Köln: Kleine Kirche, großer Rubens: St. Peter und sein Kunstschatz

Köln : Kleine Kirche, großer Rubens: St. Peter und sein Kunstschatz

Die Kölner Kirche St. Peter ist von außen nicht besonders auffällig. Aber wenn man hineingeht, steht man unversehens vor einem Hauptwerk von Peter Paul Rubens. Der Kunstschatz bedeutet für die kleine Pfarrei eine große Herausforderung.

Die Kirche kann nur öffnen, wenn eine Bewachung sichergestellt ist. Die Gemeinde nimmt das auf sich. Dank vieler Freiwilliger kann die Kirche jeden Dienstag bis Samstag von 11 bis 17 Uhr und jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Immer mal wieder möchten Museen das Gemälde ausleihen. Aber St. Peter gibt seinen Rubens nicht her. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass das Bild schon einmal entführt worden ist: 1794 - von französischen Revolutionstruppen. Sie schafften es kurzerhand in den Louvre. Die Kölner protestierten dagegen so lange, bis sie es 1815 nach dem Sturz Napoleons wiederbekamen.

Das Bild würde vermutlich in keinem Museum so gut wirken wie in dieser Kirche. St. Peter wurde bei einem Bombenangriff 1943 - ausgerechnet am Namenstag von Peter und Paul - schwer verwüstet und nach dem Krieg in schlichterer Form wieder aufgebaut. Die erhaltenen gotischen Elemente wie Pfeiler, Bögen und Gewölberippen erzeugen zusammen mit den nackten Wänden eine besondere meditative Stimmung.

Das Rubens-Gemälde zeigt eine Szene von großer Brutalität: Ein alter nackter Mann wird mit dem Kopf nach unten an ein Kreuz genagelt. So grausam ist das, dass die Pfarrgemeinde den Anblick des Bildes nicht immer erträgt - zurzeit zum Beispiel ist es verhüllt. „Gerade in der Adventszeit empfinde ich das als Wohltat”, sagt Pfarrer Werner Holter. Erst wenn die Kinder an Heiligabend ihr Krippenspiel aufgeführt haben, will sich die Gemeinde dem Bild wieder aussetzen.

Der Name des 1638 entstandenen Gemäldes ist „Die Kreuzigung Petri”. Apostel Petrus soll unter Kaiser Nero von den Römern hingerichtet worden sein. Pater Holter sieht in dem Bild aber auch eine Darstellung der verfolgten Kirche allgemein, so der Kopten oder der syrischen Christen. Deshalb ist es für ihn hochaktuell.

Man muss kein Kunstexperte sein, um zu erkennen, warum das Bild als Meisterwerk gilt: Seine Dramatik lässt kaum jemanden kalt. Die Figuren sind so überzeugend in ihren Bewegungen eingefangen, dass es fast an eine angehaltene Filmsequenz erinnert. Rubens selbst hielt das Bild für „eines der besten Werke, die meine Hand geschaffen hat”, wie ein einmal in einem Brief schrieb.

Dass der damals gefragteste Künstler Europas - der sonst für die Könige von England, Frankreich und Spanien arbeitete - ausgerechnet die kleine Kölner Kirche mit einem so zentralen Werk bedachte, hatte persönliche Gründe. Rubens (1577-1640) war in einer Straße in der Nähe aufgewachsen, als flämischer Kriegsflüchtling. In St. Peter ist er zur Kirche gegangen, vielleicht auch getauft worden, sein Vater liegt dort begraben.

„Ich habe eine große Liebe für die Stadt Köln, wo ich bis zu meinem 10. Lebensjahr erzogen wurde”, schrieb der Maler 1637. „Seit Jahren schon fühle ich oft den Wunsch, sie wiederzusehen.” Der Wunsch erfüllte sich nicht, Rubens war schon schwer krank. Aber sein Bild hängt bis heute an dem Ort, für den er es bestimmt hatte.

(dpa)
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