen für seine Entscheidung gewesen, sagte Schramma.

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