Fast 19.000 Mitglieder: Klimawandel-Debatte katapultiert NRW-Grüne zum Mitglieder-Rekord

Fast 19.000 Mitglieder : Klimawandel-Debatte katapultiert NRW-Grüne zum Mitglieder-Rekord

Die Grünen haben in ihren 40 Jahren in NRW viel einstecken müssen - vor allem in Koalitionen unter SPD-Ministerpräsidenten. Jetzt befördert sie der Klimawandel in „eine Zeit, wo Milch und Honig fließen“.

Das gesellschaftliche Mega-Thema Klimawandel lässt die Mitgliederzahlen der Grünen in Nordrhein-Westfalen mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten auf einen Rekordwert schießen. Genau 40 Jahre nach Gründung ihres Landesverbands vermeldeten die Grünen am Montag in Düsseldorf fast 19.000 Mitglieder - rund 4000 mehr als ein Jahr zuvor. Im Gegensatz zu den großen Parteien, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich geschrumpft sind, konnten die Grünen ihren Mitgliederzuwachs damit erneut mehr als verdoppeln im Vergleich zum Zeitraum 2017 bis 2018.

Mit einem Frauenanteil von fast 41 Prozent und einem Durchschnittsalter von rund 48 Jahren seien die Grünen deutlich jünger und weiblicher als andere Parteien, bilanzierte Landesparteichefin Mona Neubaur. Obwohl sie derzeit weder im Bund noch in NRW Regierungsverantwortung trügen, beschere ihnen der exponentielle Zuwachs bei Mitgliedern und Umfragewerten „eine Zeit, wo Milch und Honig fließen“.

Als „Volkspartei“ wollen sich die einst als „Anti-Parteien-Partei“ gestarteten Grünen aber immer noch nicht etikettieren, sondern „Bündnis-, Mitmach- und Unterwegspartei“ bleiben. „Wir erleben eine Erosion der Volksparteien, die ihrem Anspruch, alle Milieus zu versammeln, immer weniger gerecht werden“, stellte Co-Landeschef Felix Banaszak fest. „Wir haben nicht den Anspruch, das zu kopieren.“

Daher sei das Wichtigste bei den NRW-Kommunalwahlen 2020 weniger die Frage, wo es den Grünen gelinge, einen Oberbürgermeister zu stellen, als vielmehr das Ziel, überall „ein Grundniveau“ zu erreichen“. Noch immer gebe es Kommunen in NRW, wo keine Grünen-Ortsvereine existierten oder Grüne in Räten oder Kreistagen säßen - einige Neugründungen seien jüngst im sauerländischen Brilon, Bestwig und in Geseke an den Start gegangen.

Die vor allem als Partei der gebildeten Großstädter wahrgenommenen Grünen wollen stärker als Kümmerer für breite Wählerschichten erkennbar werden und Fehler der vergangenen Jahre vermeiden. Dazu gehöre, Menschen mit einer Zukunftsvision zum aktiven Teil des notwendigen Wandels zu machen, ohne dabei Bedrohung und Verzicht zu kommunizieren, erklärte Banaszak. Minuspunkte hatten die Grünen in der Vergangenheit unter anderem mit ihrem teils schulmeisterlich propagierten „Veggie Day“ für fleischfreie Ernährung verbucht.

Als ihren größten Erfolg sehen die NRW-Grünen, die 1990 als letzter Landesverband der Partei den Sprung in ein westdeutsches Landesparlament geschafft hatten, den Einstieg in den Kohleausstieg befördert zu haben. Immerhin brachten sie es in fast 30 Parlamentsjahren in Düsseldorf auf insgesamt 17 rot-grüne Regierungsjahre.

Defizite räumte Banaszak im Bereich Innere Sicherheit ein. „Wir haben kein Kompetenzdefizit, aber ein Empathie-Defizit“, stellte er fest. „Wir stehen nicht vor einer Gesamtrevision unseres Programms, müssen aber deutlicher machen, dass es uns nicht egal ist, wenn Menschen Sorgen im Alltag haben.“

Zu Beginn des neuen Jahres soll es mehr Klarheit geben, in welchen Städten die Grünen mit einem eigenen OB-Kandidaten ins Rennen gehen und wo sie Bündnisse mit anderen schließen wollen. Einige Prominente haben sich schon entschieden: Bundestagsvizefraktionschefin Katja Dörner für Bonn, Ex-Landtagsfraktionschef Mehrdad Mostofizadeh für Essen und für Wuppertal der Präsident des dortigen Klima-Instituts Uwe Schneidewind. Neubaur hält sich noch offen, ob sie Düsseldorfs OB Thomas Geisel (SPD) herausfordert.

(dpa)