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Rückkehr zum Regelbetrieb: Kitas in NRW bleiben vorsichtig in der Pandemie

Rückkehr zum Regelbetrieb : Kitas in NRW bleiben vorsichtig in der Pandemie

Aufatmen für Eltern kleiner Kinder: Mit der Rückkehr zum Regelbetrieb in den Kitas können die Kleinsten nun wieder so lange in den Kindergarten kommen, wie vor der Corona-Krise. Normaler Kita-Alltag ist das aber noch lange nicht.

Volle Betreuungszeit ja, Rückkehr zu Vor-Corona-Normalität nein: Die Rückkehr zum sogenannten Regelbetrieb in den Kindertageseinrichtungen in NRW in der Pandemie bringt zwar Eltern eine deutliche Entlastung, aber noch keinen sorglosen Kita-Alltag.

Zwei Wochen früher als ursprünglich vorgesehen sind am Montag wesentliche Corona-Einschränkungen aufgehoben worden. Berufstätige Eltern können vor allem deshalb aufatmen, weil die Kinder die Einrichtungen wieder in dem vertraglich vereinbarten Umfang besuchen können. Mit der schrittweisen Wiedereröffnung der Kindergärten waren die vertraglich vereinbarten Zeiten um 10 Wochenstunden pro Kind reduziert worden, damit das Personal die Aufgabe unter den neuen Bedingungen leisten konnte. Nicht mehr vorgeschrieben ist auch die strikte Trennung einzelner Gruppen.

Viele Einrichtungen sind angesichts wieder steigender Infektionszahlen jedoch behutsam bei den Lockerungen und zurückhaltend mit gruppenübergreifenden Angeboten, wie auch ein Besuch in einer Einrichtung im Ruhrgebiet zeigt: „Wir werden jetzt von Woche zu Woche denken und dann immer neu überlegen, was wir lockern und was wir beibehalten“, sagte die Einrichtungsleiterin einer großen städtischen Kita in Bochum Wattenscheid, Nancy Westermeyer. 113 Kinder besuchen die Einrichtung. Die sie bringenden Eltern betreten wie schon seit Monaten ein Einbahnstraßen-System, wenn sie ihre Kinder bringen und abholen.

Pfeile weisen den Weg, vor der Tür mahnen Schilder die geltenden Abstandsgebote und die Maskenpflicht für Eltern an. Auf dem großen Außengelände markiert Flatterband die jeweiligen Spielbereiche für die Kitagruppen. „Das wollen wir erstmal aufrecht erhalten“, sagt Westermeyer - auch wenn sich Kinder gemäß der neuen landesweiten Regeln wieder jenseits der angestammten Gruppe begegnen dürfen. Bis zu diesem 17. August war bei Verordnung geregelt, dass die Gruppen streng voneinander getrennt bleiben sollten.

In Wattenscheid ist es damit nun wieder möglich, dass Kinder, die früh von ihren Eltern gebracht werden, die erste Stunde gemeinsam in einem Raum betreut werden, bevor sie in ihre Gruppen wechseln. Auf das tägliche Frühstück in der Turnhalle mit allen Kita-Kindern wird aber weiter verzichtet, erklärt Westermeyer. „Wir wollen jetzt auch nicht das Gefühl vermitteln, dass alles von heute auf morgen wieder ganz normal ist“, sagt Westermeyer. Die Infektionszahlen steigen weiter – auch gerade in vielen Ruhrgebietsstädten. „Da müssen wir jetzt abwarten“, sagt Westermeyer.

Trotzdem sieht sie die Rückkehr zum Regelbetrieb gelassen: „Es freut mich vor allem für die Eltern: Dass wir wieder die vollen Zeiten anbieten können, ist für viele eine langersehnte Entlastung“, sagt Westermeyer. Viele seien zuletzt erschöpft, regelrecht verzweifelt gewesen, weil der Druck der Arbeitgeber groß war.

Dass viele Kinder bis zur monatelangen Corona-Zwangspause einen Großteil des Tages in der Kita sind, zeigt ein Blick in die Statistik des Landesamtes IT.NRW: Mehr als die Hälfte der Kinder gingen im vergangenen Jahr länger als 35 Stunden wöchentlich in eine Kita oder einen Kindergarten, wie das Statistische Landesamt am Montag mitteilte. Bei Kindern im Alter von drei bis unter sechs Jahren waren es 51,3 Prozent, bei den jüngeren Kindern waren es 54,3 Prozent.

Der Landeselternbeirat lobte, dass es durch die Rückkehr zu vollen Betreuungsumfängen nun „endlich wieder Planungssicherheit für Familien“ gebe. „Was wir allerdings mit Sorge betrachten ist, dass auch wieder offene Konzepte zugelassen sind“, sagte Vorstandsmitglied Daniela Heimann am Montag der dpa. „Wir hätten uns einfach ein bisschen mehr Abstand zu den Sommerferien gewünscht, um besser einschätzen zu können, wie sich das Infektionsgeschehen mit den Reiserückkehrern entwickelt.“

Familienminister Stamp verteidigte am Montag den Lockerungsschritt in der Kinderbetreuung: „Für uns ist es eben eine Abwägung von Sicherheit; aber eben auch der frühkindlichen Bildung für unsere Jüngsten“, sagte der FDP-Politiker beim Nachrichtensender ntv. Kitas und Schulen sollten „der letzte Bereich sein“, in dem es wieder flächendeckend zu Einschränkungen komme. Dass aufgrund einzelner Infektionsfälle Kita-Gruppen oder „auch mal eine ganze Kita“ schließen müsse, damit sei aber zu rechnen. Tatsächlich ist es in den vergangenen Wochen landesweit immer wieder zu solchen Einzelfällen gekommen: So vermeldete am Montag die Stadt Oberhausen einen infiziertes Kita-Kind, 13 Erzieher und Kita-Kinder kamen in vorsorgliche Quarantäne, obgleich ihre Corona-Tests negativ waren.

„Wenn es irgendwo ein lokales Infektionsgeschehen gibt, dann muss dort massiv getestet werden“, so der Minister weiter. Genau wie das Personal an Schulen haben Erzieherinnen und Erzieher alle zwei Wochen die Möglichkeit sich auf Kosten des Landes auf das Coronavirus testen zu lassen.

(dpa)