Aachen: „Kirche vor Ort” steht vor der Zerreißprobe

Aachen: „Kirche vor Ort” steht vor der Zerreißprobe

Das größte Bündnis von Reformgegnern in der 79-jährigen Geschichte des Aachener Bistums steht vor einem Fiasko. Mehrere Gründungsmitglieder haben am Freitag ihren Austritt erklärt, weil vorderste Kräfte des Aktionsbündnisses „Kirche vor Ort” weitere Verhandlungen mit Generalvikar Manfred von Holtum rigoros ablehnen und den Klageweg vor der Schiedsstelle beschreiten.

Außerdem sei das Bündnis mittlerweile von Fundamentaltheologen „erzkonservativ unterwandert”, hieß es. Das Aktionsbündnis hatte seit drei Jahren für 110 Pfarren und 260000 Gemeindemitglieder gegen den Kurs von Bischof Heinrich Mussinghoff „auf Augenhöhe” über Pfarrfusionen, die Auflösung örtlicher Gemeindeverwaltungen und sinkende Zuweisungen aus Kirchensteuern gestritten.

„Maßgebliche Bündnismitglieder verfolgen einen Weg der Totalverweigerung”, erklärte Gründungsmitglied Holger Brantin (St. Martinus/Aachen) die Austritte. „Dort erwägen manche sogar ernsthaft eine Unterschriftenaktion, die als Option die Erklärung der Bereitschaft zum Kirchenaustritt vorsieht”, sagte er.

Mit Sorge verfolge man, dass zunehmend erzkonservative Kräfte im Bündnis aktiv sind, „die allein den geweihten Priester im Fokus gemeindlicher Hierarchie sehen und nicht die Stärkung der Laienarbeit und des Ehrenamts verfolgen”, sagte Brantin. Mehrere Bündnis-Gemeinden kehrten „Kirche vor Ort” deswegen bereits den Rücken, weitere Pfarren haben ihr Ausscheiden angekündigt.

„Infame Unterstellung”

Für den zerstrittenen Führungszirkel des Aktionsbündnisses wies Karl-Joseph Begaß (Würselen-Bardenberg) die Kritik als „infame Unterstellung” zurück. Der Generalvikar weigere sich, über die um bis zu 35 Millionen Euro gekappten Pfarrzuweisungen zu verhandeln. Das akzeptiere man nicht, betonte er. Zudem werde man auch nach dem Ausscheiden liberaler Gründungsmitglieder den erzkonservativen Kräften nicht die Führung überlassen. Insider rechnen angesichts dieser Zerreißprobe allerdings mit dem Ende des Aktionsbündnisses.

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