Gütersloh/Aachen: Kita-Gebühren: Düren ist Vorreiter und macht die Kita beitragsfrei

Gütersloh/Aachen : Kita-Gebühren: Düren ist Vorreiter und macht die Kita beitragsfrei

Kindergärten spielen als Bildungsorte für die Entwicklung der Kleinsten eine große Rolle. Aber Qualität, Personalschlüssel und Ausstattung fallen überall anders aus. Ungleichheit herrsche auch bei den Gebühren, bilanziert die Studie „ElternZoom 2018“ der Bertelsmann-Stiftung. Was Mütter und Väter für die Betreuung zahlen, hängt stark davon ab, wo sie wohnen.

Wer wenig Geld hat oder armutsgefährdet ist, zahlt überproportional viel seines Einkommens; jeder zehnte Euro aus der Familienkasse kann dann schon mal an die Kita gehen.

Wie viel kostet die Betreuung?

Eltern geben für die Kita-Betreuung im Bundesschnitt 173 Euro aus. Die Beiträge schwanken laut Erhebung zwischen 30 und 390 Euro monatlich — plus Zusatzkosten für Verpflegung. In Schleswig-Holstein zahlen Familien im Ländervergleich am meisten, in Berlin am wenigsten. Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW liegt im oberen Mittelfeld. Ist das fair?

Wenn Eltern unterschiedliche Beiträge je nach Wohnort zahlen müssen, sei das ein Beleg dafür, „dass der Staat von der Erfüllung seines Auftrags, für gleiche Bildungschancen zu sorgen, weit entfernt ist“, kritisiert der Vorsitzende des Bildungsverbands VBE, Udo Beckmann. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AFG) fordert, dass Familien nur gemäß ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit an den Kita-Kosten beteiligt werden. Der VBE verlangt: Kitas müssen wie die Schule beitragsfrei sein.

Sind Unterschiede bei der Qualität ein Grund zur Aufregung?

In der Kita geht es um die umfassende Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. „Qualitätsunterschiede in der Betreuung können Entwicklungsunterschiede der jeweiligen Kinder von bis zu einem Lebensjahr zur Folge haben“, erklärt die AGF. „Das gilt insbesondere für Kinder aus anregungsärmeren oder belasteten Familien.“ Wie ist die Situation in NRW?

Die Städte und Gemeinden fordern, das Land müsse die Sätze künftig verbindlich für ganz NRW nach einer sozialen Staffelung festlegen. Derzeit werden die Elternbeiträge von den Kommunen festgesetzt. Eine von der SPD vorgeschlagene vollständige Abschaffung der Elternbeiträge lehnen Städtetag, Landkreistag sowie Städte- und Gemeindebund gegenwärtig ab. Dies sei angesichts der bestehenden und künftigen Herausforderungen aktuell „nicht zu schultern“.

Was ist bei einem Vergleich der Beiträge zu berücksichtigen?

In der Regel sind für die Höhe des Kita-Beitrags die positiven Einkünfte der Eltern maßgeblich (Gehalt, Mieteinnahmen, Zinseinkünfte und anderes). Da dies aber nicht überall präzise nach den gleichen Kriterien berechnet wird, die einzelnen Einkommensgruppen unterschiedlich gestaffelt sind und die Kosten für Geschwisterkinder nicht in jeder Kommune gleichermaßen ins Gewicht fallen, ergibt sich aus dem Vergleich der Beiträge nicht unbedingt ein präzises Bild der unterschiedlichen Belastung von Eltern.

Für welchen Beispielfall gelten die in den folgenden drei Fragen genannten monatlichen Beiträge?

Gemeint sind Eltern mit jährlichen Gesamteinkünften in Höhe von 40.000 Euro, die ein Kind bis zu 45 Stunden wöchentlich (ohne Verpflegung) betreuen lassen.

Warum ist Düren ein Sonderfall?

Ab 1. August brauchen in der Stadt Düren alle Eltern, egal wie hoch ihr Einkommen ist, gar nichts mehr zu zahlen, selbst wenn ihr Kind fünf Jahre eine Kita besucht. Derzeit müssen Eltern pro Monat noch 81 Euro für über-zweijährige Kinder (Ü2) und 181 Euro für Unter-Zweijährige (U2) zahlen. In den übrigen Kommunen des Kreises Düren sind die ersten beiden Kindergartenjahre längst beitragsfrei.

Die Kosten für das letzte Jahr werden für alle NRW-Kommunen ohnehin vom Land übernommen. Eltern, die ihre Kinder länger als drei Jahre betreuen lassen, müssen 127 Euro für U2 wie Ü2 zahlen. Es zeichnet sich aber ab, dass der Kreistag dem Beispiel der Stadt Düren folgen wird; offiziell beschlossen ist das aber noch nicht.

Wo gilt sonst die Unterscheidung zwischen U2 und Ü2?

Im Kreis Heinsberg zahlen Eltern für die Ü2-Betreuung 133,48 Euro und für U2 242,56 Euro. In vier Kommunen der Städteregion Aachen — Baesweiler, Monschau, Roetgen und Simmerath — liegt der Beitrag für Ü2-Kinder bei 126 Euro und für U2-Kinder bei 228 Euro.

Was gilt sonst in der Städteregion?

In fünf Städten sind die Beiträge für Über-Dreijährige (Ü3) und Unter-Dreijährige (U3) gleich: Eschweiler 143 Euro, Stolberg 135 Euro, Würselen 132 Euro, Alsdorf 140 Euro und Herzogenrath 148 Euro. In der Stadt Aachen zahlen Eltern für Ü3-Kinder 83 und für U3-Kinder 149 Euro.

(dpa/pep)
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