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Merzbrück: Kleinigkeit kann die Luftretter bremsen

Merzbrück : Kleinigkeit kann die Luftretter bremsen

Um wieviel schneller Rettungshubschrauber als Notarztwagen sein können, machte am Dienstag Wolfgang Jussen klar.

Der leitende Hubschrauberarzt des auf dem Flugplatz Merzbrück stationierten „Christopher Europa 1” nahm einen Unfall in den Serpentinen bei Nideggen als Fallbeispiel: „Über die Leitstelle wurden wir um 12.49 Uhr alarmiert und landeten 13 Minuten später am Unfallort. Dort war ein Motorradfahrer ins Rutschen gekommen und hatte sich eine Oberschenkel- und eine Beckenfraktur zugezogen. Außerdem hatte er eine nicht stillbare Blutung im Beckenbereich. Um 13.30 Uhr war er schon im Schockraum des Uniklinikums Aachen. Allein der Transport per Krankenwagen nach Bonn, Aachen oder Köln hätte schon eine Stunde gedauert.”

280 Kilometer Spitze

Bei aller Schnelligkeit des ADAC-Helikopters, der eine Spitze von 280 km/h erreicht, sind es oft Kleinigkeiten, die wertvolle Zeit bei der Hilfe für Notfall-Patienten kosten. So zum Beispiel nicht auf den ersten Blick erkennbare Hausnummern.

Pilot Stephan Brade erklärte das Dilemma: „Wenn wir im Anflug sind, halten wir schon Ausschau nach der angegebenen Hausnummer. Wenn die aber zu klein oder seitlich am Hauseingang befestigt ist, dauert es gerade in langen Straßen schon etwas, ehe wir das richtige Haus gefunden haben.”

Und Einsätze in Wohngebieten sind sehr häufig. 60 Prozent der im vergangenen Jahr rund 1900 Einsätze waren nämlich so genannte „Notarzt-Zubringerdienste”. Das heißt Notfallpatienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall mussten schnellstmöglich ins Krankenhaus gebracht werden.

Beim Schlaganfall zum Beispiel „haben wir ein Zeitfenster von einer Stunde” für effiziente Hilfe, betont Jussen. Dann sollte der Patient in der Klinik und die Diagnose gestellt sein. In rund 30 Prozent der Gesamtfälle leisteten die fliegenden Ärzte Erstversorgung der Patienten bei Unfällen im Straßenverkehr, Arbeits- oder häuslichen Unfällen.

Auch 2003 stieg wieder die Zahl der Notrufe aus Belgien und den Niederlanden. 24 Mal baten die belgischen Rettungsinstitutionen um Rettung aus der Luft, so bei einer Hochofenexplosion in Lüttich, wo in kürzester Zeit Hubschrauber aus vier Ländern (auch Luxemburg) für den Transport von Verbrennungsopfern landeten. 44 Mal war „Christopher Europa 1” in den Niederlanden im Einsatz.

Einen wahrhaft euregionalen Einsatz gab es im Hohen Venn: Dort hatte sich ein niederländischer Wanderer den Unterschenkel gebrochen. Über Handy und Leitstelle alarmiert, flogen ihn die deutschen Luftretter zur schnellen Behandlung in ein belgisches Krankenhaus.