Köln: Kölner Stadtarchiv droht Platzmangel

Köln: Kölner Stadtarchiv droht Platzmangel

Dreieinhalb Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs droht für die massenhaft restaurierten Dokumente ein Platzmangel. „Je länger sich der Neubau des Archivs nach hinten verschiebt, desto prekärer wird die Lage”, sagte Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia der Nachrichtenagentur dapd.

Bis voraussichtlich kommenden Mai solle die Hälfte der verschütteten Akten, Urkunden und Handschriften erfasst sein. Der Bestand umfasse dann 15 Regalkilometer. Dann sei nur noch für zwei weitere Kilometer Platz.

Das Historische Archiv war am 3. März 2009 zusammengestürzt, wobei zwei Menschen in den Tod gerissen wurden. Parallel zur voranschreitenden Restaurierung nimmt das Archiv auch wieder Nachlässe entgegen. Die erfassten Unterlagen werden aktuell in bundesweit 16 sogenannten Asylarchiven aufbewahrt. Die Verträge sind aber zeitlich begrenzt. Eigentlich sollte das neue Stadtarchiv in Köln 2015 öffnen. Der Termin wurde aber um zwei Jahre auf 2017 verschoben.

„Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Einzug noch sehr lange brauchen werden”, sagte Schmidt-Czaia. Die Alternativen sind aus ihrer Sicht begrenzt. Eine Kunstspedition würde sich zwar als zusätzlicher Lagerort eignen, sagte sie. Die Mietkosten würden der klammen Stadt Köln aber teuer zu stehen kommen.

Bei der Tragödie waren kostbare Dokumente auf einer Länge von 30 Regalkilometern verschüttet worden. Zu der nach eigenen Angaben bedeutendsten kommunalen Sammlung nördlich der Alpen zählen 27 Kilometer Akten, 65.000 Urkunden ab dem Jahr 922, 1.800 mittelalterliche Handschriften und 10.000 Testamente. 95 Prozent wurden geborgen und werden schrittweise restauriert.

Als Konsequenz aus dem Unglück will das Kölner Stadtarchiv Vorreiter bei der Digitalisierung werden. „Ziel ist es, dass wir irgendwann sämtliche Dokumente, die den Datenschutzbedingungen genügen, digitalisiert haben”, sagte Schmidt-Czaia. „425.000 Digitalisate haben wir bereits ins Internet gestellt.” Das Problem: Etwa 60 Prozent des Bestandes war vor dem Einsturz nicht verzeichnet und muss nun erstmals zugeordnet werden.

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