Köln/Düren/Aachen: Kölner Katzen müssen kastriert werden

Köln/Düren/Aachen : Kölner Katzen müssen kastriert werden

Was es anderswo schon länger gibt, ist in der Millionenstadt Köln jetzt eingeführt worden. Katzenbesitzer müssen ihre Tiere kastrieren lassen, wenn die Katzen nach draußen dürfen. Die Population soll damit langfristig reduziert werden. Theoretisch drohen Bußgelder bis zu 1000 Euro.

Es gibt in Köln viele Katzen, die niemandem gehören und Besitzer, die nicht so verantwortungsvoll sind wie die 48-jährige Ursula M., deren Hauskatze Sheila jeden Tag durch die Hinterhöfe streift und deshalb schon lange kastriert ist. Rund 20.000 Katzen tigern nach einer Schätzung der Stadt wild durch Köln. Sie werden angefahren, verhungern, erkranken, weil sie nicht geimpft sind — aber sie vermehren sich auch.

Als erste Millionenstadt hat Köln nun eine Verordnung zum Schutz von Katzen erlassen: Seit Mittwoch besteht eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für sogenannte Freigängerkatzen, also Tiere, die raus dürfen und nicht nur in der Wohnung leben. Die Halter sind nun verpflichtet, ihre Katze ab dem Alter von fünf Monaten von einem Tierarzt kastrieren zu lassen. Außerdem müssen die Tiere mit einem Mikrochip oder einer Ohrtätowierung gekennzeichnet und bei einem Haustierregister wie „Tasso“ eingetragen werden.

Verordnungen wie jetzt in Köln gibt es unter anderem auch in Düsseldorf und Essen. Auch im Kreis Düren gibt es schon länger solche Satzungen: in Düren, Jülich, Linnich, Titz, Aldenhoven, Niederzier, Merzenich, Langerwehe. Die Erfahrungen sind sehr positiv, teilt das Veterinäramt des Kreises Düren mit. Und Aachen? Dort fordert der Tierschutzbund seit Jahren, freilaufende Katzen konsequent zu kastrieren. Trotz mehrfacher Rats-anträge lehnt die Stadt eine Kastrationspflicht weiter ab. Begründung: Ein entsprechendes Gebot sei nur sehr schwer durchzusetzen. Stattdessen setzt Aachen auf Aufklärung, unter anderem mit Flyern, die in Verwaltungsgebäuden ausliegen.

„Wir wollen vor allem die große Population der wild lebenden Katzen dadurch verringern“, sagt Konrad Peschen, Leiter des städtischen Umweltamtes in Köln. „Es ist ein Elend, in welchem Zustand viele Tiere sind, die draußen gefunden werden.“ Katzen seien schon ab einem Alter von vier bis sechs Monaten geschlechtsreif. „Sie können bis zu dreimal im Jahr vier bis sechs Junge bekommen.“ Wenn diese überleben und sich jeweils fremde Partner suchen, ergibt dies rechnerisch nach einem Zeitraum von zehn Jahren die stattliche Anzahl von mehr als 240 Millionen Nachkommen.

Tierschützer wie Gabriela Biesek vom Verein „Straßenkatzen Köln“ versuchen, sich um wilde Katzen zu kümmern. Sie haben Futterstellen eingerichtet, fangen viele Katzen ein und lassen sie auch impfen und kastrieren — bisher allerdings ohne jede Rechtsgrundlage. „Wir verwalten das Elend“, sagt Biesek. Allein ihr Verein findet jedes Jahr etwa 100 neugeborene Katzen. Die neue Verordnung erlaubt den Tierschützern, Katzen, die nicht gekennzeichnet sind, in Obhut zu nehmen und kastrieren zu lassen.

Die Kosten für eine Kastration betragen nach Angaben von Amtsleiter Peschen für Kater etwa 90 Euro, für Katzen rund 150 Euro. Ein Mikrochip, der dem Tier beim Tierarzt eingesetzt wird, kostet ab 40 Euro. Doch was passiert, wenn jemand sich weigert, seine Katze kastrieren zu lassen? „Theoretisch ist ein Bußgeld bis zu 1000 Euro möglich“, sagt Peschen. „Aber wir wollen jetzt nicht in den Gärten nach unkastrierten Katzen suchen.“ Hinweisen werde die Stadt aber nachgehen. Man wolle die Katzenhalter vor allem aufklären und sensibilisieren — auch mit Plakaten in der Stadt — und nicht gleich mit drastischen Strafen reagieren.

Der Kölner Tierarzt Ralf Unna ist Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW. Er sagt: „Wir begrüßen die neue Verordnung sehr. Katzen gehören kastriert.“ Unkastrierte Kater sind aggressiver, ruheloser, sie laufen auf der Suche nach Katzendamen oft weit weg und finden nicht mehr zurück, wie Unna sagt. „Unkastrierte Katzen infizieren sich außerdem viel schneller mit ansteckenden Krankheiten, weil sie intensiveren Kontakt mit anderen Tieren haben und vor allem Kater viel kampfbereiter sind.“

Der Abschuss von wilden Katzen ist in Nordrhein-Westfalen seit 2015 verboten. Vorher töteten Jäger rund 7600 Katzen pro Jahr.