Berlin/Bonn: Klimakonferenz in Bonn: In der rheinischen Provinz geht es ums Weltklima

Berlin/Bonn : Klimakonferenz in Bonn: In der rheinischen Provinz geht es ums Weltklima

Es wird die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je auf deutschem Boden gab. Mehr als 23.000 Menschen aus 197 Ländern treffen sich vom 6. bis 17. November in Bonn, um den Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen voranzutreiben. Zwei Jahre, nachdem das Pariser Klimaabkommen bejubelt wurde, ist die Klimadiplomatie wieder in den Mühen der Ebene angekommen — und nimmt Anlauf für den nächsten wichtigen Schritt.

Wer trifft sich in Bonn?

Deutschland, Bonn, 18.09.2017 Die 23. Weltklimakonferenz 2017 findet in Deutschland unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln statt. Diplomaten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft aus aller Welt werden sich vom 6. bis 17. November 2017 in Bonn treffen. Foto: 2.000 Arbeiter errichten und demontieren in den kommenden Wochen zwei zweistöckige und neun Meter hohe Hallenkomplexen mit 55.000 Quadratmetern Nutzfläche im Park der Rheinaue. 25.000 Teilnehmer aus aller Welt werden erwartet. 23. Weltklimakonferenz 2017 *** Germany Bonn 18 09 2017 the 23 World Climate Conference 2017 finds in Germany under the Presidency the Fiji Islands instead Diplomats Politicians and Representatives the Civil society out all World will to of 6 until 17 November 2017 in Bonn Meeting Photo 2 000 Workers build and dismantle in the coming Week Two double and nine Metres high with 55 000 Square meters

Neben Klimapolitikern, Wissenschaftlern und Aktivisten kommen auch Staats- und Regierungschefs — und einige Promis. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich angekündigt, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls. Schauspieler Leonardo DiCaprio, der sich schon lange für Klimaschutz stark macht, soll ebenso vorbeischauen wie der US-Politiker und Friedensnobelpreisträger Al Gore.

Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, wird auch erwartet. Klimaschützer sehen ihn als wichtigen Gegenspieler von US-Präsident Donald Trump im Kampf gegen die Erderwärmung. Auch Browns Vorgänger wird dabei sein, der in Deutschland noch viel bekannter ist: Arnold Schwarzenegger. Die aktuelle US-Regierung fühlt sich diesem Prozess nicht mehr verpflichtet. Im Juni hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, dass sein Land aus dem Pariser Abkommen aussteigen werde. Das ist zwar frühestens im November 2020 möglich, Trump leitete aber bereits eine Wende in der US-Energiepolitik ein.

Warum eigentlich Bonn, wenn doch Fidschi den Vorsitz hat?

Normalerweise treffen die Klimadiplomaten sich in dem Land, das auch den Vorsitz hat. Einem Rotationsprinzip zufolge war diesmal ein Land aus Asien dran. Fidschi übernimmt die Präsidentschaft — erstmals eine Inselgruppe im Pazifik, die vom Klimawandel bedroht ist, das gilt als wichtiges Signal. Allerdings wäre es schwierig für Fidschi geworden, die Konferenz auch auszurichten. Daher springt Deutschland als „technischer Gastgeber“ ein. Das Sekretariat der Klimarahmenkonvention sitzt nämlich in Bonn. 2001 wurde schon mal in Bonn getagt. Und die erste Weltklimakonferenz 1995 fand in Berlin statt. Gastgeberin war die Bundesumweltministerin — die hieß damals Angela Merkel.

Das Klimaabkommen gibt es doch seit zwei Jahren, was ist noch zu tun?

Die Einigung auf das Abkommen war 2015 in Paris ein riesiger Durchbruch, inzwischen haben 169 Parteien es ratifiziert. Deutschland ist dabei, die EU auch. Aber das Entscheidende ist die Umsetzung. Und wie die im Detail laufen soll, ist noch nicht klar. Grundsätzlich haben die Staaten eigene Ziele zur Treibhausgas-Minderung zugesagt. In einem Zyklus von fünf Jahren sollen deren Klimaschutzwirkungen überprüft und die Zusagen immer ehrgeiziger werden. Wichtig ist aber auch die Anpassung an den Klimawandel und der Umgang mit Schäden, die etwa steigende Meeresspiegel und Extremwetter anrichten.

Bisher reichen die Ziele der Staaten also nicht aus?

Nein. Das Ziel das Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad einzudämmen. Schon diese begrenzte Erwärmung wird Experten zufolge deutlich spürbar sein — Dürren und Starkregen häufen sich, die Meeresspiegel steigen, das „ewige“ Eis schmilzt. Eine Mahnung kam am Montag auch von der Weltorganisation für Meteorologie. Laut ihrem Jahresbericht hat die Konzentration des klimaschädlichen Kohlendioxid in der Erdatmosphäre 2016 einen neuen Rekordwert erreicht. Und: Selbst bei Einhaltung aller bisher von den Ländern vorgelegten Klimaschutzzusagen wird sich die Erdtemperatur laut UN-Umweltprogramm um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen.

Was genau soll in Bonn passieren?

Die Politiker müssen sich auf ein Regelwerk einigen, das die nationalen Klimaziele vergleichbar und überprüfbar macht. Ein Erfolg wäre aus Sicht von Klimaschützern, wenn nach der Konferenz ein Entwurf vorliegt — auch wenn es von umstrittenen Passagen noch mehrere Versionen geben dürfte. Ein Problem wäre laut Experte Jan Kowalzig von Oxfam dagegen, wenn es gar nichts Schriftliches gibt, da der Zeitdruck dann zunähme.

Bis zur nächsten UN-Klimakonferenz im Dezember 2018 im polnischen Kattowitz muss das Regelbuch fertig sein. Denn dann beginnt der erste „Überprüfungsdialog“, um zu sehen, ob die Staaten auf dem richtigen Weg sind. Umstritten ist zum Beispiel, welche Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern gemacht werden.

Hat das auch was mit den Sondierungsgesprächen in Berlin zu tun?

Offiziell nicht — aber das Timing ist natürlich bemerkenswert. Zwischen Union, FDP und Grünen, die über eine Jamaika-Koalition reden, gehört der Klimaschutz zu den umstrittensten Themen. Steigt Deutschland aus der Kohle aus, wie und bis wann? Gehören Benzin- und Dieselmotoren bald der Geschichte an? Die Grünen hoffen auf Rückenwind aus Bonn für die Verhandlungen. Die scheidende Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kann nochmal richtig Politik machen, fast schon von der Oppositionsbank aus — und die Kanzlerin dürfte daran gelegen sein, auf in Bonn gut dazustehen.

Was soll diese Abkürzung COP?

COP steht für Conference of the Parties und meint die Zusammenkunft der Staaten, die die UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel (UNFCCC) unterzeichnet und ratifiziert haben.

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