Aachen: Klarer Heimvorteil für Armin Laschet

Aachen: Klarer Heimvorteil für Armin Laschet

Als der Lokalmatador die Bühne betrat, ließ er erstmal den Druck aus dem Kessel. Alle Welt, so Armin Laschet am Freitagabend im Eurogress, betrachte den Vorgang als Heimspiel für ihn, dabei könne man angesichts vieler Alemannia-Darbietungen nur sagen: „Das ist eher eine Drohung als ein Vorteil.”

Es wurde aber doch noch ein relativ gemütlicher Abend für den Aachener CDU-Chef: Im Wettstreit mit seinem Konkurrenten Norbert Röttgen um den Landesvorsitz der Christdemokraten hatte er vor Ort die Nase vorn, am Applaus gemessen und auch, was die Zahl der Unterstützer an den Saalmikrofonen anging.

Zum sechsten Mal traf sich das Duo zu einer Regionalkonferenz, diesmal waren an die 800 Parteifreunde gekommen, um sich das Ereignis anzugucken. Sehr viel mehr als erwartet, und so hatten die Organisatoren in letzter Sekunde mit einer Umbuchung auf den Ansturm reagiert - nicht im Brüssel-, sondern im großen Saal des Eurogress wurde getagt. Landesgeschäftsführer Andreas Krautscheid, der moderierte, sprach denn auch von der „interessantesten Casting-Veranstaltung seit der Krönung Karls des Großen”.

Zu krönen gab es freilich noch nicht viel, das passiert erst am 31. Oktober, Tag der Mitgliederbefragung. Die Kronprinzen waren daher bestrebt, sich für den Tag X in eine möglichst vorteilhafte Position zu bringen, wobei sie ein identisches Problem haben: Sie vertreten politisch so ziemlich dieselben Ansichten - kein Wunder also, dass die Bonner für ihren Röttgen und die Aachener für ihren Laschet stimmen werden. Aber wen wählt der Münsteraner?

Egal, denn am Freitag war Versammlung im Eurogress, und nachdem die Kandidaten ihre Statements gehalten hatten und das erste Dutzend Parteifreunde Fragen und Anmerkungen losgeworden war, konnte die Verteilung der Meinungsgunst - um beim Fußball zu bleiben - ungefähr mit 3:1 angesetzt werden. Für Laschet, der einen schönen gelben Schlips trug und auch sonst mit seinen alten Freunden von den Grünen mächtig zu Gericht saß: die seien im Zuge der aktuellen Umfragen „ein bisschen größenwahnsinnig” geworden, erlitten einen schweren Rückfall in rot-grüne Zeiten und seien nur bei Rückkehr zur Vernunft als Partner vorstellbar.

Das muss an solchen Abenden gesagt werden, und auch, dass die NRW-CDU „in fünf Jahren mehr geleistet hat als Rau in 20 Jahren” oder dass die Berliner der Rüttgers-Truppe den Wahlkampf tüchtig vermasselt hätten. Röttgen war da deutlich zurückhaltender und musste denn auch aus dem Auditorium den Vorwurf quittieren, nur eine „mittelmäßige Wahlkampfrede” abgeliefert zu haben. Allerdings wurde ihm auch bescheinigt, im Gegensatz zu Laschet „allererste Bundesliga” zu sein.

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